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	<title>Mexiko Archive - Demokratischer Salon:</title>
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	<description>Argumente zur historisch-politischen Bildung</description>
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		<title>Der Codex Malintzin</title>
		<link>https://demokratischer-salon.de/beitrag/der-codex-malintzin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Norbert Reichel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Jul 2023 06:29:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Codex Malintzin Die andere, vielleicht die wahre Geschichte Mexikos In der Juni-Ausgabe 2023 des Demokratischen Salons hat Sandra del Pilar die Geschichte von Malintzin neu erzählt. Grundlage war eine Ausstellung, die sie im Frühjahr 2023 in Ciudad de Mexiko mit Bildern gestaltete, die die gesamte Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zeigte. Einige dieser Bilder  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-1" style="--awb-text-transform:none;"><h1><strong>Der Codex Malintzin</strong></h1>
<h2><strong>Die andere, vielleicht die wahre Geschichte Mexikos</strong></h2>
<p><a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/malintzin-uebersetzerin-kriegerin-politikerin/">In der Juni-Ausgabe 2023 des Demokratischen <span style="color: #678f20;">Salons</span> hat Sandra del Pilar die Geschichte von Malintzin neu erzählt</a>. Grundlage war eine Ausstellung, die sie im Frühjahr 2023 in Ciudad de Mexiko mit Bildern gestaltete, die die gesamte Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zeigte. Einige dieser Bilder durften wir auch im Demokratischen Salon zeigen, wie auch in diesem Text.</p>
<p><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignleft wp-image-3477 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-289x300.jpg" alt="" width="289" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-200x208.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-289x300.jpg 289w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-400x416.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-600x624.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-768x798.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-800x831.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-985x1024.jpg 985w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9-1200x1247.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-9.jpg 1325w" sizes="(max-width: 289px) 100vw, 289px" /></a>Malintzin, in Mexiko oft despektierlich „La Malinche“ genannt, galt lange Zeit als Verräterin, die es Cortés ermöglicht habe, mit 700 Spaniern, 18 Pferden und seinen Kanonen Mexiko zu erobern. Viel wahrscheinlicher ist, dass es Malintzin, einer gebildeten Frau aus adliger Familie, gelang, die gegen Moctezuma aufbegehrenden Völker zu vereinen und Cortés zu gewinnen, sie zu unterstützen. Cortès hat Mexiko nicht erobert, die Völker der Region befreiten sich von einer diktatorischen Herrschaft. Mit der Geschichte von Malintzin müssen auch die Geschichte Mexikos und die Geschichte des Kolonialismus in Amerika neu geschrieben werden. Dies ließe sich auch aus den bekannten Dokumenten erschließen, doch wie sähe die Geschichte aus der Sicht von Malintzin aus? Was hätte sie geschrieben, eine Frau, die mehrere Sprachen beherrschte und als Übersetzerin und Verwaltungsexpertin auch Spanisch sprach und schrieb?</p>
<p>Sandra del Pilar hat die Geschichte aus Malintzins Sicht aufgeschrieben und für den Demokratischen Salon übersetzt. Von der spanischen Originalversion gibt es nur drei Exemplare, diese deutsche Fassung ist die einzige zurzeit verfügbare und autorisierte Fassung.</p>
<p>Sandra del Pilar hat den Codex Malintzin auf TikTok vorgestellt. Wie es sich bei derart kostbaren Dokumenten gehört, mit weißen Handschuhen. Die Reaktionen mögen erstaunen. Sie bestätigten manch vergleichbare Erfahrung: wer will schon sagen, ob es sich bei einem Dokument um ein echtes – in diesem Falle ein etwa 500 Jahre altes – Dokument handelt oder um die künstlerisch gestaltete Version eines möglichen Dokuments? Dies macht dennoch die Version des Codex Malintzin nicht unwahrscheinlich. Im Gegenteil.</p>
<p>Wir wissen nicht, was aus Malintzin wurde, wir wissen nicht, wann und wo sie starb, wo sie begraben ist. In der Stadt Mexiko wird nach wie vor ein Haus gezeigt, das als ihr Haus bezeichnet wird. Wir haben es aber mit gleich zwei Debatten zu tun: einerseits der Debatte über die historische Wahrheit, andererseits über die Frage fiktiver und realer Geschichte, möglicherweise sogar im Sinne einer kontrafaktischen Alternative History. Es wäre nicht ungewöhnlich, denn so manche Persönlichkeit der Geschichte wurde von denen, die die Macht hatten, über sie zu schreiben, negativ dargestellt, obwohl sie eigentlich ein wichtiger und für den weiteren Verlauf der Geschichte durchaus positiv zu sehender Mensch war.</p>
<p>Wir dokumentieren diese Geschichte im Gedenken all derjenigen, die in der Geschichtsschreibung und aufgrund welcher Geschichtspolitik auch immer in Vergessenheit gerieten oder zu Unrecht diffamiert wurden. Möge ihnen Gerechtigkeit geschehen!</p>
<div id="attachment_3317" style="width: 310px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-scaled.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3317" class="wp-image-3317 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-300x71.jpg" alt="" width="300" height="71" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-200x47.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-300x71.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-400x94.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-600x141.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-768x181.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-800x188.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-1024x241.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-1200x283.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-1536x362.jpg 1536w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-3317" class="wp-caption-text">El códice Malintzin, tinta, papel amate, 21,7&#215;228,8 cm. Es gibt drei Exemplare.</p></div>
<h3><strong>Die Geschichte Malintzins, von ihr selbst geschrieben<br />
</strong></h3>
<p><em>„Ich weiß nicht mehr, wie man mich nannte, als ich ein Kind war. Vermutlich, weil ich mich nicht erinnern will. Weder daran, wer ich selbst war, noch daran, wie jene andere Welt aussah, die sich so sehr von dieser unterscheidet, die ich geboren habe. Ich habe sie durch meinen Mund geboren und durch die Zungenschlange, die sie zum Klingen brachte. Ich habe dieser, meiner neuen Welt Leben eingehaucht, indem ich die Dinge benannte, die in ihr wohnen. Jedes einzelne Wort machte ich mit dem Wasser meines Speichels fruchtbar und kleidete es in ein Gewand aus Erde, als ich diesen Amoxtli </em>(dt: Buch, Kodex)<em> niederschrieb, der Hernando Cortés, Francisco López de Gómara, Francisco Cervantes de Salazar und Bernal Díaz del Castillo Lügen straft.</em></p>
<p><em><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-3469 size-medium alignright" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-257x300.jpg" alt="" width="257" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-200x233.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-257x300.jpg 257w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-400x467.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-600x700.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-768x896.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-800x934.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-877x1024.jpg 877w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-1200x1400.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1-1316x1536.jpg 1316w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-1.jpg 1365w" sizes="(max-width: 257px) 100vw, 257px" /></a>Ich weiß nicht mehr, wie man mich nannte, als ich ein Kind war. Aber ich erinnere mich, dass ich nie eine Sklavin war, dass man mich nie verschenkt, noch verkauft hat. Geboren wurde ich in Painala, südlich von Coatzacoalcos gelegen, einem Ort, der zur Gemeinde von Oluta gehörte. Meine Mutter war eine örtliche Adelige, und mein Vater ein Mexica, aus Tenochtitlan entsandt, um durch Heirat den Weg für zukünftige Eroberungszüge zu ebnen. </em></p>
<p><em>Ich war das einzige Kind und wurde sehr geliebt, bis mein Tata </em>(dt.: Vater)<em> starb und meine Nana </em>(dt.: Mutter)<em> meinen Stiefvater heiratete, mit dem sie meinen Halbbruder bekam. Sie beteten ihn an und ich begriff, dass nicht mehr ich diejenige sein würde, die das Vermögen und den Rang meiner Familie erben sollte. Ich beschloss, sobald es mein Alter erlaubte, nach Xicalango zu gehen, um den Beruf der Tlacuilo </em>(dt. Schreiberin, Malerin)<em> zu erlernen, einen würdigen und angesehenen Beruf für eine Frau meines Standes. In Xicalango, mit seinem großen Markt einer der wichtigsten Umschlagplätze für Handelswaren aller Art, lernte ich Tabscoob kennen, unseren „Herrn der acht Löwen“, und folgte ihm nach Potonchán. Er ergötzte sich daran, dass ich Nahuatl (das einzige Erbe meines Vaters) ebenso sprach, wie Popoloca (das letzte Geschenk meiner Mutter). </em></p>
<p><em>Am Hof von Tabscoob wurde ich gut aufgenommen und wenn ich dort auch nicht die Rolle der Ersten Dame bekleidete, so gelang es mir doch, sein Vertrauen in dem Maße zu gewinnen, in dem ich seine lengua </em>(dt.: Zunge, Sprache)<em> zu beherrschen begann. Es amüsierte ihn, wie aus meinem Mund Klänge sprudelten, die zu Worten wurden, die die Macht hatten, Dinge vor seinem geistigen Auge erscheinen zu lassen, wenn ich sprach. Wir sprachen viel. So erlangte ich Kenntnis, wie unerträglich er das Joch der Mexicas empfand, die in regelmäßigen Abständen Tribut in Form von Lebensmitteln, Waren und jungen Menschen verlangten, die in den Tempeln von Tenochtitlan geopfert werden sollten. Tabscoob waren die Hände gebunden. Seine Armee war stark, aber nicht stark genug, um sich Motecuzoma entgegenzustellen. Auch fehlte es ihm an Verbündeten. Die meisten Völker fürchteten die Mexicas, und von den Castiltecas, diesen blassen, behaarten, übelriechenden Männern, die vom großen Wasser hergekommen waren, war auch nichts zu erwarten. </em></p>
<p><em><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7.jpg"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-3479 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-300x260.jpg" alt="" width="300" height="260" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-200x173.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-300x260.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-400x347.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-600x520.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-768x666.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-800x694.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-1024x888.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7-1200x1040.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-7.jpg 1316w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Das erkannten wir schnell bei unserer Begegnung mit Juan de Grijalva, der die Frechheit besaß, uns aufzufordern die Vasallen seines Herrn, Karls V., zu werden. Dieser wolle uns haben, sagte er. Tabscoob entgegnete, wir lebten sehr glücklich und hätten seinen Herrn nicht vonnöten und wenn Grijalva etwas an unserer Freundschaft gelegen sei, so möge er weiterziehen. Grijalva zog ab, aber schon bald darauf kam ein weiterer Castilteca zu uns, der Hernando Cortés hieß. Nach den vorangegangenen Erfahrungen hatte Tabscoob kein Interesse mehr an den weißen Männern. </em></p>
<p><em>Sie waren nicht willkommen. Als Antwort darauf, begann Cortés eine Schlacht, die ihren Höhepunkt in der Ebene von Cintla fand, wo 400 Castiltecas unsere Armee von 40 000 Kriegern auslöschten. Das muss an ihren mächtigen Waffen gelegen haben: Wir sahen Stöcke, die Feuer und Rauch spuckten und selbst auf große Entfernungen töteten; wir sahen schwarze Kugeln von großer Reichweite, die hundertjährige Bäume fällten; wir sahen auch eine Art großer, muskulöser Hirsche, auf deren Rücken sie kletterten und die sich verhielten, als wüssten sie, was in jeder Lage zu tun sei. Die Körper und Köpfe der Castiltecas waren mit einem silberähnlichen Metall überzogen, und in ihren Händen hielten sie flache Prügel aus demselben Metall, die so scharf wie unser Obsidian waren, allerdings weniger spröde. Als der Kampf vorbei war, war Tabscoob verzweifelt. </em></p>
<p><em><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11.jpg"><img decoding="async" class="alignright wp-image-3475 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-298x300.jpg" alt="" width="298" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-150x150.jpg 150w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-200x201.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-298x300.jpg 298w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-400x403.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-600x604.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-768x773.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-800x806.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-1017x1024.jpg 1017w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11-1200x1208.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-11.jpg 1305w" sizes="(max-width: 298px) 100vw, 298px" /></a>Nun sind aber die Dinge das, was wir aus ihnen machen, wenn wir sie benennen. Und wenn wir statt „Demütigung“ „Gelegenheit“ sagen, ändert sich nicht nur der Klang, sondern auch die Wirklichkeit selbst. Das sagte ich ihm, und er blickte mich schweigend an. Was, wenn wir uns die Waffen der Castiltecas zu Nutze machen? fragte ich ihn. Sie könnten uns befähigen, den Mexicas Einhalt zu gebieten. Lass uns dafür sorgen, dass Cortés und seine Männer gegen Tenochtitlan in den Kampf ziehen und es für uns besiegen. Wir müssen ihm nur einen guten Grund dafür geben. Und dieser Grund heißt Gold, denn Gold – so munkelt man – ist das, was die Castiltecas am meisten begehren. Wir werden sie glauben lassen, dass sie in Tenochtitlan reichlich davon finden werden. Und so ward die Legende geboren, dass in Tenochtitlan sogar die Dächer aus purem Gold sind. </em></p>
<p><em>Kurze Zeit später brach Cortés auf, nicht ohne mich und meine 19 Hofdamen als sogenanntes Geschenk der Besiegten in Empfang zu nehmen. Ich würde die Castiltecas begleiten, um sicher zu stellen, dass unser Vorhaben einen guten Verlauf nähme. Die weißen Männer zögerten nicht, uns anzunehmen, aber ich bemerkte einen Funken Misstrauen in Hernandos Augen, der ihn veranlasst haben mag, mich auf Distanz zu halten, indem er mich einem seiner Hauptmänner, Alonso Hernandez de Portocarrero, zuwies. </em></p>
<p><em><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3.jpg"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-3471 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-300x83.jpg" alt="" width="300" height="83" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-200x55.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-300x83.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-400x110.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-600x166.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-768x212.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-800x221.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-1024x283.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3-1200x331.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-3.jpg 1297w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Zunächst unterzog man uns einer Zeremonie, die sie „Taufe“ nennen. Das ist ein Ritual, bei dem wir alle einen christlichen Namen erhielten, unter dem ihr oberster Teotl uns anerkennen würde. Er wird „Gott“ genannt und hat einen Sohn, den sie Jesus Christus oder Jesus oder Christus nennen. Seine Mutter ist Maria, aber sie ist nicht die Frau von Gott, sondern von einem minderen Teotl namens Josef. Das scheint Gott allerdings nicht viel auszumachen, denn er sieht in Maria trotzdem seine Königin. Er lässt sogar zu, dass die Castiltecas ihr Abbild mehr verehren als sein eigenes das ich nie zu Gesicht bekam. </em></p>
<p><em>Mit dem christlichen Namen, auf den ich getauft wurde – Marina – war ich sehr zufrieden. Man sagte mir, dass Marina „die, die das Meer liebt&#8220; bedeutet, was durchaus zutrifft. Aber Marina ähnelt auch dem Namen der Götterkönigin Maria. Das machte mich lächeln, denn ohne es zu wissen, zollten mir die Castiltecas damit den größten denkbaren Respekt. Mein neuer Name gefiel mir so gut, dass ich beschloss, meinen bisherigen Namen zu vergessen. Ab jetzt war ich Marina, oder, wie wir es aussprachen, Malina oder auch Malintzin: die „ehrwürdige Malina“.</em></p>
<p><em>Nach der Taufe wartete ich viele Tage, Wochen, ja sogar Monde, wie nur wir Frauen zu warten verstehen, und nutzte die Zeit, um mich mit den Gebräuchen und der Sprache der Castiltecas sowie mit den Gegenständen, die sie mit sich führten, vertraut zu machen. Am besten gefielen mir diese: die Kerze, ein tragbares und domestiziertes Feuer, das die Funktion hat, die Nacht zu erhellen und Hierarchien sichtbar zu machen: Je mehr Kerzen einer Person in der Dunkelheit zur Verfügung stehen, desto größer ist die Bedeutung, die man ihr beimisst. Ich mochte auch diese silberfarbenen Platten, die alles reflektieren, was man vor sie hinstellt. Man nennt sie Spiegel und sie ähneln ein wenig unserem polierten Obsidian. </em></p>
<p><em><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5.jpg"><img decoding="async" class="alignright wp-image-3472 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-300x238.jpg" alt="" width="300" height="238" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-200x159.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-300x238.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-400x317.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-600x476.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-768x609.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-800x634.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-1024x812.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5-1200x951.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-5.jpg 1294w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Als Nahrung haben die Castiltecas aus ihrer Heimat Tiere mitgebracht, die kaum behaart sind und die Schweine heißen. Sie verströmen einen ähnlichen Geruch wie sie selbst. Ihre Pferde sind majestätische Wesen, und ich ziehe immer noch die Möglichkeit in Betracht, dass es sich in Wahrheit um Nahuales handelt, denn in der Schlacht verhalten sie sich so, als würden sie Kenntnis von den militärischen Strategien haben, die zuvor von den Offizieren festgelegt wurden. Allerdings verhalten sie sich nur gehorsam und gefügig, wenn ein Reiter auf ihnen sitzt. Pferde haben Namen, und die Castiltecas essen sie nicht. Anders verhält es sich mit den Hühnern, die wie kleine Huexolotls </em>(dt. Truthähne)<em> sind. Ihr Fleisch schmeckt in etwa wie das eines gebratenen Leguans. Ihr Tonalli </em>(dt. Wesen, auch: Schicksal)<em> ist sanft und anschmiegsam, und ich habe zwei von ihnen behalten, die mir überallhin folgen. Sie sind aus einem einzigen Ei geschlüpft und ich habe sie Guadalupe und Tonantzin genannt, zu Ehren der göttlichen Mütter.</em></p>
<p><em>Ich habe mich auch mit einigen aus der Truppe angefreundet. Vor allem mit Melchorejo, der aus Punta de Cotoche stammt und der vor einiger Zeit von ihnen gefangen genommen wurde. Sie haben versucht, ihm ihre Sprache beizubringen, aber der arme Kerl ist Zimmermann und verstand nur sehr wenig von dem, was sie zu ihm sagten. </em></p>
<p><em>Täglich plagte ihn die Furcht, jemand könnte seine mangelhaften Fähigkeiten bemerken, und er war entschlossen, die erstbeste Gelegenheit zur Flucht zu ergreifen, bevor er getötet würde. Melchorejo brachte mir meine ersten Worte auf Spanisch bei. Es gab noch einen anderen Übersetzer, der Jerónimo de Aguilar hieß. Er war ein kastilischer Schiffbrüchiger, der viele Jahre lang als Gefangener bei den Mayas an der Küste gelebt hatte. Daher stammen seine Tätowierungen, die ebenso schön wie geheimnisvoll sind. Jerónimo wusste viel über die christliche Religion und erzählte mir davon, als wir uns – vorbei an Zempoala, Xalapa, Xicochimalco, Ixhuacan, Iztacmaxtitlan, Tzompantzingo und Tepectipac – auf den Weg in Richtung des Ortes machten, der später die Villa Rica de la Vera Cruz werden sollte. </em></p>
<p><em>Auf unserem Marsch trafen wir immer häufiger auf Abgesandte der Mexicas, die Motecuzoma uns entgegenschickte, um uns von unserem Kurs auf Tenochtitlan abzubringen. Mit ihnen, die Nahuatl sprachen, konnte Jerónimo nicht kommunizieren. Er sprach nur Spanisch und Maya. </em></p>
<p><em><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6.jpg"><img decoding="async" class="alignleft wp-image-3473 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-300x253.jpg" alt="" width="300" height="253" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-200x168.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-300x253.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-400x337.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-600x505.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-768x646.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-800x673.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-1024x862.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6-1200x1010.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-6.jpg 1333w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Jetzt war meine Zeit gekommen. Ich wurde die Faraute oder Hauptübersetzerin oder, wie Hernando mich nannte: seine Zunge. Seine Zunge, sagte er, um mich zu einem Teil seines Körpers zu machen, um das Gefühl zu haben, mich zu besitzen und zu beherrschen, um zu zeigen, dass er befahl und ich gehorchte. In Wahrheit war es umgekehrt. Er wusste weder um die Magie, die der Zunge und dem Speichelwasser entspringt, noch um ihrer beider Macht, Wirklichkeiten, ja, ganze Welten zu erschaffen, wie die, die ich Schritt für Schritt, Wort für Wort entstehen ließ.</em></p>
<p><em>Bis zum heutigen Tag glauben die Spanier, sie hätten den Untergang der Mexicas herbeigeführt, und bringen das in ihren Schriften, Briefen und Büchern zum Ausdruck. Sie glauben, die Mexicas dank ihres Gottes, ihrer Waffentechnologie und der Klugheit ihres Kapitäns erobert zu haben, der es verstand, sich meiner zu bedienen, um die Tlaxcalteken, die Otomies, die Cempoaltecas und andere Völker als Verbündete auf seine Seite zu ziehen. Ihrem Gott zeigen sie sich erkenntlich, indem sie jeden tauften, der sich taufen ließ. Aber warum sollte sich jemand, der bei klarem Verstand ist, weigern, einen zusätzlichen Teotl den bereits verehrten hinzuzufügen, wo wir doch wissen, dass mehr Götter auch mehr Beistand bedeuten. </em></p>
<p><em><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8.jpg"><img decoding="async" class="alignright wp-image-3474 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-300x281.jpg" alt="" width="300" height="281" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-200x187.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-300x281.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-400x375.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-600x562.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-768x720.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-800x750.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-1024x960.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8-1200x1125.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/07/Codice_dibujo-8.jpg 1307w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Was mich betrifft, so lernte Hernando hinzunehmen, dass man uns beide Malintzin nannte, als wären wir eine Einheit. Die Menschen wussten, dass ich diejenige war, die das Sagen hatte. Ich war der Tlatoani, denn ich führte das Wort, während er mit seinen Waffen nur der ausführende Arm war, auch wenn ich mich ebenfalls gelegentlich an den Schlachten beteiligte. Es gab viele und sie waren grausam. Schließlich fiel Tenochtitlán. </em></p>
<p><em>Im Süden der großen Stadt ließ ich mich in einem Steinhaus nieder, das mit dem Tezontle </em>(dt.: als Baumaterial verwendetes Vulkangestein)<em> der zerstörten Mexica-Tempel erbaut wurde. Dort bekam ich meinen Sohn Martin, den ich trotz der täglichen Einnahme des Axoxoquilitl empfing. Dass ich Mutter war, hinderte mich nicht daran, weiterhin meinen Pflichten nachzukommen, und wenn ich auch als Faraute und Übersetzerin immer seltener gebraucht wurde, so war ich doch für den Empfang und die Verwaltung der Tributzahlungen zuständig, die zu meinem großen Verdruss weiterhin gefordert und entrichtet wurden… obwohl die Mexicas besiegt, ihre Herrscher tot, ihr Adel bestraft und ihre Beamten entlassen waren. </em></p>
<p><em>Aber meine Macht stand auf tönernen Füßen, und so beschloss ich zu heiraten; nicht Hernando – dessen Frau eines Morgens nach einem Ehestreit nicht mehr erwachte – sondern Juan Jaramillo. Wir vermählten uns auf jener unglückseligen Reise in die Hibueras, gegen die ich mich so sehr gewehrt hatte. Wir bekamen eine Tochter, Maria, meine Königin. </em></p>
<p><em>Für dich habe ich dieses Amoxtli geschrieben. Damit du die wahre Geschichte kennst und weitergibst … über mich, deren Schoß dich und deinen Bruder hervorgebracht hat und deren Mund eine Welt gebar, in der mehr Gerechtigkeit herrschen sollte. Am Ende bin ich gescheitert, denn die neue Welt war nicht besser als die alte. Vielleicht war ich des Kämpfens müde, vielleicht sind mir die Dinge aus den Händen geglitten, vielleicht bin ich auch nur zu früh gegangen.“</em></p>
<p>(Anmerkungen: Erstveröffentlichung im Juli 2023, die nicht kursiv gesetzten Hinweise im Text Malintzins sind Erklärungen der Übersetzerin, unterschiedliche Schreibweisen eines mexikanischen Namens in der deutschen Version entsprechen der Schreibweise im Original. Text der Anmoderation: Norbert Reichel. Internetzugriffe zuletzt am 3. Juli 2023, Rechte aller Zeichnungen bei der Künstlerin, sie wird vertreten von der <a href="https://www.zilbermangallery.com/contact.html">Galerie Zilberman</a>, Berlin, Istanbul und Miami.)<em>    </em></p>
</div></div></div></div></div>
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		<title>Malintzin, Übersetzerin, Kriegerin, Politikerin</title>
		<link>https://demokratischer-salon.de/beitrag/malintzin-uebersetzerin-kriegerin-politikerin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Norbert Reichel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Jun 2023 16:01:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Malintzin, Übersetzerin, Kriegerin, Politikerin Sandra del Pilars neue Sicht auf die mexikanische Geschichte „Los que estan mirando, los que cuentan, los que tienen en su poder, la tinta, las pinturas. Ellos nos llevan, nos guían, nos dicen el camino.” (Sprichwort der Maya, zitiert nach Sandra del Pilar „Diejenigen, die beobachten, die erzählen, die über  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-2 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling" style="--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;" ><div class="fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap" style="max-width:1144px;margin-left: calc(-4% / 2 );margin-right: calc(-4% / 2 );"><div class="fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column" style="--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;"><div class="fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column"><div class="fusion-text fusion-text-2" style="--awb-text-transform:none;"><h1><strong>Malintzin, Übersetzerin, Kriegerin, Politikerin</strong></h1>
<h2><strong>Sandra del Pilars neue Sicht auf die mexikanische Geschichte </strong></h2>
<p><em>„Los que estan mirando, los que cuentan, los que tienen en su poder, la tinta, las pinturas. </em><em>Ellos nos llevan, nos guían, nos dicen el camino.” </em>(<a href="http://bibliotecadigital.ilce.edu.mx/sites/ciencia/volumen1/ciencia2/04/html/sec_5.html">Sprichwort der Maya</a>, zitiert nach Sandra del Pilar <em>„Diejenigen, die beobachten, die erzählen, die über Tinte und Farben gebieten. Sie leiten uns, sie führen uns, sie weisen uns den Weg.“</em> (Übersetzung NR)</p>
<p>Was geschah vor 500 Jahren in Mexico? Was wissen wir mit Sicherheit, was sollten wir bezweifeln? Welche Quellen folgen welchen Interessen? Wie könnte eine alternative Geschichtsschreibung aussehen, die nicht die Fakten, wohl aber die Interpretation der Fakten verändert? Eine der Geschichtserzählungen, die nur wenige anzweifeln, ist die Eroberung Mexikos durch den spanischen Conquistador – schon der Begriff des <em>„Eroberers“</em> ist ein Problem – Hernán Cortés vor nunmehr etwa 500 Jahren. Aber was hat er wirklich erobert, hat er überhaupt etwas erobert und warum glauben die meisten Menschen in Mexico, sie wären die Nachfahren der Azteken und Opfer einer spanischen Invasion? Und wie konnten weniger als 700 Spanier ein Reich zu Fall bringen, das über sieben Millionen Einwohner herrschte, davon allein bis zu 300.000 in der Hauptstadt Tenochtitlan beheimatet?</p>
<div id="attachment_3317-2" style="width: 310px" class="wp-caption aligncenter"><a href="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-scaled.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3317-2" class="wp-image-3317 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-300x71.jpg" alt="" width="300" height="71" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-200x47.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-300x71.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-400x94.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-600x141.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-768x181.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-800x188.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-1024x241.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-1200x283.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Codice-Malintzin-completo-blanco-1536x362.jpg 1536w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-3317-2" class="wp-caption-text">El códice Malintzin, tinta, papel amate, 21,7&#215;228,8 cm. Es gibt drei Exemplare. © Carlo Sintermann.</p></div>
<h3><strong>Ein geschichtspolitisches Kunst-Projekt</strong></h3>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Die Hauptperson deines aus meiner Sicht bedeutenden geschichtspolitischen Projekts über die mexikanische Geschichte und Geschichtsschreibung stellt eine wichtige Frau des 16. Jahrhunderts in Mexico in den Mittelpunkt: Malintzin. Du hast ihr Leben neu gedeutet und ermöglichst damit auch eine neue Deutung der sogenannten Eroberung Mexicos durch die Spanier und eine neue Erzählung einer Kolonialgeschichte. Deine Bilderserie „Hijos de la … Malintzin o El poder de los códices” – so der vollständige Titel – war vom 9. Februar bis zum 9. April 2023 in der <a href="https://galeriascristobal.com">Galerie „Cristobal Contemporary“</a> in Mexiko-Stadt, zu sehen. Die Ausstellung ist auch <a href="https://www.sandra-del-pilar.org/gallery/projects/malintzin-2021-22/">auf deiner Internetseite zu sehen</a>.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Der Schlüssel zu dem von mir vorgeschlagenen neuen Verständnis der mexikanischen Geschichte liegt in der Frau, die als „Malinche“ oder als „Malintzin“ im mexikanischen Gedächtnis erinnert wird. Wer war diese Frau? War sie wirklich die Verräterin, die Cortés den Sieg ermöglichte? Ich habe ihre Geschichte recherchiert und dann versucht, eine andere Geschichtsauffassung in meinen Bildern sichtbar zu machen. Zu diesem Zweck habe ich meine Technik weiterentwickelt. Ich arbeite schon seit längerer Zeit mit zwei Schichten, einer Schicht auf Leinwand und einer zweiten darüber gespannten Schicht aus einer transparenten Synthetikfaser, auf der das untere Bild oft verdoppelt wird. Nun jedoch habe ich herausgefunden, wie ich es anstellen kann, dass man, je nach dem aus welchem Blickwinkel man das Bild betrachtet (z.B. von vorn oder von der Seite) unterschiedliche Bilder sieht. So wird man selbst zum Subjekt eines eben nun einmal subjektiven Geschichtsbildes. Die verschiedenen Perspektiven schaffen Zweifel an der offiziellen Geschichtsschreibung. </em></p>
<p><div id="attachment_3315" style="width: 511px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3315" class="wp-image-3315" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-300x300.jpg" alt="" width="501" height="501" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-150x150.jpg 150w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-200x200.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-300x300.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-400x400.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-600x600.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-768x768.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-800x800.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-1024x1024.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-1200x1200.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/M-administrando_de-frente-1536x1536.jpg 1536w" sizes="(max-width: 501px) 100vw, 501px" /><p id="caption-attachment-3315" class="wp-caption-text">Malintzin administrando los tributos, especialmente el teocuitlatl, 147x147cm, von vorne gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div>
<div id="attachment_3328" style="width: 511px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3328" class="wp-image-3328" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-300x300.jpg" alt="" width="501" height="501" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-150x150.jpg 150w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-200x200.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-300x300.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-400x400.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-600x600.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-768x768.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-800x800.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-1024x1024.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-1200x1200.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-1536x1536.jpg 1536w" sizes="(max-width: 501px) 100vw, 501px" /><p id="caption-attachment-3328" class="wp-caption-text">Malintzin administrando los tributos, especialmente el teocuitlatl, 147x147cm, von der Seite gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Was wissen wir über <em>„La Malinche“</em>, über <em>„Malintzin“</em>?</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Wir wissen von ihr weitgehend aus drei Schriftquellen. Zwei dieser Quellen wurden in der spanischen und mexikanischen Geschichtsschreibung rezipiert. Die eine stammt von einem Soldaten der Mannschaft von Hernán Cortés, </em><a href="https://www.cervantesvirtual.com/obra/historia-verdadera-de-la-conquista-de-la-nueva-espana-tomo-i--0/"><em>Bernal Díaz de Castillo</em></a><em>. Malintzin wird vom ihm sehr positiv charakterisiert. Die andere stammt von Cortés selbst. Er erwähnt sie kaum. Der Autor der dritten Quelle, López de Gómara, war selbst nie in Mexiko. </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hern%C3%A1n_Cort%C3%A9s"><em>Der deutsche Wikipedia-Eintrag zu Cortés</em></a><em> folgt ausschließlich Bernals Darstellung und erwähnt Malintzin mit dem Namen „Malinche“ nur ein einziges Mal als „Dolmetscherin“. In anderen aktuell verfügbaren Internetquellen ist es nicht anders. Sie erscheint als Dolmetscherin, als Sklavin, als Verräterin. Weitere Quellen wurden in der offiziellen Geschichtsschreibung kaum berücksichtigt. Dabei handelt es sich um indigene Quellen, wie den Lienzo de Tlaxcala oder den </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Littera_Florentina"><em>Codex Florentinus</em></a><em> (</em><a href="https://es.wikipedia.org/wiki/La_Malinche"><em>in der mexikanischen Wikipedia</em></a><em>), der in zwei Exemplaren erhalten ist und die Ereignisse in Bildern sowie in zwei Sprachen schildert, in Spanisch und in Nahuatl. </em></p>
<p><em>Ich habe all diese Quellen ausgewertet und meinem Projekt zugrunde gelegt. Zum einem im – fiktiven – Codex Malintzin: auf dem traditionellen Amate-Papier, das schon in vorspanischer Zeit für die Codices verwandt wurde und bis heute vor allem im kunsthandwerklichen Bereich genutzt wird, schildert Malintzin in der Ich-Perspektive die Ereignisse der Eroberung. In der Form des Leporellos orientiert sich der Codex an alten Vorbildern. Parallel dazu entstanden im Laufe der letzten zwei Jahre Bilder, die im Katalog der Ausstellung in der Galerie Cristobal Contemporary veröffentlicht wurden. Die Reihenfolge der Abbildungen folgt nicht der Chronologie ihrer Entstehung, sondern der Chronologie der Biographie Malintzins. Das letzte Gemälde ist allerdings im Katalog nicht enthalten; es entstand, nachdem der Katalog bereits in Druck gegangen war. Es heißt „Erinnerungen der Malintzin, die zwar die Epidemien überlebte, nicht jedoch die Historiografie“.</em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Warum hast du dich mit Malintzin beschäftigt?</p>
<div id="attachment_3318" style="width: 199px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3318" class="wp-image-3318 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-189x300.jpg" alt="" width="189" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-189x300.jpg 189w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-200x318.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-400x636.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-600x954.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-644x1024.jpg 644w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-768x1221.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-800x1272.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-966x1536.jpg 966w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-1200x1908.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-1288x2048.jpg 1288w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Los-recuerdos-de-Malintzin_frente-scaled.jpg 1610w" sizes="(max-width: 189px) 100vw, 189px" /><p id="caption-attachment-3318" class="wp-caption-text">Los recuerdos de Malintzin, óleo sobre tela y mallas trasparentes, von vorne gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Dass Malintzin eine zentrale Rolle bei der so genannten Eroberung spielte und damit bedeutsam für das heutige Mexiko ist, steht gemeinhin außer Zweifel. Uneinig ist man sich allerdings darüber, wie das, was sie tat, zu deuten ist: War sie eine Verräterin, die ihr Volk ans Messer lieferte? War sie das Opfer, das – als Sklavin – zu tun hatte, was man von ihr verlangte? War sie eine Mitläuferin, die das Bestmögliche aus einer Situation machte, in die das Schicksal sie geworfen hatte? Die Deutungen gehen zum Teil weit auseinander und haben sich auch im Laufe der Zeit immer wieder gewandelt: Bis ins 19. Jahrhundert war Malintzin in der Geschichtsschreibung hochgeachtet, in spanischen wie in indigenen Quellen. Das änderte sich mit dem mexikanischen Unabhängigkeitskrieg, der etwa von 1810 bis 1821 dauerte. Man war nun eine Nation und brauchte einen „Gründungsmythos“, der erklären sollte, wie eine Handvoll Spanier in nur zwei Jahren ein Großreich wie das der Azteken hatten zerstören können. Die Malinche kam da gerade recht. Indem man sie zur Verräterin erklärte, trug sie allein die Verantwortung für den Untergang des Aztekenreiches. Diese Erzählung wird bis heute den Kindern in den Schulen vermittelt, obwohl es seit den 1980er Jahren auch Umdeutungsbestrebungen vor allem aus feministischen Kreisen gab.</em></p>
<p><em>Sehr viel prägender war für die Rezeption Malintzins allerdings ein Buch des mexikanischen Nobelpreisträgers Octavio Páz, „El laberinto de la soledad“, deutsch: „Das Labyrinth der Einsamkeit“. Das Buch erschien im Jahr 1950. Es bescheinigt den Mexikanern eine Art nationalen Minderwertigkeitskomplex, den der Autor aus dem Handeln der „Malintzin“, die er „Malinche“ nennt, ableitet. Sein Text ist durchaus frauenfeindlich. Er spricht von der Schuld der Frau an ihrem Schicksal. Sie wäre vergewaltigt worden, aber nicht der Vergewaltiger, sondern sie trage die Schuld. Diese Erzählung wurde auf die Geschichte Mexicos übertragen. Die Spanier waren in der symbolischen Rolle des vergewaltigenden Vaters, die Indigenen in der Rolle der vergewaltigten Mutter. Damit war der Weg zu einer positiven Identifikation mit der eigenen Vergangenheit gewissermaßen abgeschnitten.</em></p>
<p><em>Der Untertitel meines Projekts sagt worum es mir geht. Du hast es eben „Geschichtspolitik“ genannt, ich spreche von der „Macht der Überlieferungen“.</em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Die Geschichte wurde auch Gegenstand einer populärkulturellen Rezeption, ähnlich wie die Geschichte von Captain Smith und Pocahontas.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Es gibt eine </em><a href="https://www.imdb.com/title/tt8640370/"><em>Serie bei Netflix</em></a><em>, einen </em><a href="https://www.netflix.com/de/title/81238641"><em>Dokumentarfilm</em></a><em>, in Madrid wurde sogar ein </em><a href="https://malinchethemusical.com/"><em>Musical</em></a><em> aufgeführt. Autor ist ein Spanier, Ignácio „Nacho“ Cano. Gegenstand ist hauptsächlich die angebliche Liebesgeschichte zwischen „Malintzin“ und Cortés. Allerdings wird auch hier der Name „Malinche“ verwendet, offenbar ohne jedes Gefühl für die Problematik. Mit der Geschichte der Pocahontas hat sie gemeinsam, dass die Sicht der Kolonisatoren, der Männer, die Sicht auf die Frau bestimmt. Das betrifft schon die Namen, Pocahontas, die „Schamlose“, so wie auch La Malinche. Im Namen finden wir eine verächtlichende Sexualisierung. </em></p>
<h3><strong>Der Name Malintzin<br />
</strong></h3>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Wie kommt es zu den beiden verschiedenen Namen dieser Frau?</p>
<div id="attachment_3343" style="width: 268px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3343" class="wp-image-3343 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-258x300.jpg" alt="" width="258" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-200x233.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-258x300.jpg 258w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-400x466.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-600x699.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-768x895.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-800x932.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-879x1024.jpg 879w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-1200x1398.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild-1319x1536.jpg 1319w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Titelbild.jpg 1492w" sizes="(max-width: 258px) 100vw, 258px" /><p id="caption-attachment-3343" class="wp-caption-text">Titelseite des Ausstellungskatalogs.</p></div>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Ich muss hier auf die Wortgeschichte eingehen. Auf dem Cover meines Katalogs lesen wir ausschließlich „Hijos de la…“. Der Name fehlt. Mexikaner ergänzen automatisch: „Hijos de la … chingada“. „Chingada“ ist das Partizip Perfekt des Verbs „chingar“, das von Octavio Páz in Bezug auf „Malintzin“ verwendet wird. Es ist ein sehr negativer Kraftausdruck. Heute können Derivate des Verbes „chingar“ sowohl positiv wie auch negativ konnotiert sein, etwa wie das deutsche Wort „geil“, das despektierlich und anerkennend zugleich verwendet werden kann, je nach Kontext.</em></p>
<p><em>Schlägt man die nächste Seite des Katalogs auf, liest man den Namen „Malintzin“. Es geht um die Mexikaner als Kinder von Malintzin. </em></p>
<p><em>Über ihren wirklichen Namen weiß man nichts. Bei indigenen Völkern waren Namen <span style="text-decoration: line-through;"> </span>etwas Wandelbares, Fluides. Kinder wurden zunächst nach dem Tag ihrer Geburt benannt. Später entwickelten sie bestimmte Eigenschaften und erhielten einen anderen Namen. Auch dieser konnte sich ändern, wenn sie als Erwachsene bestimmte Rollen in der Gesellschaft übernahmen. Namen begleiteten einen Lebensabschnitt, nicht mehr und nicht weniger.</em></p>
<div id="attachment_3319" style="width: 259px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3319" class="wp-image-3319 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-200x241.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-249x300.jpg 249w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-400x481.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-600x722.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-768x924.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-800x963.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-851x1024.jpg 851w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-1200x1444.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-1276x1536.jpg 1276w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin-Cortes_-de-lado-1702x2048.jpg 1702w" sizes="(max-width: 249px) 100vw, 249px" /><p id="caption-attachment-3319" class="wp-caption-text">Dos Malintzin , óleo sobre tela y mallas trasparentes, 62&#215;52, von der Seite gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><em>Verbürgt ist die Taufe von Malintzin auf den Namen Marina. Sie wurde als eine von 20 Frauen getauft, von denen es in der offiziellen Geschichtsschreibung heißt, sie wären den siegreich aus der Schlacht von Centla hervorgegangenen Spaniern von den Besiegten als „Geschenk“, als Beute übergeben worden. Dass dies möglicherweise so nicht stimmt dazu später. Es gibt diverse Theorien, dass der Name „Malintzin“ sich vom christlichen Namen „Marina“ ableite. In den indigenen Sprachen Mexicos gibt es kein „r“, sodass „Marina“ zu „Malina“ wurde. In den indigenen Quellen erhält sie zudem das Suffix „…tzin“, eine Art Adelsprädikat, vergleichbar dem damaligen spanischen „doña“. Die Spanier wiederum sprachen „…tzin“ als „…che“ aus, eigentlich eine einfache Folge der Palatalisierung. In den letzten Jahren scheint sich allmählich ein Bewusstsein für das negativ besetzte „Malinche“ durchzusetzen, um es durch das neutralere Malintzin zu ersetzen. </em></p>
<h3><strong>Die offiziöse Geschichte</strong></h3>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Wie sieht die offizielle – oder ich sage lieber offiziöse – Geschichte aus, wie sie in den Geschichtsbüchern in der Regel erzählt wird.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>:<em> Die Standarderzählung geht in etwa so: Malintzin wurde um 1500 geboren. Sie war die Tochter eines „Kaziken“. Dieser Begriff ist kein indigener Begriff aus Mexico, sondern stammt aus Kuba und ist eigentlich ähnlich problematisch zu bewerten wie der Begriff „Häuptling“. Auf jeden Fall handelte es sich um eine herausgehobene Familie, die sich vielleicht sogar als eine Art Landadel bezeichnen ließe. Malintzin stammte aus dem Ort Oluta in der Nähe der Stadt Painala in der Region Veracruz. Der Vater stirbt, und es heißt, die Mutter habe das Kind an Sklavenhändler aus Xicalango verkauft. Xicalango war ein Umschlagplatz für Waren jeglicher Art, einschließlich Menschen. Dort wird sie an einen Maya-Fürsten namens Tabscoob verkauft. Tabscoob nimmt sie mit nach Potonchán im Staat Tabasco. Dort lernt das Nahuatl sprechende Mädchen Maya. Im Jahr 1519 kommt es unter Tabscoob zur Schlacht von Centla, die Cortés gewinnt. Daraufhin „schenkt“ Tabscoob dem Sieger Cortés 20 Sklavinnen, darunter „Malintzin“. Die jungen Frauen werden getauft und anschließend an die sexuell aufgeladenen Männer verteilt. Der höchste Offizier, Alonso Hernández Portocarrero, bekommt Malintzin. </em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Wie wurde Malintzin zur Übersetzerin?</p>
<div id="attachment_3329" style="width: 257px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3329" class="wp-image-3329 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-247x300.jpg" alt="" width="247" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-200x243.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-247x300.jpg 247w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-400x485.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-600x728.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-768x932.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-800x970.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-844x1024.jpg 844w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-1200x1456.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-1266x1536.jpg 1266w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Dos-Malintzin_de-frente-1688x2048.jpg 1688w" sizes="(max-width: 247px) 100vw, 247px" /><p id="caption-attachment-3329" class="wp-caption-text">Dos Malintzin , óleo sobre tela y mallas trasparentes, 62&#215;52, von vorne gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Der Bedarf für Übersetzungen war offensichtlich. Zunächst hatte Cortés zwei Übersetzer. Der eine war ein Indigener, der aber schnell flüchtete. Der andere war ein schiffbrüchiger Spanier aus einer früheren Expedition, der in der Gefangenschaft – sofern es eine Gefangenschaft war, er konnte sich offenbar doch recht frei bewegen – Maya gelernt hatte. Der Name: Jerónimo de Aguilar. Im Gegensatz zu einem zweiten schiffbrüchigen Spanier, Gonzalo Guerrero, der sich entschloss, sein Leben bei den Mayas fortzusetzen, nahm Jerónimo de Aguilar das Angebot von Cortés an sich im anzuschließen. Aguilar oblag es fortan, zwischen den Indigenen und den Spaniern zu übersetzen. Zumindest solange sie sich auf Mayagebiet befanden. Die Truppe bewegte sich Richtung Hauptstadt, nach Tenochtitlan. Immer häufiger trafen sie auf Spähtrupps von Moctezuma. Cortés merkt, dass Jerónimo de Aguilar nichts mehr versteht, weil die Azteken Nahuatl sprachen. Ergebnis: Malintzin wurde Übersetzerin. Es entstand eine Übersetzungskette. Die Azteken sprachen Nahuatl, Malintzin übersetzte in Maya, Jerónimo dann in Spanisch. </em></p>
<p><em>Es entstanden jedoch weitere Probleme. Manche Begrifflichkeiten sind in verschiedenen Sprachen nicht kompatibel. Ein Beispiel: der Begriff „teotl“ konnte „Gott“ oder „göttlich“ bedeuten, aber auch einen Toten bezeichnen oder als Synonym für „wunderbar“, „großartig“, „intensiv“ oder „unvorhersehbar“ stehen. Er konnte im religiösen Kontext ebenso auftreten wie in alltäglichen Bedeutungen: in Verbindung mit „Wasser“ bedeutete beispielsweise „teoatl“ schlicht „Meer“; in Verbindung mit „Hunger“ – Teocihui – „schrecklicher Hunger“. Kulturelle Missverständnisse müssen <span style="text-decoration: line-through;"> </span>an der Tagesordnung gewesen sein.</em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Kulturelle wie sprachliche Missverständnisse.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>So erklärt man sich mitunter auch, dass Cortés glaubte, in Tenochtitlán seien die Straßen mit Gold, mit „Tecuilatl“, geplastert, was man als „Exkremente der Götter“ übersetzte. Tatsächlich waren für die Mexicas bestimmte Edelsteine oder Federn – vor allem die des Quetzalvogels – sehr viel wertvoller als Gold.</em></p>
<p><em>In Tenochtitlan kam es dann am 8. November 1519 zu einem Treffen zwischen Cortés und Moctezuma. Nach einer Zeit des mehr oder minder friedlichen Zusammenlebens wurde Moctezuma gefangengenommen. 1521 Cortés eroberte die Stadt und unterwarf das riesige Land. So die offizielle – oder wie du sagst offiziöse – Geschichtsschreibung.</em></p>
<h3><strong>Eine andere Geschichte – die starke Politikerin</strong></h3>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Und wie war es wirklich?</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Das weiß heute natürlich niemand mit Gewissheit. Allerdings stellen sich angesichts gewisser Inkohärenzen in der offiziellen Version doch mehrere Fragen:</em></p>
<p><em>Zunächst frage ich mich: Warum verkauft die gut situierte Mutter ihr Kind an Sklavenhändler? Not kann nicht der Grund gewesen sein, denn es handelte sich um eine adlige Familie. Auch die Befürchtung, die Tochter könnte ihrem jüngeren Bruder die Position streitig machen, wie oft behauptet wird, leuchtet nicht ein: Frauen waren den Männern grundsätzlich nachgeordnet und so konnte das Mädchen für den Bruder im Grunde keine ernsthafte Konkurrenz oder gar Bedrohung darstellen. </em></p>
<div id="attachment_3337" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3337" class="wp-image-3337 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-300x294.jpg" alt="" width="300" height="294" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-200x196.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-300x294.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-400x393.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-600x589.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-768x754.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-800x785.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-1024x1005.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-1200x1178.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Yo-Malintzin_IMG_7879-e-1536x1508.jpg 1536w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-3337" class="wp-caption-text">Yo, Malintzin, óleo sobre tella y mallas trasparentes, 30&#215;30 cm, von vorne gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><em>Immer wieder wird gesagt, Malintzin habe „ihr eigenes Volk“ an die Spanier verraten, indem sie ihnen als Übersetzerin diente. Aber wer war „ihr“ Volk? Die offizielle – kolonialistisch und rassistisch geprägte – Geschichtsschreibung geht davon aus, dass die Spanier „die Indigenen“ eroberten, als ob es sich dabei um eine einzige homogene Gruppe gehandelt hätte. Das ist völlig falsch. Das indigene Mexiko war von einer Vielzahl verschiedener Völker mit eigenen Sprachen und unterschiedlichen politischen Vorstellungen bevölkert. In den Jahrzehnten vor der so genannten spanischen Eroberung hatten sich die Azteken, die man eigentlich Mexicas nennen sollte, als militärische Großmacht etabliert und viele der umliegenden Staaten unterworfen. Diese durften für gewöhnlich ihre Traditionen und ihren Glauben bewahren, mussten aber regelmäßig hohe Tributzahlungen leisten, zum Teil bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Besonders die Tlaxcalteken litten unter der Übermacht der Mexicas und leisteten zu einem hohen Preis großen Widerstand. Das heutige Veracruz, wo Malintzin geboren wurde und aufwuchs, war demgegenüber schon vor längerem von den Azteken eingenommen worden. Das war der Grund dafür, dass Malintzin, neben ihrer Muttersprache, bereits als Kind schon Nahuatl lernte: sie hatte sich die Sprache der Besatzer angeeignet. Ihr Volk waren mitnichten die Azteken, sondern die Oluteken und in diesem Bewusstsein wird sie – wie im Übrigen auch die Tlaxcalteken – den Schulterschluss mit den Spaniern gegen die Mexicas gesucht haben. Statt also weiterhin zu kolportieren, die Spanier hätten Mexiko erobert, müsste man differenzierter sagen: Die unterjochten Völker des heutige Mexiko haben zusammen mit den Spaniern die Mexikas erobert.</em></p>
<p><em>Eine weitere Ungereimtheit ist die Vorstellung, der besiegte Tabscoob habe Hernán Cortés nach der gewonnenen Schlacht von Centla 20 „Sklavinnen“ „geschenkt“. Auf der einen Seite stimmt es, dass das unterlegene Volk dem Sieger Frauen zu übergeben pflegte. Zweifelhaft ist jedoch, ob es sich dabei um Sklavinnen in unserem heutigen Verständnis handelte. Vieles deutet darauf hin, dass es gesellschaftlich hochstehende Frauen waren, die in die Familien der ehemaligen Feinde „einheiraten“ mussten, um Bluts- und Familienbande zu knüpfen. </em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Auch in Europa nicht unüblich. Wie kam zum Beispiel Marie-Antoinette an den französischen Hof? Bella gerant alii, tu felix Austria nube.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar: </strong><em>Stimmt. Für einen höheren gesellschaftlichen Rang Malintzins spricht auch die Tatsache, dass Bernal Díaz del Castillo von Anfang an immer hochachtungsvoll „doña Marina“ schreibt, wenn er sich auf Malintzin bezieht. Auch in den indigenen Quellen – so dem Lienzo de Tlaxcala oder dem Florentiner Codex – erscheint sie in Bild und Schrift immer als Herrin, fast als Göttin, niemals aber als Sklavin. </em></p>
<p><em>Hochspannend und bislang ebenfalls unerklärlich ist die – unter anderem bei Bernal Díaz del Castillo nachweisbare Tatsache – dass Hernán Cortés mitunter (Herr) Malintzin bzw. (Herr) Malinche genannt wird, als besäße er keinen eigenen Namen. </em></p>
<p><em>Und nicht zuletzt: Wie konnten knapp 700 Spanier mit ein paar Kanonen und 16 Pferden das von ca. 300.000 Mexicas bevölkerte Tenochtitlan besiegen und warum wird dies mit der Eroberung Mexikos gleichgesetzt? Schwerlich ist dies allein mit Überlegenheit der spanischen Waffen zu erklären, wie man immer wieder liest.</em></p>
<p><em>All diese Ungereimtheiten scheinen sich auf fast wundersame Weise in Luft aufzulösen, wenn wir eine andere Geschichte erzählen, eine, die die indigenen Bildquellen vor den spanischen Schriftquellen priorisiert. Zwar gibt es Ansätze dazu in der neueren historischen Forschung (Federico Navarrete, Stefan Rinke), die tradierte Rolle Malintzins wird dabei jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Eben das möchte ich tun, indem ich die genannten Quellen durch einen weiblichen, aktuellen Blick filtere. </em></p>
<p><em>Dazu habe ich den eingangs erwähnten fiktiven Codex Malintzin geschaffen sowie die Bilderserie mit dem Titel „Unveröffentlichte Szenen aus dem Leben der Malintzin“.</em><em> Wichtig ist mir in beiden Fällen, mich selbst und meine Zeit spür- und sichtbar mitzudenken: So ist der Codex Malintzin zwar auf dem traditionellen Amatepapier geschrieben und gezeichnet und ich habe die Schrift an diejenige aus dem Codex Florentinus angelehnt, doch wird schnell deutlich, dass Syntax, Rechtschreibung und Interpunktion zeitgenössisch sind. Die Zeichnungen, die sich auf indigene Vorbilder berufen, tragen ebenfalls meine Handschrift. Auch die Gemälde auf Leinwand und transparenten Synthetikfasern legen ihre Zeitgenossenschaft offen.</em></p>
<div id="attachment_3320" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3320" class="wp-image-3320 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-150x150.jpg 150w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-200x200.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-300x300.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-400x400.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-600x600.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-768x768.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-800x800.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-1024x1024.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-1200x1200.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-nina-1536x1536.jpg 1536w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-3320" class="wp-caption-text">La niña Malintzin toma la decisión de ir a Xicalango a aprender el oficio de Tlacuilo, óleo sobre tela y mallas trasparentes, 150&#215;150 cm. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><em>Das erste Bild aus der Reihe „Unveröffentlichte Szenen aus dem Leben der Malintzin“ zeigt das Mädchen, wie es etwas verloren neben seiner Mutter steht, während diese ihren Zweitgeborenen im Arm hält und liebevoll anblickt. In meiner Version der Geschichte wird Malintzin nicht von der Mutter an die Sklavenhändler von Xicalango verkauft, sondern erkennt, dass sie durch die Geburt ihres Halbbruders ihre bisherige Rolle verloren hat und trifft eben jetzt die Entscheidung – das sieht man an ihrem entschlossenen Blick – ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und nach Xicalango zu gehen, um dort den Beruf der Schreiberin zu erlernen. Tatsächlich gab es adelige Frauen, die das konnten und auch taten.</em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Zum nächsten Bild der Serie gibt es einen großen Zeitsprung.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar: </strong><em>Das ist richtig. Das nächste Gemälde, ein großes Diptychon, zeigt Malintzin schon im „Camp der Eroberer“ im Jahr 1519. Am Tag zuvor hatte die Schlacht von Centla zwischen den Spaniern und Tabscoob stattgefunden, an dessen Hof Malintzin in der Zwischenzeit gelandet und als dritte Sprache – nach ihrer Muttersprache und dem aztekischen Nahuatl – auch Maya gelernt hatte. Dem Bild ebenfalls vorangegangen war – wie man dem Malintzin-Codex entnehmen kann – die berühmte Übergabe der 20 Frauen an die siegreichen Spanier unmittelbar nach der Schlacht. In meiner Geschichte sind sie keine Sklavinnen. Es handelt sich um Malintzin und ihre 19 Hofdamen oder Dienerinnen: nach dem tags zuvor verlorenen Kampf war ihr nämlich die Idee gekommen, die Spanier (samt ihrer Waffen, den Pferden und den Kampfhunden) für ihre eigene Causa zu nutzen: sich den Mexicas entgegenzustellen, um deren Herrschafts- und Tributansprüchen endlich Einhalt zu gebieten. Zu diesem Zweck musste sie dafür sorgen, dass Cortés sich ebenfalls gegen die Mexicas stellte. Das gelang ihr, indem sie das Gerücht streute, in deren Hauptstadt Tenochtitlan seien selbst die Dächer und die Straßen aus Gold, denn sie hatte herausgefunden, dass die Spanier sich sehr für das gelbe Metall interessierten. Ihr Plan ging auf und Cortés fasste den Entschluss nach Tenochtitlan zu ziehen. Damit er es sich aber unterwegs nicht anders überlegte – zumal die Emissäre von Moctezuma alles daransetzten, ihn von seinem Vorhaben abzubringen – sah sie sich gezwungen, den Trupp persönlich zu begleiten und das tat sie denn auch, als Adelige allerdings nicht ohne weibliche Begleitung, die ihr die Strapazen der Reise etwas erleichtern sollten. Dem Eroberer wurde das allerdings anders „verkauft“: ihm vermittelte man, es handele sich bei den 20 Frauen um ein „Geschenk“. Und so fand die Version der vermeintlichen Skavinnen Eingang in die spanischen Quellen, die bis heute die Basis unserer Geschichtsschreibung sind.</em></p>
<div id="attachment_3321" style="width: 275px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3321" class="wp-image-3321 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-265x300.jpg" alt="" width="265" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-200x227.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-265x300.jpg 265w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-400x454.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-600x680.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-768x871.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-800x907.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-903x1024.jpg 903w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-1200x1361.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-1354x1536.jpg 1354w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/El-campamento-del-conquistador_DSC03659-f-der-1806x2048.jpg 1806w" sizes="(max-width: 265px) 100vw, 265px" /><p id="caption-attachment-3321" class="wp-caption-text">El campamento del conquistador, óleo sobre tela y mallas trasparentes, díptico, 204&#215;370 cm. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><strong>Norbert Reichel: </strong>Kommen wir zurück auf die Frage nach dem ungleichen Kräfteverhältnis zwischen knapp 700 Spaniern und den zahlenmäßig weit überlegenen indigenen Kämpfern. Wie konnte Tenochtitlán fallen?</p>
<p><strong>Sandra del Pilar: </strong><em>Wir hatten ja bereits festgestellt, dass die aus Europa mitgebrachten Waffen – Gewehre, Kanonen, Kampfhunde, Pferde sowie Rüstungen – den Spaniern sicherlich zum Vorteil gereichten, die gesamte Eroberung aber nicht erklären können. Dasselbe gilt auch für die Tatsache, dass sich Cortés nicht an die geltenden Kriegsgepflogenheiten hielt. Er nutzte es für sich, dass die Indigenen nachts nicht zu kämpfen pflegten, dass ihre Zielstellung die Gefangennahme des Gegners und nicht dessen Tötung war, dass sie bei Überlegenheit abends Essen und Getränke in das gegnerische Camp brachten. Die eingeschleppten und auf dem amerikanischen Kontinent unbekannten Krankheiten (gegen die die einheimische Bevölkerung keine Abwehrkräfte besaß – wie die Grippe oder die Pocken) – mögen den Conquistadores ebenfalls geholfen haben. Vor allem aber waren es eben nicht nur die wenigen Spanier, die gegen die Mexicas kämpften. Die Spanier waren Teil einer Streitmacht vieler indigener Völker, die sich auf dem Weg nach Tenochtitlan zusammenfanden, um gemeinsam die aztekische Hauptstadt zu erobern. </em><a href="https://www.latimes.com/espanol/mexico/articulo/2021-07-11/los-indigenas-que-apoyaron-a-espanoles-fueron-claves-en-la-conquista"><em>Federico Navarrete zufolge</em></a><em> kamen dabei auf jeden Spanier etwa 100 Indigene aus Tlaxcala, Cempoala, Quiahuitlan, Texcoco, Chalco, Xochimilco, Azcapozalco und Mixquic.  </em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Die Bündnisse der Spanier mit indigenen Völkern werden auch in populärwissenschaftlichen Darstellungen erwähnt, aber immer sind die Spanier die Führungsmacht.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>:<em> Natürlich halten wir die Spanier für die Führungsmacht, denn so steht es ja in den spanischen Schriftquellen, die wir für unsere Geschichtsschreibung heranziehen. Dabei berücksichtigen wir allerdings nicht, dass diese Quellen großes Interesse daran hatten, die Rolle der Spanier hervorzuheben und die der indigenen Eroberer zu minimieren. Besonders deutlich kann das wieder an der Person Malintzins festgemacht werden. Ihre überragende Bedeutung ist in der Wissenschaft heute über jeden Zweifel erhaben, dennoch wird sie in den so genannten „Cartas de Relación“, die Hernán Cortés an den spanischen König schrieb, nur drei Mal knapp erwähnt. Cortés wollte allen „Ruhm“ für sich. Deshalb lesen sich seine Schilderungen, und auch die von Bernal Díaz del Castillo, als hätten die Spanier im Alleingang ganz Mexiko erobert, mit ein klein wenig Hilfe einiger Indigener. Vieles spricht dafür, dass es genau anders herum war: Nicht die Spanier haben Mexiko erobert, sondern die Indigenen haben – mit Unterstützung der Spanier – die Mexicas erobert. </em></p>
<p><em>Genau das schildern auch die Zeichnungen einiger Codices.  </em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Wie wird Malintzin in diesen Bildquellen dargestellt?</p>
<div id="attachment_3325" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3325" class="wp-image-3325 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-150x150.jpg 150w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-200x200.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-300x300.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-400x400.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-600x601.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-768x769.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo-800x801.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_dibujo.jpg 865w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /><p id="caption-attachment-3325" class="wp-caption-text">Zeichnung, Malintzin in der Schlacht. Sie ist links oben im Bild zu sehen, mit Schild und Schwert. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong><em>: In den Zeichnungen gleich mehrerer Codices erscheint Malintzin mit Schwert und Schild, sie war eine aktive Kämpferin, möglicherweise sogar in führender Position, eine Art Jeanne d’Arc. Auf diesen Aspekt ihrer Biografie nehme ich in einem Gemälde aus „Unveröffentlichte Szenen aus dem Leben der Malintzin“ explizit Bezug und setze die Codexzeichnung mit einer „aktuelleren Malintzin“ in Beziehung, für die eine Freundin posiert hat. Geschichte und Geschichtsschreibung hat Auswirkungen auf alles, was folgt.</em></p>
<p><em>Auf einem anderen Bild sehen wir Malintzin stolz und aufrecht sitzend. Sie posiert wie auf einem Foto des späten 19. Jahrhunderts als wolle sie ihrer Verurteilung als Vaterlandsverräterin trotzen. Sie weiß um ihre Bedeutung, die im Codex von Tepetlan verbürgt ist. Er wird auf der überblendenden Transparenzschicht zitiert und zeigt, wie sie und Hernán Cortés Geschenke bekommen: Ketten aus Edelsteinen und je vier Hühner, die jeweils mit einem Fähnchen versehen ist, das für die Zahl 20 steht. Insgesamt erhält Malintzin allerdings mehr Gaben als Hernán. Sie war alles andere als eine Sklavin! Sie war die Herrin und Cortés war Herr Malintzin.</em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Wie konnte es dazu kommen, dass Cortés mit dem Namen Malintzins angesprochen wurde?</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>:<em> Für gewöhnlich hatten Frauen in den meisten damaligen indigenen Gesellschaften keine besonderen Rechte. Allerdings spielte „das weibliche“ als Komplementärelement zum „männlichen“ Prinzip für den religiösen und politischen Kontext durchaus eine Rolle. In vielen indigenen Religionen steht am Anfang der Welt nicht ein männlicher Gott, wie beispielsweise im Christentum, sondern eine zweigeteilte, duale Gottheit, die auf Nahuatl Ometéotl heißt. In die Politik übertrug sich das insofern, als an der Spitze vieler indigener Staaten ein duales Herrscherpaar stand: Das männliche Prinzip verkörperte der Tlatoani, was „der, der spricht“ bedeutet. Das weibliche Prinzip verkörperte Cihuacóatl, die Schlangenfrau, auch wenn diese Rolle – sofern die Quellen darüber Auskunft geben – in der Praxis ebenfalls von einem Mann übernommen wurde. Cihuacoatl oblagen juristische und verwaltungstechnische Aufgaben, der Tlatoani fällte innen- und außenpolitische Entscheidungen und führte das Wort. Mit dem Auftreten von Maltinzin und Cortés setzte sich diese Dualität einerseits fort, wurde auf der anderen Seite aber auch fluide. Die Frau Malintzin übernahm den eigentlich männlichen Part des „Tlatoani“, denn sie war es, die das Wort führte, wenn sie mit den Indigenen sprach. Währenddessen hatte wohl Cortés in den Augen der Indigenen die Rolle der Cihuacóatl inne. In dieser Dualität könnte der Grund liegen, dass die Indigenen ihn unter ihrem Namen gewissermaßen subsummierten.</em></p>
<h3><strong>Kolonialgeschichte neu schreiben</strong></h3>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Welche Rolle spielten die Frauen nach der Eroberung?</p>
<p><div id="attachment_3327" style="width: 492px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3327" class="wp-image-3327" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-300x300.jpg" alt="" width="482" height="482" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-150x150.jpg 150w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-200x200.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-300x300.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-400x400.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-600x600.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-768x768.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-800x800.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-1024x1024.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-1200x1200.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-lado-1536x1536.jpg 1536w" sizes="(max-width: 482px) 100vw, 482px" /><p id="caption-attachment-3327" class="wp-caption-text">Malintzin partecipa en las batallas con espada española y escudo tlaxcalteca, óleo sobre tela y mallas trasparentes, 150&#215;150 cm, von vorne gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div>
<div id="attachment_3328-2" style="width: 490px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3328-2" class="wp-image-3328" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-300x300.jpg" alt="" width="480" height="480" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-66x66.jpg 66w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-150x150.jpg 150w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-200x200.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-300x300.jpg 300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-400x400.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-600x600.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-768x768.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-800x800.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-1024x1024.jpg 1024w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-1200x1200.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-batalla_de-frente-1-1536x1536.jpg 1536w" sizes="(max-width: 480px) 100vw, 480px" /><p id="caption-attachment-3328-2" class="wp-caption-text">Malintzin partecipa en las batallas con espada española y escudo tlaxcalteca, óleo sobre tela y mallas trasparentes, 150&#215;150 cm, von der Seite gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div></p>
<p><strong>Sandra del Pilar: </strong><em>Neuen Erkenntnissen zufolge scheinen die Frauen insgesamt eine recht große Rolle bei der Christianisierung Mexikos gespielt zu haben, die im Anschluss an die eigentliche Eroberung stattfand. Die Frauen sahen im Christentum eine Möglichkeit, ihre Kinder vor der Opferung auf den Altären der Mexicas zu retten, denn jahrzehntelang gehörten zu den Tributen, die diese von den unterworfenen Völkern verlangten, auch und vor allem junge Menschen. Deren Eltern ist es mit Sicherheit nicht leichtgefallen, ihre Kinder nach Tenochtitlán zu schicken, zumal Menschenopfer zwar zu den religiösen Praktiken der Mexicas gehörten, bei weitem aber nicht bei allen indigenen Völkern des heutigen Mexiko verbreitet waren. Vor diesem Hintergrund könnte man einmal überlegen, ob man den Indigenen nicht eine aktivere Rolle bei der Übernahme bestimmter europäischer Kulturpraktiken zutrauen könnte, statt sie nur als passive Opfer erst der Eroberung, dann der Christianisierung und schließlich der Kolonialisierung zu sehen. Auch die lateinische Schrift fand offenbar eine so schnelle Verbreitung, dass sie sich allein durch äußeren Zwang nur schwer erklären lässt. Damit möchte ich keineswegs die Unrechtmäßigkeit und Grausamkeiten der Kolonisierung relativieren, wohl aber anstoßen, die Indigenen nicht nur als passive (Befehls-)Empfänger zu lesen. Eben das kommt ja genau aus der kolonialistischen Denktradition.  </em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Die Verallgemeinerung gehört wohl in den Bereich der Ritualmordlügen. Und die Spanier wurden als Christen zu denjenigen, die den Menschen in Mexico die Zivilisation brachten, indem sie Menschenopfer abschafften.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>So scheinen es bis heute viele zu verstehen. </em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Das entspricht den Rechtfertigungsmustern, die Europäer in Afrika, in Asien anwandten. Hier in Europa die Hochkultur, die Zivilisation, anderswo nur Barbarei. Der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat verfügt, dass in den Schulbüchern die zivilisierende Rolle der französischen Kolonialgeschichte gewürdigt wird. In Deutschland fängt man gerade an zu begreifen, dass die Deutschen in Afrika keine aufgeklärten Forscher waren.</p>
<p><strong>Sandra del Pilar</strong>: <em>Genau so wenig wie die Spanier in Mexiko. </em></p>
<p><strong>Norbert Reichel</strong>: Deine Version der Geschichte stellt die Kolonialgeschichte Mexikos auf den Kopf. Dein Fazit?</p>
<div id="attachment_3341" style="width: 264px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3341" class="wp-image-3341 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-254x300.jpg" alt="" width="254" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-200x236.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-254x300.jpg 254w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-400x472.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-600x709.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-768x907.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-800x945.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-867x1024.jpg 867w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-1200x1417.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-1300x1536.jpg 1300w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Malintzin-tiempo_de-frente-b-1734x2048.jpg 1734w" sizes="(max-width: 254px) 100vw, 254px" /><p id="caption-attachment-3341" class="wp-caption-text">Malintzin a través de tiempo, óleo sobre tela y mallas trasparentes, 62&#215;52, von vorne gesehen. © Carlo Sintermann.</p></div>
<p><strong>Sandra del Pilar:</strong><em> Mir geht es mit dem Malintzin-Projekt darum, dass wir als Mexikaner einen Weg finden, unser kulturelles Selbstbewusstsein von der tief verwurzelten Opfererzählung zu befreien. Dazu gehört, dass wir uns von der kolonialistischen Vorstellung „der Indigenen“ als einer homogenen Gruppe verabschieden. Und dazu gehört auch die Ermächtigung, die Geschichte aus einer anderen als der offiziellen Perspektive zu erzählen. Dass diese Perspektive in meinem Projekt eine fiktive ist, spielt für mich als Künstlerin keine Rolle; auch die spanischen Quellen waren ja alles andere als objektiv. Hauptsache, man fängt an, an scheinbar unumstößlichen Wahrheiten zu rütteln und gedanklich mit Alternativen zu spielen.</em></p>
<h3><strong>Die im Gespräch genannten Schriftquellen der offiziellen Geschichtsschreibung:</strong></h3>
<ul>
<li>Hernán Cortés, Letters from Mexico, translated and edited by Antony Pagden, New Haven and London, Yale University Press, 1986.</li>
<li>Bernal Díaz del Castillo, Geschichte der Eroberung von Mexiko, herausgegeben und bearbeitet von Georg Adolf Narziß, Frankfurt am Main, Insel-Verlag, 1988.</li>
<li>Francisco López de Gómara, Cortés: the Life of the Conqueror by His Secretary, herausgegeben von Lesley Byrd simpson, Berkeley, University of California Press, 1964.</li>
</ul>
<div id="attachment_3344" style="width: 268px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3344" class="wp-image-3344 size-medium" src="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-258x300.jpg" alt="" width="258" height="300" srcset="https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-200x233.jpg 200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-258x300.jpg 258w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-400x466.jpg 400w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-600x699.jpg 600w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-768x895.jpg 768w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-800x932.jpg 800w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-879x1024.jpg 879w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-1200x1398.jpg 1200w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32-1319x1536.jpg 1319w, https://demokratischer-salon.de/wp-content/uploads/2023/06/Katalog.Seite32.jpg 1492w" sizes="(max-width: 258px) 100vw, 258px" /><p id="caption-attachment-3344" class="wp-caption-text">Aus dem Ausstellungskatalog, Seite 32.</p></div>
<h3><strong>Sandra del Pilar im Demokratischen <span style="color: #678f20;">Salon:</span> </strong></h3>
<ul>
<li>Sandra del Pilar: <a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/in-der-wunderkammer-der-geschichte/">In der Wunderkammer der Geschichte</a>.</li>
<li><a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/wer-sind-die-opfer-wer-sind-die-taeter/">Wer sind die Opfer, wer sind die Täter?</a> Ein Gespräch mit Sandra del Pilar über künstlerische Wege zur Erkenntnis.</li>
<li><a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/both-eyes-in-my-two-hands/">„Both Eyes in My Two Hands”</a> – Dokumentation eines Gesprächs mit Sandra del Pilar in der Galerie Zilberman, Berlin.</li>
<li>Norbert Reichel: <a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/realitaetsgewinn/">Realitätsgewinn – Über Wahrnehmung und Wahrnehmbarkeit unserer Feind-Bilder</a>.</li>
<li>Norbert Reichel: <a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/treat-me-like-a-human-being/">Treat Me Like A Human Being – Politische Dimensionen in der Kunst Sandra del Pilars</a>.</li>
<li>Norbert Reichel: <a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/gelegenheit-macht-moerder/">Gelegenheit macht Mörder – Zur Aktualität des Standford Prison Experiments</a>.</li>
<li><a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/nur-wenn-man-etwas-zeichnet-oder-malt-wird-es-nicht-vergessen/">„Nur wenn man etwas zeichnet, wird es nicht vergessen“</a> – Malerei und Politik im Werk von Sandra del Pilar.</li>
</ul>
<p>Eine <a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/der-codex-malintzin/">deutsche Übersetzung des fiktiven Codex Malintzin</a> hat Sandra del Pilar dem Demokratischen <span style="color: #678f20;">Salon</span> zur Verfügung gestellt. Sie ist mit den dazugehörigen Zeichnungen seit dem 3. Juli 2023 online.)</p>
<p>(Anmerkungen: Erstveröffentlichung im Juni 2023, Internetzugriffe zuletzt am 27. Mai 2023, die Rechte aller Bilder liegen bei Sandra del Pilar, auch die des Titelbildes, eines Ausschnitts aus &#8222;Treat me like a fool, treat me like I´m evil&#8220;, 2017, Öl und Acryl auf Leinwand und transparenter Synthetikfaser, Sammlung Gustav-Lübcke-Museum, Hamm, © Carlo Sintermann, der auch der Fotograf und Rechteinhaber aller anderen in diesem Text gezeigten Bilder ist. Sie dürfen ohne Genehmigung nicht reproduziert werden. Sandra del Pilar wird von der <a href="https://www.zilbermangallery.com/">Galerie Zilberman</a> in Berlin, Istanbul und Miami vertreten.)<em>    </em></p>
</div></div></div></div></div>
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