Projekt Beschreibung

Verfolgt, verfemt, vergessen?

Auf unbestimmte Zeit verschoben! Zweite Veranstaltung der Reihe „Literatur und Politik“ mit dem Zentrum für Verfolgte Künste Solingen

Theatergemeinde Bonn und Grüner Salon der Heinrich Böll Stiftung NRW laden gemeinsam mit dem Zentrum für Verfolgte Künste Solingen (www.verfolgte-kuenste.com) zur zweiten Veranstaltung der Reihe „Literatur und Politik” ein: Ort und Zeit: 29. April 2020, 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr, Theatergemeinde Bonn, Bonner Talweg 10.

Es ist das große Verdienst von Jürgen Serke, das Überleben, verfolgter, verfemter und ermordeter Autor*innen in unserem kollektiven kulturellen Gedächtnis zu sichern.

Der Direktor des Zentrums für Verfolgte Künste in Solingen, Jürgen Kaumkötter und Staatsministerin a.D. Sylvia Löhrmann werden am 29. April vier Autor*innen vorstellen, die in der Frühzeit der Weimarer Republik, in der Zeit der nationalsozialistischen sowie der kommunistischen Gewaltherrschaft verfolgt, vertrieben oder sogar ermordet wurden.

Gelesen werden Texte von Ernst Toller, Else Lasker-Schüler, Selma Meerbaum-Eisinger und Herta Müller. Wir sprechen über die Biographien der Künstler*innen und über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit.

Zum Ein- und Weiterlesen:

  • Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland, erhältlich in mehreren Ausgaben, bei denen man oder frau darauf achten sollte, dass die Einleitung vom 10. Mai 1933 enthalten ist, Hintergrundinformationen in Volker Weidermann, Träumer – Als die dichter die Macht übernahmen, Kiepenheuer & Witsch 2017.
  • Else Lasker-Schüler: siehe unter http://www.deutsche-liebeslyrik.de/lasker_schuler_else.htm, https://de.wikisource.org/wiki/Gesammelte_Gedichte_(Lasker-Schüler) und / oder in vielen anderen gedruckten und digitalen Ausgaben.
  • Selma Meerbaum-Eisinger: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, hrsg. v. Jürgen Serke und mit einem sehr informativen Vorwort des Herausgebers, Hoffmann und Campe in mehreren Auflagen seit 2005 erschienen, mit dem Blumenbild des Heftes, in das die Autorin die Gedichte hineingeschrieben hatte, auch in weiteren Ausgaben, unter dem Titel „Blütenlese“, sehr schön gelesen als Hörbuch von Iris Berben.
  • Herta Müller: Im Heimweh ist ein blauer Saal, erschienen bei Hanser 2019, und natürlich viele andere gut erhältliche Werke, weitere Informationen unter hertamueller.de

Die Moderation übernehmen Dr. Norbert Reichel, Demokratischer Salon Bonn (www.demokratischer-salon.de), sowie die Vorsitzende der Theatergemeinde, Elisabeth Einecke-Klövekorn.

Voranmeldung ist erforderlich: bis zum 02.04.2020 bei der Theatergemeinde Bonn, info@tg-bonn.de. Wir erheben einen Unkostenbeitrag von 8 EUR (ermäßigter Beitrag 5 EUR) incl. Bewirtung.

Jürgen Kaumkötter, geboren 1969 in Osnabrück, ist seit Oktober 2019 Direktor des Zentrums für verfolgte Künste Solingen. Der studierte Kunsthistoriker ist seit Gründung des Zentrums 2015 als Kurator verantwortlich für das Ausstellungsprogramm. Seine Promotion zum „Selbstbildnis mit Judenpass von Felix Nussbaum“ an der Universität Osnabrück steht kurz vor dem Abschluss, dort ist er auch als Lehrbeauftragter tätig.

Sylvia Löhrmann, geboren 1957 in Essen, ist ausgebildete Lehrerin für die Fächer Englisch und Deutsch. Sie war seit 2005 Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags, 2009 bis 2010 Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen. 2010 bis 2017 war sie Ministerin für Schule und Weiterbildung und stellvertretende Ministerpräsidentin in Nordrhein-Westfalen, 2014 Präsidentin der KMK. Seit 2020 ist sie Generalsekretärin des Vereins „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ (www.1700jahre.de).

Jürgen Serke wurde 1938 in Landsberg/Warthe geboren und lebt bei Hamburg. Der Journalist und Schriftsteller war als Chefreporter für die Nachrichtenagentur UPI tätig, arbeitete beim Stern, der Weltwoche (Zürich) und bei der Welt. Seit 2008 ist seine umfangreiche Exil-Literatursammlung Teil der Dauerausstellung im Zentrum für verfolgte Künste Solingen. Serke wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gratias-Agit-Preis des tschechischen Außenministeriums. Buchtipp: Himmel und Hölle zwischen 1918 und 1989 – Die verbrannten Dichter, Sammlung Jürgen Serke, Berlin, Damm und Lindlar Verlag, 2008.

Heba Y. Amin in Solingen und in Berlin: “Im Heimweh ist ein blauer Saal”

Das Titelbild dieses Artikels stammt aus der Einzelausstellung Fruit from Saturn von Heba Y. Amin (http://www.hebaamin.com/), die bis zum 2. Februar 2020 im Zentrum für Verfolgte Künste zu sehen war (ich habe im Demokratischen Salon dafür geworben). Der Titel der Ausstellung stammt vom deutsch-französischen Dichter Yvan Goll und seinem gleichnamigen englischsprachigen Gedichtband, der 1946 in den USA veröffentlicht wurde. Heba Y. Amins Ausstellung beschäftigte sich speziell mit Fruit from Saturns Eröffnungsgedicht “Atom Elegy”, das von der Erfindung der Atombombe ausgelöst wurde. Die erste Version der Elegie, 1942 geschrieben, wurde später im Hinblick auf die amerikanischen Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki 1945 geändert. Lohnenswert von Heba Y. Amin auch ihre jüngste Publikation: The General’s Stork, Berlin, Sternberg Press, 2020 (http://www.hebaamin.com/works/the-generals-stork/).

Zum Bild: links: Heba Y. Amin, Portrait of Woman with Theodolite II, 2019, Archiv-Pigmentdruck, 200 x 150 cm. rechts: Heba Y. Amin, Survey of German Landscapes by Night (New Morgenthau Plan) I, 2019, Archiv-Pigmentdruck, 200 x 150 cm.

Die Solinger Sammlung von Yvan Golls Oeuvre basiert auf der Recherche von Jürgen Serke, der dem Museum ein unveröffentlichtes Originalmanuskript von “Atom Elegy” – teils getippt, teils handschriftlich – geschenkt hat. Es war erstmals im Rahmen der Ausstellung zu sehen.

Zurzeit sind Werke von Heba Y. Amin, Maja Bajević, Else Lasker-Schüler und Herta Müller bis zum 4. April 2020 in der Ausstellung „Im Heimweh ist ein blauer Saal“ der Zilberman Galerie in Berlin zu sehen (https://www.zilbermangallery.com/Im-heimweh-ist-ein-blauer-saal-e276.html).

Im Heimweh ist ein blauer Saal – Heba Y. Amin, Maja Bajevic, Herta Müller, Else Lasker-Schüler, Ausstellungsansicht: Papierarbeiten von Herta Müller und Else Lasker-Schüler, Zilberman Gallery | Berlin. Foto: Chroma

ZENTRUM FÜR VERFOLGTE KÜNSTE
Wuppertaler Str. 160, 42653 Solingen, Telefon: +49 212 2 58 14-0
Website: www.verfolgte-kuenste.com