Ein Gott im Zwielicht
Die Kontroverse um das letzte Buch von Arthur C. Clarke
„Nobody really knows which story of a life is right, or even a good approximation. We cannot truly understand anyone’s life from the outside, so we sail on through our own, tacking in the wind provided by others’ life stories.” (Arthur C. Clarke, zitiert von Gary Westfahl aus dem Exposé des Romanprojekts „The Last Theorem“)
In diesem Essay möchte ich auf neue Erkenntnisse der Literaturforschung über das Werk von Arthur C. Clarke und eine Kontroverse um sein letztes Buch „The Last Theorem“ eingehen, die im Jahre 2025 durch eine Veröffentlichung des Clarke-Kenners und Science-Fiction Experten Gary Westfahl bekannt geworden sind. Sie werfen ein Schlaglicht auf einen der größten Autoren des Science-Fiction Genres und der Weltraumwissenschaften, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur durch seine Erzählungen, sondern auch durch seine naturwissenschaftlichen Beiträge, seine Sachbücher und sein Vermögen, die Wissenschaft zu popularisieren, in das Licht der Weltöffentlichkeit gekommen ist: Arthur C. Clarke, geboren am 16. Dezember 1917 in Minehead, Großbritannien, gestorben am 19. März 2008 in Colombo, Sri Lanka.
„The Twilight of a God – Arthur C. Clarke in the 21st Century“ – so lautet der Titel eines literaturwissenschaftlich interessanten Essays des US-amerikanischen Science-Fiction Experten Gary Westfahl in dem Buch „Reimagining Science Fiction – Essays on the 21st Century Ideas and Authors“ (2025), in dem er über die Entstehung der letzten Werke von Clarke schreibt, insbesondere über sein letztes Buch „The Last Theorem“ (2008), das gemeinsam mit Frederik Pohl geschrieben wurde und dessen Grundidee auf einem Exposé von Clarke basiert. Die Ideen in diesem Exposé Clarkes weisen in manchen Bereichen in eine andere Richtung als sie von Frederik Pohl in dem Buch benutzt wurden.
Gary Westfahl, Biograf Arthur C. Clarkes
Gary Westfahl ist emeritierter Professor für Literatur der University of La Verne und ein international anerkannter Science-Fiction-Forscher und Kritiker. Er hat mehr als 36 Bücher über das Genre verfasst, herausgegeben oder mit herausgegeben, von denen alle bis auf eines sich mit Science Fiction und Fantasy befassen, darunter das für den Hugo Award nominierte Werk „Science Fiction Quotations: From the Inner Mind to the Outer Limits“ (2005), die dreibändige „The Greenwood Encyclopedia of Science Fiction and Fantasy: Themes, Works, and Wonders“ (2005) und die zweibändige „Science Fiction Literature through History: An Encyclopedia“ (2021). Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören „The Rise and Fall of American Science Fiction, from the 1920s to the 1960s” (2019), „The Stuff of Science Fiction: Hardware, Settings, Characters” (2022) und die kritische Anthologie „Jules Verne Lives! Essays on His Works and Legacy” (2023). Gary Westfahl hat hunderte von Essays und Rezensionen in wissenschaftlichen Zeitschriften, Magazinen, Büchern und Websites veröffentlicht und war in Interviews in vier Dokumentarfilmen über Science Fiction zu sehen. Im Jahr 2003 erhielt er den Pilgrim Award der Science Fiction Research Association für sein Lebenswerk im Bereich der Science-Fiction- und Fantasy-Forschung.
Gary Westfahl ist einer der weltweit besten Kenner der Werke von Arthur C. Clarke und hat im Jahre 2018 eine fundierte Studie über diesen Autor in der Reihe „Modern Masters of Science Fiction“ vorgelegt: „Arthur C. Clarke“ (2018). Zu diesem Werk hat Westfahl eine fast vollständige Bibliografie der Werke von Clarke erstellt, die einen Überblick über sein Gesamtwerk erlaubt. Sie ist Teil der insgesamt weltweit zugänglichen biografischen Einordnung von Arthur C. Clarke, zu der vor allem die autorisierte Biografie von Neil McAleer „Arthur C. Clarke – The Authorized Biography” (1992, erweitert zu „Arthur C. Clarke – Odyssey of a Visionary”, 2013) und Fred Clarke et. al.: „Arthur C. Clarke – A Life Remembered“ (2014) gehören. Er war außerdem sehr hilfreich bei der Erarbeitung meiner eigenen Arbeit: „Arthur C. Clarke. Jenseits des Möglichen“ (2019).
Allerdings gehen die literaturwissenschaftlichen Forschungsarbeiten von Gary Westfahl weit über die reine Sammlung des biografischen Werks hinaus. Über die Arbeitsweise von Arthur C. Clarke im Alter sowie über die Entstehung seines letzten, gemeinsam mit Frederik Pohl geschriebenen Romans „The Last Theorem“ (2009) berichtet Gary Westfahl in „The Twilight of a God – Arthur C. Clarke in the 21st Century“ (2025) und legt damit eine qualifizierte literaturwissenschaftliche Studie über das Spätwerk von Arthur C. Clarke vor.
The Last Theorem: Das letzte Werk von Arthur C. Clarke
Eigentlich hatte Clarke in seinem achtzigsten Lebensjahr seine Schriftstellerkarriere mit „3001 – The Final Odyssey“ (1997) beenden wollen, aber er schrieb noch jahrelang weiter, allerdings mit mäßigem Erfolg und zumeist in Kooperation mit anderen Autoren. Seine Gesundheit war angeschlagen, seine intellektuelle Kraft hatte – das muss man leider sagen – nachgelassen.
„The Last Theorem“ sollte dann doch noch ein diesmal wirklich letztes Buch werden. Er hatte schon ein dreißigseitiges Exposé geschrieben und an seinen Freund Gregory Benford mit der Bitte übermittelt, den Roman fertigzustellen. Clarke schrieb an Benford, dass er Gedächtnisschwächen habe und sich nicht mehr daran erinnern könne, was er mit den „Grand Galactics“ vorgehabt habe: „Ich fürchte, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, welche Pläne ich für sie hatte (das klingt großartig, wenn man es so sagt)“. Am 19. März 2008 starb Arthur C. Clarke im Alter von 90 Jahren.
Gregory Benford machte dieses Exposé Gary Westfahl zugänglich. Dann bekam Gregory Benford eine Anfrage von Frederik Pohl, der darum bat, diesen Roman fertigstellen zu dürfen, weil er in finanziellen Schwierigkeiten sei. Frederik Pohl war jünger als Arthur C. Clarke. Benford entsprach dieser Bitte, weil er selbst mit Arbeit überlastet war. So entstand das letzte Werk, an dem Arthur C. Clarke als Ideengeber beteiligt war, das aber im Wesentlichen von Frederik Pohl geschrieben wurde. Frederik Pohl vollendete das gemeinsame Buch, das im Juli 2008 zuerst bei Harper Voyager in Großbritannien erschien und dann im August 2008 in den USA bei Del Rey (eine deutsche Ausgabe erschien 2010 bei Heyne, auf dem Cover sind Arthur C. Clarke und Frederik Pohl beide als Autoren genannt).
Frederik Pohl war für Clarke der ideale Co-Autor, denn beide kannten und schätzten sich und beide hatten die höchsten Ehren als Science-Fiction-Schriftsteller erreicht, Clarke als Grandmaster der „Science Fiction and Fantasy Writers of America“ im Jahre 1986 und Pohl im Jahre 1993. Sie waren befreundet und in ihrer Tätigkeit als Schriftsteller auf Augenhöhe. Frederik Pohl unterschrieb den Vertrag auf der Basis einer 50:50-Aufteilung des Honorars und sollte das Manuskript am 1. Mai 2007 abliefern. Das finale Manuskript wurde von Pohl im November 2007 an Clarke geliefert, der an den Revisionen bis Anfang März 2008, einige Tage vor seinem Tode, arbeitete. Diese Arbeit wurde durch zahlreiche Krankenhausaufenthalte unterbrochen. Die letzte schriftliche Nachricht von Clarke, seinem Assistenten Gunawardene diktiert, lautet: „The past few weeks haven’t been easy for me. I’ve been in and out of hospital. In addition to my back injury, which is slowly healing, I had cope with a urine infection and a persistent cough…. I can only get through a few pages a day and I’m happy with what I’ve seen so far. I’m sure between Russ (Galen, FH) and Random House any remaining loose ends can be tied up easily and quickly. You, after all, know the manuscript far better than I do. I don’t wish to hold up the release of this novel which has already been delayed well beyond the original date. Therefore, I am passing on responsibility to Russ and yourself to see the novel through production and publication…. I hope the book can come out during this calendar year (2008, FH) and look forward to holding it in my hands.“ (zitiert nach: Neil McAlleer, Sir Arthur C. Clarke: Odyssey of A Visionary: The Biography, 2013).
Der Hintergrund: Der Fermat’sche Satz und die Atombombe
„The Last Theorem“ erzählt die Geschichte des Sri Lankanischen Mathematikers Ranjit Subramanian, der einen schlüssigen und kurzen Beweis für das Fermat´sche Theorem findet und eine Invasion der Erde durch die „Großen Galaktiker“ verhindert. Nach der Behauptung des Mathematikers Fermat trifft der berühmte Lehrsatz des Pythagoras a2+b2=c2 ausschließlich für die zweite Potenz zu, jedoch für keine andere.
Das Buch bietet große Anteile interkultureller Aspekte, die Clarke durch das Leben in Süd-Ost-Asien gewonnen hat. Große Teile der Handlung spielen in Sri Lanka. Eine kurze homoerotische Affäre des Protagonisten wird beschrieben, bevor er seine Partnerin heiratet – möglicherweise eine späte Reminiszenz von Clarke an seine eigenen sexuellen Lebensaspekte.
Im Vordergrund spielt die Lebensgeschichte von Ranjit Subramanian, im Hintergrund agieren die „Großen Galaktiker“, die durch die ausstrahlenden Photonen von Atombombenversuchen der Nuklearmächte aufgeschreckt worden sind. Sie beauftragen eine verbündete Raumfahrer-Intelligenz, die Menschheit zu warnen oder auszulöschen.
Die im Einzelnen beschriebenen Konflikte enthalten interessante Wendungen und Entwicklungen. An dieser Stelle soll nur darauf hingewiesen werden, dass einige von Clarkes Technologien auftauchen: Der Fahrstuhl in den Weltraum wird in Sri Lanka gebaut, Tauchen und Tauchunfälle kommen vor und das Hochladen von menschlichem Bewusstsein, das ebenfalls von Frederik Pohl in seinem Gateway-Zyklus beschrieben worden ist, spielen eine Rolle. Nach 13.000 Jahren kehren die „Großen Galaktiker“ zur Erde zurück, sind beeindruckt von der Entwicklung der Menschheit und übergeben ihre Aufgabe als Wächter und Förderer intelligenten Lebens im Universum an die Menschheit der Zukunft.
Dieses Buch ist das letzte Alterswerk zweier begnadeter Science-Fiction Schriftsteller aus dem sogenannten Goldenen Zeitalter der Science Fiction. Obwohl dem Buch die jugendliche Leichtigkeit, das Feuer und die Radikalität neuer Gedanken fehlen, wie sie manchmal bei Debütanten zu finden sind, ist der Roman dennoch ein würdiger Abschluss ihrer Schriftsteller-Karrieren, die beide am Ende ihres Lebens als etwa Neunzigjähriger als eine Art Resümee ihres Schaffens vorlegen.
Zwei Hintergrundgeschichten spielen auf der Erde der Gegenwart oder der nahen Zukunft: Einerseits der Versuch, eines der großen Rätsel der Mathematikforschung zu lösen, nämlich das Fermat-Rätsel. Fermat hatte in einer Notiz geschrieben, dass er einen kurzen Beweis für diese Behauptung habe, dieser wurde aber nie gefunden. Der britische Mathematiker Andrew Wiles legte in den Jahren 1993 bis 1995 einen definitiven, vollständigen und fehlerfreien Beweis für die von Fermat vor 350 Jahren geäußerte Vermutung vor, auf 150 eng beschriebenen Seiten.
Interessant für Nicht-Mathematiker ist wohl nicht der Fermat-Beweis selbst, sondern die wissenschaftliche Methodik, der auch die beiden Autoren Clarke und Pohl, beide selbst Mathematiker und Naturwissenschaftler, anhängen. Es geht darum, Sachverhalte einer logischen Beweisführung zu unterwerfen, also zu verlangen, dass mathematisch oder naturwissenschaftlich richtige und „wahre“ Sachverhalte durch eine logische Beweisführung immer und zwingend zutreffen müssen. In der naturwissenschaftlichen Methodik heißt es, dass Versuche unter den gleichen Rahmenbedingungen immer und überall zu denselben Ergebnissen führen müssen, wenn sie als richtig anerkannt werden.
Die zweite Hintergrundgeschichte geht auf die zahlreichen Atombombenversuche der Nuklearmächte seit den 1940er Jahren ein, die hier als Schreckensnachricht für intelligente Lebewesen im Universum beschrieben werden. Die Autoren sind auch am Ende ihres Lebens immer noch Humanisten und Friedensanhänger und gehen als Science-Fiction-Schriftsteller von der These aus, dass intelligente Super-Zivilisationen im Universum existieren, die alle Aktivitäten von anderen intelligenten Arten überwachen und deren Entwicklung beeinflussen. Dies ist ohne Zweifel die zentrale These von vielen Werken von Arthur C. Clarke, angefangen bei „Childhood´s End über 2001, Rendezvous with Rama“ bis zu „The Last Theorem“. Neu in diesem, seinem letzten Werk ist allerdings die positive Schluss-Attitüde, dass die Menschheit bereits nach kurzen 13.000 Jahren moralisch und intellektuell soweit gefestigt sei, dass sie die galaktische Wächterrolle würde übernehmen können. Es sei den Autoren am Ende ihres reichhaltigen Erzählerlebens gestattet, eine solche über-optimistische Haltung einzunehmen.
Gary Westfahls Kritik an „Das Letzte Theorem“
Der Roman erschien und Gary Westfahl schreibt, dass er wesentliche Schwächen aufweise, die nach Kenntnis des Clarke-Exposés eigentlich anders hätten geschrieben werden müssen. Erstens spiele die Handlung des Romans von Frederik Pohl im gegenwärtigen Sri Lanka, während Clarke in „The Fountains of Paradise“ (1979) über das fiktive „Tabrobane“ geschrieben habe. Zweitens hätte Clarke mehr über die lebenslange romantische Beziehung von Ranjit und Myra geschrieben als Tribut an die Familie aus Sri Lanka, die in so lange betreut hatte. Und schließlich hätte Clarke mehr über den behinderten Sohn von Ranjit und Myra erzählt.
Unzufrieden ist Gary Westfahl vor allem mit der Entscheidung von Frederik Pohl, die ultimative Realität des Todes wegzulassen und stattdessen das Bewusstsein von Myra in ein Computerprogramm zu übertragen, wie Pohl das ähnlich bereits in „The Annals of the Heechee“ (1987) beschrieben habe. Damit habe Pohl die Chance vertan, sich mit der Realität des Todes und seiner Bedeutung für Menschen auseinanderzusetzen. Westfahl zitiert aus dem unveröffentlichten Exposee von Clarke: „At life’s end, people assign the arc of the entire life a weight, a moral trajectory – a story. Many ask whether it was sad or joyful, failed or a triumph or something in between. They ask this as if the summation somehow caps the life, encloses it, before consigning it to history. We all share such a desire because we share a fate and thus a life becomes everyone’s business. It is part of how we understand our own lives.” Und ferner: „At her death Myra said, ‘tell everyone I’ve had a wonderful life’. She seldom exaggerated, and Ranjit felt this single sentence was the capstone on his own life as well. Only much later did he realize that Myra had probably seen that he would, and so gave him that peace from beyond the grave. And that realization made his own life more wonderful, as well.“
Dieser schöne Text klinge wie eine Rückschau Arthur C. Clarkes auf sein eigenes Leben – und diese Quintessenz hätte – so Gary Westfahl – seinem letzten Roman eine andere Richtung gegeben.
Der Streit um unveröffentlichte Texte von Arthur C. Clarke
Gary Westfahl hatte sich vor etwa zehn Jahren die Fleißaufgabe gestellt, die letzten unveröffentlichten Texte von Arthur C. Clarke zu sammeln, in sein Gesamtwerk einzuordnen und zu veröffentlichen. Dazu hatte er versucht, dem veröffentlichten letzten Roman von Clarke und Pohl durch die Einarbeitung des ihm vorliegenden Exposés eine andere Richtung zu geben, die nach seiner Meinung den Intentionen von Clarke besser entsprochen hätte als das veröffentlichte Buch. Leider haben es sowohl der britische als auch der amerikanische Agent des Clarke-Estates abgelehnt, dieses Manuskript zur Veröffentlichung freizugeben, mit der Aussage, dass Clarke dies nicht gewollt hätte.
Gary Westfahl kommt zu einer anderen Bewertung und schreibt, dass „man eine Verpflichtung hat sowohl gegenüber der Geschichte als auch gegenüber den Autoren“ und vergleicht dies mit der nachgelassenen Veröffentlichung des Romans „For Us, the Living“ (1938) von Robert Heinlein, die erst im Jahre 2003 erfolgte, als der Heinlein-Biograf Robert James die Spuren dieses verlorenen Roman-Manuskripts verfolgte und das Manuskript in einem Karton in einer Garage gefunden wurde. Vielleicht ist dies ein vergleichbarer Fall wie die Veröffentlichung des Lebenswerks von Franz Kafka. Wenn Max Brod dem Wunsche seines Freundes Franz Kafka entsprochen und dessen unveröffentlichte Werke vernichtet hätte, wäre dieser literarische Schatz der Weltliteratur verloren gegangen. Welche Perle der philosophischen und interkulturellen Science-Fiction Literatur könnte gehoben werden, wenn Gary Westfahl sein Buch mit den unveröffentlichten Texten von Arthur C. Clarke und seinem Exposee zu „The Last Theorem“ veröffentlichen dürfte?
Arthur C. Clarke und das 21. Jahrhundert
An der Bedeutung Arthur C. Clarkes für die Science Fiction ändert die Kritik Gary Westfahls an dem veröffentlichten Roman „The Last Theorem“ nichts. Gary Westfahl betont ausdrücklich die Relevanz Arthur C. Clarkes für das 21. Jahrhundert, obwohl sein Werk eigentlich zum Kanon des 20. Jahrhunderts gehört.
- Erstens hätte Clarke der Figur des behinderten Sohnes von Ranjit mehr Aufmerksamkeit gewidmet, weil er selbst an den Folgen des Post-Polio-Syndroms gelitten habe. Die Autoren der Gegenwart würden selten über behinderte Menschen schreiben, meint Westfahl.
- Zweitens sei Clarke immer ein humorvoller Autor gewesen, während die Science-Fiction-Autoren des 21. Jahrhunderts, selbst wenn sie versuchten, amüsant zu sein, selten ein Lachen beim Lesen erzeugen würden.
- Drittens sei sich Clarke sehr intensiv der Traditionen des Genres Science- Fiction bewusst gewesen, während viele der heutigen Autorinnen und Autoren selten über fundierte Kenntnisse ihrer Vorgänger verfügen würden.
- Viertens hätte sich Clarke in seinem gesamten Leben stets für die Fortschritte von Wissenschaft und Technologie interessiert, während die meisten Autoren der Gegenwart, mit der Ausnahme von Kim Stanley Robinson, Greg Egan und Charles Stross, die Erkenntnisse der modernen Wissenschaften ignorieren würden.
Gary Westfahl schreibt, dass sich all dies wie das mürrische Klagen eines alten Mannes anhören würde, aber nach seiner Meinung sei Arthur C. Clarke ein bemerkenswerter Schriftsteller gewesen sei und dass nach seiner Einschätzung kein Autor der gegenwärtigen Science-Fiction in den USA irgendwann den legendären Status von Clarke erreichen würde. Möglicherweise liegt hier auch der wesentliche Grund für Gary Westfahls Kritik an „The Last Theorem“. Arthur C. Clarke kann sich dazu leider nicht mehr äußern.
Vielleicht sollte auch für Verleger von Literatur und für Literaturagenten das zweite Clark´sche Gesetz gelten: „Der einzige Weg, die Grenzen des Möglichen zu finden, ist, ein klein wenig über diese hinaus in das Unmögliche vorzustoßen.“
Fritz Heidorn, Oldenburg
(Anmerkungen: Erstveröffentlichung im Oktober 2026, Internetzugriffe zuletzt am 15. September 2026. Titelbild: Hans Peter Schaefer)

