„Handwerk hat goldenen Boden“
Alexia Pooth und Thomas Schaarschmidt über das Handwerk in der DDR
„Die Partei konnte offenbar noch so viel fordern: Als private/r Handwerker:in war man sich in den 1980er Jahren gewiss, dass man in der Bevölkerung respektiert und für seine Leistungen und sein Knowhow anerkannt war. Das private Handwerk und seine Tradition waren also nicht nur Teil der Berufsgeschichten, sondern auch Arbeits- und Lebensrealität im eigenen Land: in der DDR.“ (Alexia Pooth)
„Zwar ließen die meisten der von uns befragten Handwerker:innen im Rückblick von über 30 Jahren keinen Zweifel daran, dass sie sich trotz allen Ärgers über die Unzulänglichkeiten und Absurditäten der Planwirtschaft in der DDR eingerichtet hatten und im Vergleich zu vielen anderen Bevölkerungsgruppen gut verdienten, doch schalteten sie nach dem Mauerfall nach einer Phase starker Verunsicherung schnell um und versuchten, in der unübersichtlichen Umbruchsituation wieder Grund unter die Füße zu bekommen.“ (Thomas Schaarschmidt)
Diese beiden kurzen Zitate belegen eindrucksvoll, welchen Stand das private Handwerk in der DDR hatte und wie folgenreich die der Friedlichen Revolution folgende Transformationszeit für die Betriebe war. Beide Zitate stammen aus dem Buch „Handwerk Ost – Arbeits- und Lebenswelten zwischen Plan und Markt“ (Berlin, Ch. Links Verlag, 2026). Das Buch ist das Ergebnis des in den Jahren 2021 bis 2024 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „Gesellschaftsgeschichte des ostdeutschen Handwerks“, das vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam durchgeführt worden ist. Thomas Schaarschmidt und Alexia Pooth verfolgten mit der Studie das Ziel, auf der Grundlage qualitativer Interviews mit Zeitzeug:innen ein Bild der Entwicklungen der Jahre 1945 bis 2020 zu zeichnen.
Die Studie befasste sich mit der Bedeutung des wirtschaftlichen Erfolgs für den sozialen Status der Handwerker:innen in der DDR und den Veränderungen ihrer Lebenswelten, ökonomischen Perspektiven und ihres Sozialstatus nach 1990. Alexia Pooth schrieb die Kapitel zur Lage des Handwerks bis zum Mauerfall, Thomas Schaarschmidt die Kapitel zur Transformationszeit. Der Band enthält Kurzbiografien der 22 Interviewpartner:innen, darunter 16 Handwerker:innen, ein Verzeichnis der Handwerksberufe in der DDR, eine Chronik der Gesetze und Beschlüssen 1945 bis 2020 sowie ein Verzeichnis der Quellen und Archive.
Thomas Schaarschmidt habilitierte sich an der Universität Leipzig und unterrichtet seit 2009 an der Universität Potsdam Neuere und Zeitgeschichte. Alexia Pooth ist promovierte Kunst- und Kulturhistorikerin. Sie leitet seit 2024 die Sammlung moderne und zeitgenössische Kunst der Ruhr-Universität Bochum. Im Demokratischen Salon stellte sie im Oktober 2024 ihr Buch „Exhibition Politics – Die documenta und die DDR“ vor.
Eine Alltagsgeschichte des Handwerks
Norbert Reichel: Ich habe Ihr Buch als einen Beitrag zur Alltagsgeschichte in der DDR gelesen. Ein weiterer Gedanke war die Differenzierung von Martin Sabrow zu den drei Ausprägungen des Gedächtnisses an die Zeit in der DDR, „Diktaturgedächtnis“, „Fortschrittsgedächtnis“ und „Arrangementgedächtnis“. Ihre Geschichte des Handwerks scheint mir im Rückblick und in der Bewertung aus heutiger Sicht einer Mischung von Fortschritts- und Arrangementgedächtnis zu entsprechen. Dabei war mit dem „Fortschritt“ nicht unbedingt immer das gemeint, was die SED-Führung darunter verstand. Man hatte sich als Handwerker:in in der DDR irgendwie einrichten können, auch wenn der Staat offiziell nicht billigte, was man tat.
Alexia Pooth: Der Band ist auf jeden Fall ein Beitrag zur Alltagsgeschichte. Das Handwerk war eine feste Größe im Wirtschaftsleben der DDR. Da es sich bei der DDR um eine sogenannte Reparaturgesellschaft handelte, in der es viele Dinge nicht zu kaufen gab, hatten alle mit dem Handwerk zu tun. Bis in die 1980er Jahre waren die privaten Handwerksbetriebe maßgeblich daran beteiligt, die Reparatur- und Dienstleistungen zu gewährleisten, die in einer Mangelwirtschaft notwendig waren. Insofern kannte jeder irgendeine Handwerkerin oder irgendeinen Handwerker. Das merkt man, wenn wir unser Buch vorstellen. In der Regel meldet sich sofort jemand und erzählt eine Anekdote aus der eigenen Erfahrung mit dem Handwerk. Es gibt sehr viele Meinungen, wobei sich natürlich nicht alle über das Handwerk freuten. Gerade der Status des „Gebraucht-Werdens“ brachte den privaten Handwerker:innen auch Vorurteile ein, mit denen andere Bevölkerungsgruppen in der DDR nicht konfrontiert waren, schon allein, weil Handwerker:innen zumeist Häuser besaßen und Autos fuhren.
Thomas Schaarschmidt: Es gibt einen schönen Spruch aus der Handwerkskammer in Erfurt, den wir in unserem Buch zitieren: „Jeder braucht jeden Tag Handwerk und keiner merkt’s.“ Alle können etwas zum Handwerk sagen. Wenn man sich intensiv mit der Gesellschafts- oder Alltagsgeschichte der DDR beschäftigen will, muss man jedoch in die Tiefe gehen und sich vor Ort und im Detail die Verhältnisse anschauen. Das Handwerk bietet in der Tat einen Beitrag zur Alltagsgeschichte, nicht nur zur Leistung des Handwerks für die Gesellschaft, sondern auch im Hinblick auf soziale Ungleichheiten.
In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, verschiedene Eigentumsformen im Sozialismus zu unterscheiden: neben dem privaten Handwerk gab es auch noch die Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH), die wir allerdings in unserem Band nur am Rande untersuchen. Ende der 1980er Jahre existierten in der DDR etwa 2.700 PGHs mit etwa 163.000 Beschäftigten neben etwa 80.000 privaten Handwerksbetrieben mit etwa 260.000 Beschäftigten.
Norbert Reichel: Eine Wegwerfgesellschaft gab es nicht in der DDR, wie sah es mit Reparatur- und Dienstleistungen aus?
Thomas Schaarschmidt: Das stimmt, die DDR war eine Reparaturgesellschaft, nur die Reparaturdienstleistungen waren nicht ausreichend verfügbar. Häufig musste man warten – auf die Reparatur von Strumpfhosen, auf den Klempner, oder sonstige Dienstleistungen.
Alexia Pooth: Das war nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Politik ein großes Problem. In der sozialistischen Gesellschaft herrschte eigentlich die Idee, dass die Bevölkerung ihre Reparaturleistungen externalisieren kann, um – anstatt für Hausarbeit, wie Nähen etc. – genügend Raum für Freizeit zu haben. Das funktionierte natürlich nicht, weil viele Reparaturleistungen gar nicht ausreichend zur Verfügung standen. So waren viele Ideale der sozialistischen Gesellschaft in der Realität nicht umsetzbar.
Thomas Schaarschmidt: Das stimmt, aber es gibt hier interessante Parallelen zum Westen. Da die Dienstleistungen für Reparaturen fehlten, entwickelte sich ein Trend zum Eigenbau beziehungsweise zur Eigenreparatur. Es ist in der ehemaligen DDR noch heute oft Anlass zu Stolz, dass man beim Bau des Hauses mit ein wenig Unterstützung aus dem Handwerk in der Nachbarschaft alles selbst gemacht hat. Das war aus der Not geboren. Im Westen gibt es ebenso eine Selbermachkultur. „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“, ein Buch mit diesem Titel hatte mein Vater zu Hause im Bücherschrank – und solche Publikationen gab es auch in der DDR.
Alexia Pooth: Ja, es herrschte quasi eine Do it yourself-Kultur, die bis heute faszinierend ist.
Norbert Reichel: Alle brauchten das Handwerk, gerade auch das private Handwerk, aber gemocht haben die SED-Parteiorganisationen das Handwerk nicht. Aber irgendwie haben sich Handwerk und Partei miteinander arrangiert oder täusche ich mich?
Alexia Pooth: Gemocht wurden die privaten Handwerker:innen zumindest von Staatsseite tatsächlich nicht. Aber ob sich alle von ihnen mit der SED arrangiert haben, kann ich nicht bestätigen.
Ziel der DDR-Führung war es, alle in den staats- und planwirtschaftlichen Betrieb einzubinden. Private Handwerksbetriebe, die schon lange vor Gründung der DDR, oft sogar schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden, hatten ein eigenes Selbstverständnis von Privatheit, von Selbstwirksamkeit, vom der-eigene-Chef-sein, von wirtschaftlicher Organisation. Es war natürlich ein Problem für die DDR-Führung, eine Bevölkerungsgruppe zu haben, die zwar auch in der Planwirtschaft Sollzahlen erfüllen sollte, aber vom Selbstverständnis her überhaupt nicht mit der Staatswirtschaft zu vereinbaren war. Schon seit Gründung der DDR, eigentlich auch schon in der Sowjetischen Besatzungszone, wurden folglich eine Fülle von Maßnahmen gegen das private Handwerk in Gang gesetzt, die das Handwerk „zersetzen“ sollten.
Um besser zu verstehen, wie das Verhältnis zwischen Partei und privaten Handwerker:innen im Plansystem der DDR aussah, habe ich mir zum einen die Gesetzgebung und die Rhetoriken der Partei seit den 1950er Jahren angeschaut. Zum anderen haben wir Zeitzeugeninterviews geführt, weil die Archivlage zum Handwerk sehr dürftig ist. Privatbetriebe sammeln nicht unbedingt für die Nachwelt. Daher war uns klar, dass wir Interviews generieren müssen, um zu entsprechenden Antworten zu kommen. Wir haben einen Aufruf gestartet und im Verlauf der Studie 16 Zeitzeugeninterviews mit Handwerker:innen führen können.
Diese Interviews zeigen, dass man die Gruppe der Handwerker:innen nicht pauschal einschätzen kann. Man muss sehr stark differenzieren, gerade auch, wenn man auf die Zeit nach 1989/1990 schaut.
Thomas Schaarschmidt: Ich möchte noch einmal auf Ihre Grundfrage zum Arrangement eingehen. Wir haben eine bestimmte Gruppe von Handwerksbetrieben betrachtet, die bis zum Ende in der DDR geblieben sind. Die waren oft unzufrieden mit den Verhältnissen, haben sich auch mit der Bundesrepublik verglichen, aber haben sich irgendwie arrangiert. Sie hatten ihren Platz im System gefunden, obwohl sie wussten, dass der Staat, die SED sie nicht mochte. Seit den 1950er Jahren wurde immer wieder versucht, sie in die PGHs zu integrieren. Sie wurden in allen möglichen Punkten benachteiligt, bei der Materialbeschaffung, bei der Besteuerung. Das hat auch gewirkt. Viele private Handwerke haben aufgegeben. In den 1960er Jahren waren die PGHs in einer günstigen Situation, sodass viele Handwerker dorthin abgewandert sind. Aber es gab dennoch genug Handwerksbetriebe, die die Selbstständigkeit vorgezogen haben. Das hat auch deshalb funktioniert, weil bis zum Ende der DDR die Nachfrage so groß war, dass Handwerksbetriebe auch ohne großes Eigenengagement in dem System weiterleben konnten.
Alexia Pooth: Das unterscheidet sich je nach Branche. Wir haben Handwerksbetriebe wie Druckereien, Optiker oder Kfz-Betriebe untersucht, die immer gebraucht werden, aber auch viele Betriebe in Spezialhandwerksbranchen, die unter den Zersetzungsmaßnahmen aufgeben mussten, weil sie keine Lehrlinge mehr bekamen. Lehrlinge wurden auf der Basis der staatlichen Soll- beziehungsweise Planvorgaben zugewiesen. Es gab ganze Teilbereiche wie die Blaudrucker, die Schuhmacher, die Kürschner, in denen über Jahrzehnte niemand mehr ausgebildet wurde, sodass es keinen Nachwuchs gab. Wie gesagt, man muss sich die Lage des privaten Handwerks schon sehr detailliert anschauen.
Norbert Reichel: Kann man die Lage von Handwerksbetrieben in der DDR als prekär beschreiben?
Thomas Schaarschmidt: Nein, auch das muss man differenziert sehen. Handwerksbetriebe waren nicht am Rande des Abgrunds. Es gab viele Gewerke, zum Beispiel die Baubranche oder das KfZ-Gewerbe, in denen die Handwerksbetriebe extrem erfolgreich waren. Handwerkerinnen und Handwerker gehörten in der DDR zu den Menschen mit den höchsten Spareinlagen. Die nagten nicht am Hungertuch. Es gibt Gewerke, in denen es schwierig war, aber viele, bei denen es viel Geld gab. Prekarität trifft auf die rechtliche Stellung zu, auf die Gefahr, irgendwie verfolgt und belangt zu werden, beispielsweise wegen Steuerhinterziehung, aber nicht in sozialer Hinsicht. Viele sagten uns, dass sie bis zum Ende der DDR sozial relativ abgesichert waren.
Alexia Pooth: Das stimmt. Wenn man von Prekariat sprechen will, dann vielleicht eher in Bezug auf andere Aspekte. Zum Beispiel in der Lebensmittelbranche: hier gab es viele Herausforderungen, etwa mit Blick auf die marode Gebäudesubstanz. Fleischereibetriebe, Bäckereien hatten mit Ungeziefer zu kämpfen, mit Schimmelbefall und hygienischen Problemen. Es gab Betriebe, die genau deshalb keine passenden Gewerbeflächen fanden, keine Wohnräume in der Nähe des Betriebs. Wenn ein Bäcker morgens um drei Uhr anfängt, muss er auch möglichst in der Nähe seiner Bäckerei leben. Das war in der DDR ein großes Problem.
An anderes Beispiel für „prekäre“ Arbeitskonditionen ist natürlich der fehlende Nachwuchs. Bis in die 1980er Jahre versuchte die SED, die Betriebe systematisch „auszutrocknen“. Erst nach 1976 wurde hier ein neuer Kurs gefahren, der es auch Kindern von Handwerker:innen ermöglichte, ein Handwerk zu erlernen bzw. die Betriebe der Eltern zu übernehmen.
In diesem Bereich gibt es große Unterschiede, je nach Gewerk und Standort. Ich denke, Thomas, wir müssen dringend weiter forschen.
Das Miteinander und Ineinander der Netzwerke und Informationskanäle
Norbert Reichel: Ich bin neugierig auf weitere Forschungen! Eine wichtige Frage war die Materialbeschaffung. Das war nicht nur ein Problem des Handwerks, sondern ein grundsätzliches Problem. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die in meiner Zeit im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft der damalige Minister Rainer Ortleb erzählte. Er sagte, wir alle hätten die Aufgabe, mit 50 Mark einen Zentner Zement zu besorgen, aber unter der Bedingung, dass wir nicht in den Baumarkt fahren dürften. Er sei sicher, dass in der DDR alle am Abend diesen Sack „organisiert“ hätten, während es im Westen niemand geschafft haben würde. Nach Lektüre Ihres Buches hatte ich den Eindruck, dass alle irgendwie an das Material herangekommen sind.
Alexia Pooth: Ja, das sind sie. Ich glaube, eines der wichtigsten Güter des Handwerks waren Netzwerke und Informationskanäle. Von Anfang an gehörte das zum Alltag dazu. Man kannte jeden in der Branche. Offiziell gab es die Handwerkskammer, die natürlich staatlich besetzt war, sowie die Berufsgruppen, also die Innungen, in denen man sich traf. Daneben aber lief vieles unter der Hand. Man feierte Feste, man war in Einkaufs- und Liefergenossenschaften (ELG) organisiert, man bekleidete ehrenamtlich verschiedene Positionen und versuchte, Kontakte zu Kolleg:innen auch anderer Branchen aufzubauen und zu erhalten.
Wir haben uns auch mit der Frage beschäftigt, was Jugendliche motivierte, ins private Handwerk zu gehen. Es zeigte sich ganz klar, dass schon der Schritt ins Handwerk im Rahmen der Planwirtschaft nur funktionierte, wenn man die Netzwerke hatte. Ohne diese wäre man nicht an den Lehrbetrieb, nicht an die Wohnung gekommen. Es gibt zahlreiche Anekdoten, wie jemand beispielsweise in Rostock Betrieb und Wohnung fand, denn ohne Wohnung gab es keinen Ausbildungsplatz. Das zieht sich durch alle Bereiche durch.
Thomas Schaarschmidt: Ich möchte das ein bisschen relativieren. Informelle Netzwerke gab es nicht nur in der DDR. Wir haben sie auch in der alten Bundesrepublik und in vielen anderen Gesellschaften. Aber wir hatten in der DDR eine sehr restriktive Zuteilung von Lehrstellen. Ganz anders als in der Marktwirtschaft war der Zugang zu Material. Da ging ohne Netzwerke gar nichts. Geld spielte eigentlich keine Rolle. Es wurde munter durch die ganze DDR getauscht. Das konnten die Osthandwerker nach 1990 immer noch, aber es war nicht mehr nötig, zum Beispiel Spargel gegen Rohre zu tauschen. Jetzt fuhr man in den Westen und kaufte die Rohre im Baumarkt. Das muss ein starker Einschnitt gewesen sein, der schlagartig Fähigkeiten der Materialbeschaffung oder der Materialhortung entwertet hat.
Norbert Reichel: Aber es wurde damit doch auch teurer?
Thomas Schaarschmidt: Ja, aber es war auch weniger aufwendig. Das spielt in den Erzählungen eine große Rolle, wie viel Zeit es kostete, bei der Materialbeschaffung immer hin- und herzufahren, all das mit dem Gefühl: „Wir schaffen es trotzdem.“ Diese Erfolgserlebnisse waren dann nach 1990 nicht mehr von Relevanz.
Alexia Pooth: In der DDR galt: Man brauchte ein Fenster, als Gegenleistung baute man einen schönen Tisch. Der Bäcker hatte ein Problem mit seinem Ofen. Für guten Kuchen kamen – salopp gesagt – die Ofenbauer. Es hieß, jeder hilft jedem, auch um selbst etwas zu bekommen. Das trug zur Kommunikation, zum Miteinander bei. Dieses Gefühl des Miteinanders ging mit der Wende verloren. Das ist eine große Verlust- und Bedauernsgeschichte, die heute noch Thema ist. Die Freundschaftsbande sind zu Konkurrenzverhältnissen geworden.
Viele kleine Betriebe
Norbert Reichel: In Ostdeutschland haben wir nach wie vor hauptsächlich kleine Betriebe, meines Wissens etwa 80 bis 90 Prozent. Hängt dieses Phänomen mit der Geschichte des privaten Handwerks in der DDR zusammen?
Thomas Schaarschmidt: Es gibt Studien, die belegen, dass die meisten Handwerksbetriebe im Westen in den 1970er Jahren auch nicht größer waren als die Betriebe in der DDR, die seit 1950 höchstens zehn Beschäftigte anstellen durften. Für die DDR war das jedoch eine besondere Situation, weil die Nachfrage so groß war. Mit mehr Personal hätte man viel länger und viel mehr Aufträge abarbeiten können. Irgendwann hat man keine Aufträge mehr angenommen, was auch mit der extremen Besteuerung den Betrieb zusammenhing. Es lohnte sich nicht mehr zu arbeiten. In der alten Bundesrepublik gab es insgesamt viel mehr größere Betriebe als in Ostdeutschland, aber inzwischen orientiert sich die Entwicklung in Bezug auf die Betriebsgröße in den neuen Bundesländern stark am Westen. Wir erleben gleichermaßen, dass die Schere zwischen einigen großen mittelständischen Unternehmen und vielen Kleinbetrieben immer weiter auseinander geht.
Norbert Reichel: Die Frage ist meines Erachtens eher, ob sich Großbetriebe im Osten ansiedeln beziehungsweise wie es sich mit diesen verhält.
Thomas Schaarschmidt: Manche entwickeln sich auch aus ostdeutschen Handwerksbetrieben. Am Schluss versuche ich in unserer Studie einen Ausblick zu geben. Es gibt einige Firmen, die ziemlich erfolgreich sind, auch auf Grundlage der Erfahrungen, die sie vorher gemacht haben, auf Grund ihres Kundenstamms, und es gibt natürlich auch Ansiedlungen aus dem Westen oder aus West-Berlin.
Alexia Pooth: Wir haben Handwerksmeister interviewt, die gar nicht mehr Leute einstellen wollten. So hätten sie einen besseren Überblick über die Arbeitsschritte und das Personal. Gerade in der DDR litten nicht alle darunter, dass sie nur zehn Leute beschäftigen konnten – eine Vorgabe, die seit den 1950er Jahren gesetzlich verankert war und bis 1989/90 galt.
Thomas Schaarschmidt: In den 1990er Jahren gibt es in vielen Gewerken schon das Bestreben zu expandieren. Oft waren es die Handwerker selbst, oft auch Beratungsangebote, die den Anstoß gaben. Die Beratung ging oft in die Richtung zu versuchen, Filialen zu gründen. Etliche Betriebe haben sich auf diese Weise kaputtexpandiert. Sie haben sich überfordert, erst recht, als die Wirtschaftskrise dann doch wieder zubiss. Andere sind aus den Erfahrungen vor 1990 lieber moderat expandiert.
Norbert Reichel: Eine problematische Rolle spielten in der Transformationszeit der frühen 1990er Jahre Berater aus dem Westen, von denen viele nicht unbedingt qualifiziert waren.
Thomas Schaarschmidt: Die kamen alle aus dem Westen. In den Interviews haben wir auch von sehr konstruktiven Beratungen gehört, die geholfen haben, zum Beispiel zu technischem Knowhow, zu betriebswirtschaftlichen Grundlagen, die in der DDR nicht wirklich erforderlich waren. Es gab aber genauso oft unseriöse Angebote. Ich versuche mir vorzustellen, wie Handwerker darauf reagierten. Manche Angebote waren so absurd, dass man sie schnell durchschaute. Aber mit manchen Dingen, zum Beispiel Rabattofferten, hatten die Handwerker:innen vorher keine Erfahrung. Viele waren völlig überfordert mit Kooperationsangeboten der merkwürdigsten Art, Versicherungsangeboten, Kreditangeboten und was nicht alles. Das muss für viele eine totale Überforderung und Überwältigung gewesen sein.
Privatwirtschaft in der Planwirtschaft
Norbert Reichel: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in allen Planwirtschaften in bestimmten Rhythmen immer wieder Lockerungen beschlossen werden, die privatwirtschaftliche Formen ermöglichten, in kleinem Rahmen, aber immerhin. Das betrifft oft landwirtschaftliche Subsistenzwirtschaft, bei der dann auch immer etwas abfällt, das man weiterverkaufen kann. Ähnliches gab es wohl im Handwerk. Die Frage, die sich planwirtschaftliche Regime stellten, lautete: Wie viel Privatwirtschaft muss ich zulassen, um die Leute bei der Stange zu halten?
Thomas Schaarschmidt: Das ist ein Hin und Her. Alexia hat sich mit den Wirtschaftsreformen in den 1960er Jahren befasst. Manche haben profitiert: Wir verweisen auf die goldenen Jahre der PGHs. Die konnten mit den VEBs mithalten. Aber plötzlich wurde es der Parteiführung unheimlich, was sich da von unten entwickelte, und sie haben den Deckel wieder drauf gemacht. Wichtig für unser Projekt sind die mehrfachen Kurswechsel in den 1970er Jahren, beginnend mit der Enteignungswelle nach dem Amtsantritt von Erich Honecker, der versucht hat, alle erfolgreichen PGHs zu verstaatlichen, um sie besser zu kontrollieren. Wenige Jahre später stellte die Parteiführung fest, dass man sich selbst geschadet hatte, weil wirtschaftliche Leistungen, die man brauchte, damit wegfielen. Dann kam wieder eine Öffnung zu größeren Freiräumen, die auch nicht immer den gewünschten Erfolg hatten, aber doch die Rahmenbedingungen für das Handwerk verbesserten.
Alexia Pooth: Es dauert natürlich auch immer ein paar Jahre, bis eine veränderte Politik Fuß fasst. Das größte Dilemma der DDR war einfach, dass die SED das private Handwerk als vermeintliche Ausgeburt des Kapitalismus nicht mochte, es aber gebraucht wurde. Walter Ulbricht hat bereits im Zuge der Bodenreform gesagt, man könne diese gar nicht ohne die privaten Handwerker durchführen, die den Neubauern mit ihrem Knowhow unter die Arme greifen. Das ist in der Anfangsphase der DDR so angesetzt und zieht sich bis zu ihrem Ende durch.
Die Handwerkspolitik in der DDR hat sich ständig gedreht, sie war nicht einheitlich, auch nicht vorhersehbar. In den 1950er Jahren waren es gesetzliche Gängelungen, in den 1980er Jahren gab es reale Unterstützung, auch in Form von einigen Sondermaßnahmen, zum Beispiel, dass ein junger Handwerker erst einmal von der Nationalen Volksarmee (NVA) zurückgestellt wurde, wenn er den Betrieb seines Vaters übernommen hat.
Nobert Reichel: Ihr Buch ist unglaublich detailreich. Dazu gehören auch scheinbare Kleinigkeiten wie der Zugang zu einem Auto über die NVA. Heute ist es nicht mehr vorstellbar, dass sich ein Handwerker mit einem Auftrag der Bundeswehr gleich auch noch ein Auto oder Sonderkonditionen bei der Materialbeschaffung erwirken könnte.
Alexia Pooth: Die NVA ist ein interessanter Teilbereich, weil sie, wie viele andere staatliche Einrichtungen auch, vom Handwerk profitierte, beispielsweise wenn elektrische Leitungen verlegt werden mussten oder die Volkspolizei beziehungsweise die Staatssicherheit eine neue Garage brauchte. Die haben auch gerne auf das private Handwerk zurückgegriffen.
Thomas Schaarschmidt: Da wusch eine Hand die andere, denn diese Auftraggeber hatten zusätzliche Materialkontingente und waren daher bei den Handwerksbetrieben beliebt. Die haben auch nicht so genau nachgezählt, was sie an die Handwerker weitergegeben hatten.
Alexia Pooth: Ich gestehe, dass ich als Nachgeborene bis heute nicht so recht verstanden habe, wie sich die Firmenfinanzierung beziehungsweise besser: der Erwerb von Material und Technik genau zusammensetzte. Thomas sprach schon von den hohen Spareinlagen. Bis heute wissen wir nicht genau, woher diese kamen, wie sie sich akkumuliert haben, aus welchem Topf dann ein (West-)Auto finanziert wurde und wie die Schwarzarbeit funktionierte, die existierte und gut bezahlt wurde.
Transformationen auf dem Weg in die „blühenden Landschaften“
Norbert Reichel: Ein wichtiger Aspekt Ihrer Studie ist die Transformation von einer Planwirtschaft in eine Privatwirtschaft nach der Friedlichen Revolution. Wie lief das ab und was lässt sich heute aus der Rückschau über diesen Prozess sagen?
Thomas Schaarschmidt: Ja, das ist die zweite Hauptfrage in unserem Buch – ein enorm schwieriger Prozess. Manchmal muss man sich auch die Naivität der frühen 1990er Jahre vor Augen halten: Wir nehmen die Planwirtschaft weg und schon ist die Marktwirtschaft da! Wir brauchen jedoch die Marktteilnehmer. Interessant war der Blick auf die wenigen privaten Betriebe in der DDR. Viele dachten, das werde der neue Mittelstand in Ostdeutschland, abgesehen von den Westbetrieben, die sich im Osten angesiedelt haben. Diese Betriebe hatten Erfahrungen in der DDR aber keine mit den neuen Rahmenbedingungen einer Marktwirtschaft. Sie haben eine wichtige Rolle gespielt, aber sie selbst fühlten sich als Getriebene. Sie haben auf lokaler Ebene neue Kontakte geknüpft, ihre Produktion und Kundenstämme ausgebaut, sich im Hinblick auf die Handwerkskammern neu orientiert. Ich denke, sie sind eigentlich die wahren Helden der Transformation von unten, während von oben illusorische Vorstellungen vorherrschten. Man muss sich nur die Privatisierungen durch die Treuhand anschauen! Man dachte, es gehe ganz einfach und die Betriebe wären dann alle schnell wieder flott. Aber es hat sich mit den „blühenden Landschaften“ dann doch nicht so schnell durchgesetzt.
Alexia Pooth: Wir haben eben darüber gesprochen, dass viele aus dem Westen in den Osten kamen, um Beratungsleistungen oder Schnäppchen anzubieten. Aber wir müssen sehr genau differenzieren, wovon wir eigentlich reden. Eine der interessantesten Fragen ist die, wie die Menschen im Osten die Transformationsprozesse erlebt haben. Da kamen Leute aus dem Westen, die meinten, sie könnten die Brillengläser viel besser schleifen, denn sie hätten bessere Maschinen. Fast alle Handwerker:innen, die wir interviewt haben, Männer wie Frauen, die die Transformationszeit erlebt haben, sind selbst in den Westen gegangen, kamen zurück und stellten fest, dass sie handwerklich viel besser aufgestellt waren. Sie waren viel flexibler und eben in der Lage, ein Brillenglas auch ohne hochmoderne Maschinen zu schleifen. Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis: Alle fühlten sich in der Transformationsphase durchgerüttelt, aber das berufsbezogene Wissen, das sie hatten, konnte ihnen niemand nehmen. Das war eine große Motivation und gilt zumindest für die Handwerker:innen, die wir interviewt haben.
Norbert Reichel: An mehreren Stellen in Ihrem Buch verwenden Sie den Begriff „Handwerkerstolz“. Manche konnten durch Inaugenscheinnahme im Westen ein neues Selbstbewusstsein entwickeln. Das betrifft aber nur einen Teil der Betroffenen. Bei vielen hat es nicht geklappt.
Alexia Pooth: Mit der Abwicklung der volkseigenen Betriebe haben wir ein großes Potenzial an Arbeitskräften, zum Beispiel die VE-Meister, die volkseigenen Betriebsmeister. Auch die PGHs wurden aufgelöst. Und plötzlich haben wir einen großen Pool von handwerklich geschulten Leuten auf dem Arbeitsmarkt.
Thomas Schaarschmidt: Dadurch entsteht in den frühen 1990er Jahren eine enorme Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt viele Neugründungen, teilweise aus der Not geboren. Um die Wirtschaft anzukurbeln, wurde seit 1990 ermutigt, neue Betriebe zu gründen. Da der Bedarf sehr groß war, wurde dies angenommen, doch in dieser Situation war noch nicht abzusehen, wer sich am Markt behaupten würde. Die Entwicklung verlief auf verschiedenen Geschäftsfeldern ganz unterschiedlich. Ganze Bereiche verschwanden, zum Beispiel das Reparaturgewerbe, das in der Wegwerfgesellschaft keine Chance hatte. Schuhe wurden nur noch selten repariert. Nehmen wir das Beispiel einer Porzellanmalerin, die in den frühen 1990er Jahren Teller wieder zusammengeklebt hat. Als wir das sahen, dachten wir, das wäre im Westen beim nächsten Polterabend gelandet. Sie hat das auch nicht lange gemacht und ist auf Geschenkartikel umgestiegen. Auch der Run auf Westprodukte spielte eine Rolle. Ein Drucker, den wir interviewt haben, war früher Buchbinder. Im Laufe der 1990er Jahre stellte er fest, dass der Bedarf zurückgegangen war. Die Leute ließen sich nicht mehr das alte Kochbuch der Oma reparieren. Das gab es im Buchladen alles viel billiger. Also sattelte er auf Druckerei um.
Dass Betriebe an- und abgemeldet werden, ist im Handwerk normal. Abmeldungen sind nicht unbedingt Anzeichen einer tiefen Krise. Manche neu gegründeten Betriebe hatten aber nur eine schwache Kapitaldecke und überlebten nur zwei bis drei Jahre.
Ein anderer Blick auf die Transformationszeit und ihre Folgen?
Norbert Reichel: Erklärt ihr Buch etwas zu den Verwerfungen und Radikalisierungen in Ostdeutschland, die wir zurzeit erleben und die in Berichterstattung und Politik dominieren? Oder erklärt es das nicht?
Thomas Schaarschmidt: Irgendetwas dazwischen. Unsere Erwartungen waren eigentlich höher. So wollten wir beispielsweise wissen, ob man aus der Situation des Handwerks Schlüsse auf den Wähleranteil der AfD ziehen kann. Wir haben auch gedacht, wir könnten mehr herausfinden über die Dynamik der Gesellschaft, über gesellschaftliches Engagement. Punktuell ist das vielleicht gelungen, aber so einfach war das nicht.
Immerhin bekommen wir einen guten Blick dafür, wie Transformation funktioniert hat, welche Rolle privates Handwerk dabei spielte und wie lokale Gesellschaft funktioniert. Die privaten Betriebe, die schon vor 1990 da waren, waren eine Art Stabilitätsanker. Wir wüssten aber gerne mehr darüber, was das politisch bedeutet. Es sind bisher nur einzelne Beobachtungen. Obwohl es viel Kritik am Transformationsprozess gibt, haben es viele Handwerker irgendwie doch geschafft und bewerten die Entwicklung insgesamt positiv. Daraus ergibt sich aber noch kein einheitliches Bild.
Alexia Pooth: Das ist auch gar nicht so schlimm. Es hängt von der Perspektive ab und von welchem Wissenstand man startet. Ich fand es sehr interessant, in ein Feld einzutauchen, das ich vorher nicht wirklich kannte. Aus meiner Perspektive an der Universität in Bochum kann ich nur sagen, dass man gar nicht genug darüber wissen kann, wie differenziert die Gesellschaft in der DDR war und in Ostdeutschland ist. Wenn ich in Bochum in einen Buchladen gehe, finde ich so gut wie nichts über die DDR.
Norbert Reichel: Das ist in Bonn nicht anders. Man muss es in der Regel schon bestellen, das heißt vorher schon wissen, was es auf dem Buchmarkt gibt.
Thomas Schaarschmidt. Uns geht es um einen anderen Blick auf die Transformationszeit. Sonst geht es immer nur nach dem Motto, alles Tristesse, alles bricht zusammen.
Norbert Reichel: Dieses Narrativ dominiert leider zurzeit in jeder Hinsicht.
Thomas Schaarschmidt: Wenn man ein bisschen genauer hinschaut, bekommt man ein differenziertes Bild und sieht, welche Spielräume da waren, was Leute geleistet haben, dass es ganz wichtig war, was sie da gemacht haben, egal, ob es Erfolg hatte oder nicht. Und trotzdem ist bei vielen ostdeutschen Handwerkerinnen und Handwerkern das Gefühl da, man werde nicht richtig anerkannt. Das ist auch im Westen so. Das Handwerk hat immer Probleme, sich bei der Berufswahl gegenüber akademischen Berufen zu profilieren. Eigentlich ist es völlig unverständlich, warum es das Handwerk vom gesellschaftlichen Ansehen so schwer hat. Ich saß in Potsdam mit einem Drucker zusammen, in einer fantastischen Werkstatt, der mir erzählte, wie wenig das Handwerk anerkannt wird. Und ich dachte die ganze Zeit, das passt mit dem, was ich hier sehe, gar nicht zusammen.
Ich möchte vielleicht noch erzählen, warum mich das Thema umgetrieben hat. Ich habe vor meinem Umzug nach Leipzig in Bonn gewohnt. Im Rheinland hieß es, Handwerker kommen manchmal, aber selten an dem Tag, zu dem man sie bestellt hat. Der erste Handwerker, den wir in Leipzig kennengelernt haben, kam zu früh, war sehr freundlich und hat unseren Elektroherd blitzschnell angeschlossen. Dann entdeckten wir viele kleine Bäckereien und Fleischereien. Unsere Frage: Was hat das mit Planwirtschaft zu tun? Da, wo wir wohnten, gab es in der Nähe auch ein sehr hübsches Villenviertel. Einen Kollegen, einen Historiker aus Leipzig habe ich gefragt, wer da wohnte: Er sagte, das seien keine sowjetischen Offiziere, sondern der „antifaschistische Hochadel“ von Leipzig, die hier ihr Wochenendhäuser hatten, und Handwerker. Er hat mir dann erklärt, welche Rolle Handwerk, gerade Bauhandwerk, in der späten DDR spielte. Mir fiel es damals wie Schuppen von den Augen und ich merkte, dass DDR eben nicht nur Planwirtschaft war, sondern dass man da schon genauer hinschauen muss, um zu verstehen wie die ostdeutsche Gesellschaft funktionierte.
(Anmerkungen: Erstveröffentlichung im September 2026, Internetzugriffe zuletzt am 28. August 2026. Titelbild: Private Druckerei von Wolfgang Schuboth in Malchow von 1985, Foto: privat. Das Bild ist in dem Band „Handwerk Ost“ enthalten, Seite 10.)

