Veranstaltungen und Ausstellungen
Empfehlungen des Demokratischen Salons
Auf dieser Seite finden Sie Veranstaltungen und Ausstellungen, die ich Ihnen empfehlen möchte. Es handelt sich um eine rein subjektive Auswahl. Die Termine und Kurzbeschreibungen werden regelmäßig ergänzt, abgelaufene Termine werden gestrichen, sodass Sie sich jederzeit aktuell informieren können, wo Sie vielleicht demnächst einmal vorbeischauen können.
Sie können detaillierte Informationen über die hier empfohlenen Veranstaltungen und Ausstellungen nach Orten sortiert direkt über die Sprungmarken erreichen. Sie finden Veranstaltungen und Ausstellungen in Berlin (Ringvorlesung Interventionismus, Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?), Bochum (Gruppenausstellung „Die Kids sind nicht alright“, Skandale der WestLB), Braunschweig (Geschichte des Zentralrats der Juden), Düsseldorf (Flucht über das Mittelmeer), Essen (Holo-Voices), Frankfurt am Main (Sababa Nights, Ausstellung Mischpocha), Halle an der Saale (Fotoausstellung Halle 1983-1985), Hamburg (Jüdische Kinderwelten), Lübeck (125 Jahre Buddenbrooks), Mannheim (Kunst der 1960er Jahre), München (Weimar: Ein Ferngespräch, Jüdisches Wien, Morde am OEZ), Rostock und Dresden (Kunst und Klimaanpassung), Solingen (Dada und Politik), Wien (Theaterfassung von Shelly Kupferbergs Roman „Isidor“, Christoph Schlingensief, Erinnerungskultur in Österreich), Wiesbaden, Bremen, München, Ascona (Blaue Reiterinnen).
Berlin
Ringvorlesung Interventionismus: Im Sommersemester 2026 richten die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, das Berliner Kolleg Kalter Krieg, das Institut für Zeitgeschichte München–Berlin und die Humboldt-Universität eine Ringvorlesung zum Thema „Interventionismus in Europa: Militärisches und humanitäres Eingreifen seit 1945“ an. Ort: Humboldt-Universität zu Berlin, Hauptgebäude, Raum 1072 (Unter den Linden 6, 10117 Berlin). Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18:00 Uhr c.t.:
- 23. April 2026: Hermann Wentker, „Moskaus Interventionen im Ostblock (1953–1981). Hintergründe und Auswirkungen auf das sowjetische Imperium“.
- 5. Mai 2026: Konstanze Soch, zu „Nahrungsmittelhilfe über den Eisernen Vorhang hinweg: Karitative Aktion oder politische Intervention?“
- 19. Mai 2026: Hubert Zimmermann, „(Post-)Interventionismus? Die Debatte um Auslandseinsätze der Bundeswehr vor und nach 1990“.
- 2. Juni 2026: Bernd Rother, „Intervention zur Abwehr des Kommunismus? Das westliche Bündnis und der Sturz der Diktatur in Portugal (1974)“.
- 16. Juni 2026: Hannes Grandits, „UN-Blauhelme und NATO-Luftschläge: Die Jugoslawienkriege (1991–1995)“.
- 30. Juni 2026: Kristóf Gosztonyi, „Lessons Learned? Der Kosovo-Krieg (1999) im Lichte der bosnischen Interventionserfahrungen“.
- 7. Juli 2026: Agnes Bresselau von Bressensdorf, „Flucht, Recht, Verantwortung: Humanitärer Interventionismus und die Entstehung der Responsibility to Protect“.
Weitere Informationen zur Ringvorlesung, auch zu den einzelnen Vorträgen sowie den Flyer finden Sie auf der Website der Bundesstiftung Aufarbeitung. (Pressemitteilung der Stiftung vom 14. April 2026.)
„Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?“ Die von Christian Schmittwilken kuratierte Ausstellung ist bis zum 31. Januar 2027 im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors zu sehen. Die Ausstellung befasst sich mit der Frage, was im Deutschen Reich zu welcher Zeit über den Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden, aber auch über andere Massenverbrechen bekannt war oder gewusst werden konnte. Die Ausstellung präsentiert rund 300 Exponate aus 95 Archiven, öffentlichen Sammlungen und privatem Besitz. Mit diesem Material – darunter Reproduktionen von Fotografien und Dokumenten, Audio- und Videoaufnahmen sowie Originalobjekte – werden viele bislang kaum bekannte Geschichten erzählt. Es gibt einen Begleitband in deutscher und in englischer Sprache. Die Veranstaltungen im Begleitprogramm können auch im Livestream verfolgt werden:
- Der Holocaust. Was wussten die Deutschen – und wie verhielten sie sich? Podiumsgespräch am 12. Mai 20206, 19:00 Uhr, mit Bernward Dörner, Mary Fulbrook, Peter Longerich, Moderation: Christian Schmittwilken.
- Das Wissen der Alliierten über den Holocaust / What the Allies knew about the Holocaust, Vortrag von Michael Fleming am 2. Juni 2026, 19:00 Uhr, Moderation: Elizabeth Harvey (in englischer Sprache mit Simultanübersetzung).
- Hören und Sprechen im Krieg. Alltagskommunikation im Nationalsozialismus 1939–1945. Buchpräsentation am 23. Juni 2026, 19:00 Uhr, von Felix Berge mit einem Kommentar von Andrea Riedle, Moderation: Dierk Hoffmann.
- Oberbrechen: Ein deutsches Dorf und seine NS-Vergangenheit, Buchpräsentation von Stefanie Fischer am 22. September 2026, 19:00 Uhr, Moderation: Sabine Kritter.
- Das Ungesagte, am 13. Oktober 2026, 19:00 Uhr, Dokumentarfilm, Deutschland 2025, 97 Min. (gekürzte Fassung), im Anschluss: Podiumsgespräch mit Regisseurin Patricia Hector, Regisseur Lothar Herzog und Stephanie Bohra.
- Holocaust-Gedenken von 1945 bis zur Gegenwart, Podiumsgespräch am 24. November 2026, 19:00 Uhr, mit Eva Berendsen, Elke Gryglewski, Martin Liepach, Einführung und Moderation: Martin Sabrow.
- Der Weg zum Holocaust, Vortrag am 26. Januar 2027 von Dieter Pohl, Moderation: Ulrich Baumann.
(Pressemitteilungen der Topographie des Terrors vom 16. März und 2. April 2026)
Bochum:
Kunst zur Wiedervereinigung: Vom 7. Mai bis zum 13. September 2026 ist im Museum unter Tage (Nevelstraße 29c, im Parkgelände von Haus Weitmar, 44795 Bochum, Mi bis Fr 14:00 bis 18:00 Uhr, Sa bis So 12:00 bis 18:00 Uhr) die Gruppenausstellung „Die Kids sind nicht alright“. Als im Jahr 1989 die Mauer fiel, waren die Künstler:innen der Ausstellung alle noch Kinder. Sie wuchsen in einer Zeit auf, die für die Eltern oder Großeltern vor allem Neuorientierung, Risiko und Krise bedeuteten. In ihren Arbeiten setzen sie sich mit ihren Kindheitserfahrungen in der DDR und ihrer Familiengeschichte auseinander. Sie verhandeln Fragen nach Identität, Herkunft und damit verknüpften möglichen und unmöglichen Chancen, verbunden mit einem kritischen Blick auf die politischen Systeme in Ost und West sowie auf gesellschaftliche Werte und ökonomische Wirklichkeit. In der Ausstellung zeigen zehn Künstler:innen im Medium der Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie, Film, Skulptur oder Rauminstallation ihre Auseinandersetzungen mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der deutschen Wiedervereinigung. Präsentiert werden Werke von Nadja Buttendorf (*1984, Dresden), Susan Donath (*1979, Apolda), Sophia Hirsch (*1987, Ost-Berlin), Florian Kunert (*1989, Neustadt bei Dresden), Eric Meier (*1989, Ost-Berlin), Minh Duc Pham (*1991, Schlema im Erzgebirge), David Polzin (*1982, Henningsdorf bei Berlin), Oskar Schmidt (*1977, Erlabrunn im Erzgebirge), Manuel Sékou (*1991, Dresden) und Anna Zett (*1983, Leipzig). Kuratiert wurde die Ausstellung von Meta Marina Beeck. (Presseerklärung der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum vom 18. April 2026.)
Kunst und Kapital: in der Ausstellung „Kunst, Geld, Skandal – was von der WestLB übrig bleibt“ geht es um die Geschichte der Bank und ihrer Sammlung. Die Bank wurde nach mehreren Skandalen im Jahr 2012 aufgelöst. Welche Kunstwerke befanden sich in der WestLB, warum kamen die Arbeiten an die RUB und können die Objekte als Zeugen des Zusammenbruchs eines international agierenden Finanzinstituts gewertet werden? Die Ausstellung ist zu sehen in den Kunstsammlungen der Ruhruniversität Bochum (Universitätsstraße 150, Forumsplatz, 44801 Bochum). Sie ist bis zum 22. November 2026 zu sehen. Gestaltet wurde sie von einem studentischen Kurator:innen-Team: Tobias Becker, Fatime Dzaferi, Kristina Jurkowski, Philipp Langweg, Marlene Sophie Pott, Melina Smutny, Jana Natalie Swieca und Lea Wittrock unter Leitung von Alexia Pooth. (Pressemitteilung vom 25. Juni 2026)
Braunschweig:
75 Jahre Zentralrat der Juden: Bis zum 20. September 2026 ist im Städtischen Museum Braunschweig, Haus am Löwenwall, die Ausstellung „Mit eigener Stimme“ zu sehen, die das 75. Jubiläum des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt. Die Ausstellung zeigt die Geschichte des jüdischen Lebens in Deutschland nach der Shoah und die Rolle der jüdischen Organisationen, insbesondere des Zentralrats sowie die verschiedenen Arbeitsbereiche des Zentralrats, unter anderem zum Sport (Kooperation mit dem jüdischen Sportverband Makkabi), Kampf gegen Antisemitismus, Dialog zwischen den Religionen (Denkfabrik Schalom Aleikum), die Akzeptanz diverser sexueller Identitäten (Unterstützung des Vereins Keshet Deutschland – Die jüdische LGBTQI*-Community in Deutschland) sowie den Musik- und Tanzwettbewerb „Jewrovision“. Die Ausstellung befasst sich auch mit den Kontroversen der vergangenen 75 Jahre zur Erinnerungskultur, beispielsweise um die Paulskirchenrede von Martin Walser, das Theaterstück „Die Stadt, der Müll und der Tod“ von Rainer Maria Fassbinder und die documenta 15. Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 11:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Einen Überblick zur Ausstellung bietet Sophie Albers Ben Chamo in ihrem Beitrag „Für die Zukunft“ in der Jüdischen Allgemeinen vom 26. Februar 2026. Der Katalog der Ausstellung wurde bei Hentrich & Hentrich veröffentlicht. Er wurde von Fedor Besseler und Peter Joch herausgegeben.
Düsseldorf:
Flucht über das Mittelmeer: Vom 13. Mai bis zum 31. Juli zeigt die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf (Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf) die Foto- und Videoausstellung „Hinter dem Mittelmeer“ (Mo bis Fr jeweils ab 10:00 Uhr, Mo und Mi bis 17:00 Uhr, Di und Do bis 19:00 Uhr, Fr bis 14:00 Uhr). Die Ausstellung wurde von Mirco Keilberth kuratiert, unabhängiger Journalist, Filmemacher und Medienpädagoge mit Schwerpunkt auf Nordafrika und Südosteuropa. Er arbeitete als Journalist im Krieg im ehemaligen Jugoslawien, insbesondere in Belgrad und Sarajevo. Er bereiste mehr als 20 Länder im Subsahara-Afrika und produzierte Dokumentarfilm und Reportagen über Konflikte in Afrika. Die Ausstellung beleuchtet aktuelle Fluchtrouten, die wirtschaftliche Lage in den Herkunftsländern sowie die Strategien der Europäischen Union am südlichen und westlichen Mittelmeer. Mit Fotografien, Videos, Zahlen und Expertengesprächen vermittelt sie Einblicke in die Lebensrealitäten von Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten, von den Zeltstädten in Tunesien über den Alltag in Damaskus und Tripolis bis zu den Schmuggelrouten durch die Sahara. Die Reportagen und Bilder porträtieren Menschen aus Syrien, dem Libanon, Tunesien, Libyen, dem Sudan und Westafrika, die aufgebrochen sind, fliehen mussten oder freiwillig zurückgekehrt sind. Die Ausstellung thematisiert in der täglichen Berichterstattung oft ungestellte oder unbeantwortete Fragen. Die Eröffnung findet am 12. Mai, 19:00 Uhr im Gerhart-Hauptmann-Haus statt. Der Kurator bietet eigene Veranstaltungen für Schulklassen, Ministerien und andere interessierte Gruppen an. (Auszug aus der Presseerklärung des Gerhart-Hauptmann-Hauses vom 5. Mai 2026).
Essen:
Zeitzeug:innen – Zweitzeug:innen: Es leben nur noch wenige Überlebende der Shoah. Um ihr Vermächtnis, ihre Erzählungen auch in der Zukunft lebendig zu erhalten, bieten HoloTechnik und KI neue Möglichkeiten des Dialogs. Am 27. Januar 2026 wurde in Essen in der Zeche Zollverein die Ausstellung „Holo-Voices: Begegnen – Fragen – Weitersagen“ eröffnet. Das interaktive Projekt wurde von der Organisation Zweitzeugen e.V. kuratiert. Vorbild war ein US-amerikanisches Projekt. Es geht in dem Projekt darum, mit „KI-Technik eine lebendige Interaktion mit Zeitzeug:innen des Holocausts“ zu ermöglichen. Angewandt wird die die Technik Natural Language Processing (NLP), über die die Besucher:innen „originale Videoantworten der Zeitzeug:innen“ erhalten. Grundlage waren unter anderem Interviews des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek und die Frankfurter Ausstellung „Frag nach!“ Ab Februar 2026 wird ein didaktisches Begleitprogramm für Schulklassen/Jugendgruppen (ab 14 Jahre) und Erwachsene umgesetzt. Weitere begleitende Formate werden entwickelt und auf der Internetseite von Zeitzeugen e.V. vorgestellt. Anmeldungen sind jederzeit möglich: a.olek@zweitzeugen.de Es ist möglich, eine Führung durch die Ausstellung mit der Ausstellung „Unter Tage – Unter Zwang“ (Thema Zwangsarbeit im Ruhrgebiet) zu kombinieren. Projektträger ist die TU Dortmund Die Ausstellung wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, von der RAG-Stiftung, der Krupp-Stiftung und der Brost-Stiftung gefördert.
Frankfurt am Main:
Mishpocha: Das Jüdische Museum Frankfurt am Main zeigt bis zum 27. September 2026 (täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr) die von Franziska Krah kuratierte Ausstellung „Mischpocha – The Art of Collaboration“. Die Ausstellung deutet den jiddischen Begriff „Mischpoche“ neu – als ein Plädoyer für die Kraft des kreativen Miteinanders. Familie kann vieles bedeuten. Wer gehört dazu? Kann man in einer Familie einfach Mitglied werden? Oder ist Familie einfach ein Kreis von Freund:innen, mit denen man ein Lebensgefühl oder bestimmte Interessen und Hobbies teilt? Das sind einige der Fragen, die die Ausstellung zu beantworten versucht. Allerdings werden alle Besucher:innen möglicherweise eine andere Antwort finden. Dies liegt auch daran, dass die Ausstellung sehr künstlerisch, nicht zuletzt musikalisch angelegt ist, ausgehend vom Musiker Mike D von den Beastie Boys: „Wir konnten all dies nur dank der großartigen Menschen erreichen, denen wir begegnet sind und mit denen wir zusammengearbeitet haben.“ Zusammenwirken, Zusammenarbeit, „Collaboration“ schafft Familie und ist selbst eine Kunst. Familie ist ein Crossover von Stilen. Das interdisziplinäre und kollaborative Kunstprojekt lässt die Besucher:innen neue soziale und kulturelle Räume für künstlerische Experimente entdecken und schafft neue Möglichkeiten der Reflektion über das, was Familie im Lauf der Zeit war, ist und sein könnte. Zeichnungen, Gemälde, Konzeptkunst, Fotografien und Videoarbeiten reflektieren Familiengeschichte(n), gerade in Zeiten von Flucht und Migration, im Exil, in der Diaspora. In einem der Räume können die Besucher:innen anhand von Musik des Punk, der Riot Grrrl-Bewegung, des Techno und des Hip-Hop ihre musikalischen Erlebnisse selbst gestalten.
Sababa Nights: Auf der offenen Bühne vor dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main, Bertha-Pappenheim-Platz 1, eröffnet Sababa Nights am 30. Juli 2026, 18:00 Uhr, eine dreiteilige Open-Air-Konzertreihe. Das Auftaktkonzert wird von der IMA Clique gemeinsam mit Jazz Montez kuratiert und umgesetzt. Den Anfang macht die Band Sababa 5, deren Sound Einflüsse aus Middle Eastern Grooves, Funk und Psychedelic verbindet. Unter freiem Himmel entsteht so ein musikalischer Begegnungsraum, der Austausch, Vielfalt und gemeinsame Erfahrung hörbar macht. Vorverkauf 15 €, Abendkasse 20 € Tickets via Bleane: bleane.link/mishpo. (Pressemitteilung des Jüdischen Museums vom 30. Juni 2026)
Halle in den 1980er Jahren: Mitte der 1980er Jahre gelang Helga Paris mit der Serie „Häuser und Gesichter“ in über 100 eindrücklichen Fotografien ein sensibles Porträt der Stadt Halle (Saale) und der dort lebenden Menschen der Jahre 1983 bis 1985. Eine für 1986 geplante Ausstellung fiel der DDR-Zensur zum Opfer: Zu deutlich ließen die Bilder den architektonischen Verfall erkennen. 40 Jahre später präsentiert das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) diesen nach einem Text des Lyrikers Detlef Opitz als „Diva in Grau“ bekannt gewordenen Klassiker der Fotogeschichte. Diese Publikation vereinte 1991 Fotografien mit literarischen Texten. Die Ausstellung ist vom 12. Juni bis zum 19. September 2026 im Kunstmuseum Moritzburg zu sehen (Friedemann-Bach Platz 5, 06108 Halle, geöffnet von 10:00 bis 18:00 Uhr außer mittwochs). Die Ausstellung wurde von Jule Schaffner kuratiert. Zur Finissage am 19. September 2026 lesen Autor:innen aus ihren Texten und sprechen über die hallesche Literaturszene in den 1980er-Jahren. Es beteiligen sich Wilhelm Bartsch, Jörg Kowalski Christa Moog und Detlef Opitz. Es moderiert Leiter des Literaturhauses Halle Alexander Suckel. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm.
Hamburg:
Jüdische Kinderwelten: In Hamburg wurde im Juli 2025 die Dauerausstellung „Jüdische Kinderwelten – Die Geschichte der Israelitischen Töchterschule“ eröffnet. Sie ist in der gleichnamigen Volkshochschul-Gedenk- und Bildungsstätte in der Karolinenstraße 35 zu sehen (Do 14.00 – 17.00 Uhr, So 10.00 – 14.00 Uhr) Heike Linde-Lembke berichtete in der Jüdischen Allgemeinen: Zu sehen sind „Gegenstände aus einer anderen Zeit, die für die Schülerinnen der Israelitischen Töchterschule in Hamburg einmal sehr wichtig waren“: eine Schultasche, Schlittschuhe, Lehrbücher, Briefe von Schülerinnen an eine Lehrerin. Die Schule pflegte „ein modernes Bildungsprogramm“, Fremdsprachen, Naturwissenschaften ebenso wie religiöse Bildung. Unterrichtet wurden etwa 500 Schülerinnen in 16 Klassenräumen. Die Ausstellung zeigt jüdisches Leben in der Kaiserzeit, der Weimarer Zeit und unter dem Nationalsozialismus. Die Schule wurde in den Jahren 1933 bis 1942 „zu einer Art Zufluchtsort für jüdische Kinder. Die Ausstellung endet mit der Frage: ‚Wie wollen wir heute erinnern und handeln?‘“ Die Ausstellung wurde von der Leiterin der Gedenkstätte Anna von Villiez kuratiert. Schulklassen sind willkommen.
Lübeck:
125 Jahre Buddenbrooks: Thomas Manns Debütroman wird 125 Jahre alt. Gemeinsam mit dem Theater Lübeck veranstaltet das Buddenbrookhaus das ganze Jahr über Lesungen des Romans unter dem Titel „Buddenbrooks in Lübeck. Ein Jahr, ein Buch“. Jeden Monat gibt es Auszüge aus einem Kapitel, gelesen von Michael Fuchs und Gästen. Mit dieser Reihe bewegen wir uns durch Lübeck, an Orte, die passend zu den Themen des jeweiligen Kapitels ausgewählt wurden. Musikalisch werden Mitglieder des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck durch die Abende führen. Das erste Kapitel wurde am 21. Januar 2026 gelesen (Einzug und Einweihung des Hauses in der Mengstraße), das zweite am 25. Februar 2026 (Tonys Zeit im Mädchenpensionat Sesemis). Die einzelnen Termine:
- 25. März 2026: Tony und Thomas in Travemünde (ATLANTIC Grand Hotel Travemünde).
- 22. April 2026: Umzug in das Haus in der Breiten Straße (Commerzbank, Breite Straße) – Video auf youtube.
- 20. Mai 2026: Jerusalemsabende (Ort noch offen).
- 10. Juni 2026: Christians Zeit im Club (Theaterrestaurant).
- 8. Juli 2026: Wahl des Senators (Reformierte Kirche).
- 2. September 2026: Weihnachten (Heiliggeisthospital).
- 7. Oktober 2026: Tod der Konsulin / Bruderstreit (Kolumbarium).
- 11. November 2026: Thomas stirbt nach Besuch beim Zahnarzt (Center of Brain, Behavior and Metabolism, Universität zu Lübeck, Geb. 66, Marie-Curie-Straße, 23562 Lübeck).
- 9. Dezember 2026: Hannos Schulerlebnis (Kathrarineum).
Des Weiteren begann am 17. Februar 2026, 19:00 bis 20:20 Uhr die Ringvorlesung „Eine Stadt liest einen Roman – 125 Jahre Buddenbrooks“ mit einem Vortrag von Hans Wißkirchen: „Der unsichere Mann und Maskerade in Buddenbrooks“ (Video auf youtube). Alle Vorträge jeweils um 19:00 Uhr in der Villa Brahms, Lübeck. Sie werden von Studierenden der Musikhochschule musikalisch begleitet. Sie sind schließlich in dem zur Ausstellung vorbereiteten Katalog nachzulesen und kurz nach dem Termin auch auf youtube online zu sehen. Hier die einzelnen Termine:
- 11. März 2026: Susanne Fritz: „Aber am schlimmsten ist dein Schweigen“ – Die Familie Buddenbrook: Privileg und Abgrund (Video auf youtube).
- 7. April 2026: Irmtraud Hniclica: Grabow, Langhals, Brecht: Ärzte als Verfallskomplizen in Buddenbrooks.
- 12. Mai 2026: Peggy Morenz und Michael Angern: Condolenz-Visiten und Abschiedsszenen – Tod und Trauer in den Buddenbrooks im Licht der neueren Gedächtnisforschung.
- 2. Juni 2026: Veronika Schuchter: Dumme Gans und femme fatale oder: Männer, die auf Frauen starren.
- 7. Juli 2026: Christiane Tewinkel: Quinquilieren und Phantasieren – Musik erleben in Buddenbrooks.
- 4. August 2026: noch offen.
Weitere Termine sowie einen Aufruf zur Beteiligung an der Gestaltung der Jubiläumsausstellung „Family Affairs. 125 Jahre Buddenbrooks“ finden Sie auf der Seite des Buddenbrookhauses. Ringvorlesung und Lesereihe soll die Vorfreude auf die Jubiläumsausstellung versüßen. Diese wird ab dem 30. Oktober 2026 wieder im St. Annen Museum zu sehen sein. (Text orientiert sich an dem regelmäßig erscheinenden Newsletter des Buddenbrookhauses).
Mannheim:
Kunst der 1960er Jahre: In der Kunsthalle Mannheim ist bis zum 11. Oktober 2026 die Ausstellung „Radikal. Real. Nouveau Réalisme und die Kunst der 1960er Jahre“ zu sehen. Gegenstand der Ausstellung sind der in Paris von einer Künstlergruppe um Pierre Restany konzipierte „Nouveau Réalisme“ und die Kunst der 1960er Jahre. Gezeigt werden Werke von Arman, César, Yves Klein, Mimmo Rotella, Daniel Spoerri, Niki de Saint Phalle und Jacques de la Villeglé sowie Arbeiten von Künstler*innen wie Alina Szapocznikow und anderen, die zeitgleich an ähnlichen Fragestellungen gearbeitet haben. Die Ausstellung wurde von Luisa Haase konzipiert. Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm mit zahlreichen Überblicksführungen.
München:
Weimarer Republik: Vom 12. Mai bis zum 27. September bietet das Lenbachhaus München die Ausstellung „Ein Ferngespräch – Szenen aus der Weimarer Republik“. Kurt Tucholsky hatte gewitzelt: „Ein Ferngespräch soll möglichst deutlich und dialektfrei geführt werden, sonst könnten die Überwachungsbeamten dem Dialog nicht folgen.“ Zu sehen sind unter anderem Bilder unter anderem von George Grosz, Käte Hoch, Jeanne Mammen, Gabriele Münter. Den Hintergrund illustrieren auch Erzählungen und Romane von Irmgard Keun oder Oskar Maria Graf. Gegenstand sind die sogenannten Golden Twenties, feministische Aktivistinnen, Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise, Aufstieg des Nationalsozialismus, antifaschistische Initiativen. Die Ausstellung wurde von Karin Althaus, Adrian Djukić und Matthias Mühling kuratiert.
Jüdisches Wien: Das Jewish Chamber Orchestra Munich bietet am 24. September 2026, 20:00 Uhr, in den Münchner Kammerspielen den Doppelabend JCOM x DORON RABINOVICI: DIE GEGENWART DER VERGANGENHEIT mit der Sopranistin Chen Reiss. Es dirigiert Daniel Grossmann. Im Wien um 1900 war Gustav Mahler die prägende Figur des Musiklebens. Um ihn herum bewegten sich Künstler wie Alexander Zemlinsky – Freund und zugleich Konkurrent in der Liebe – und Erich Wolfgang Korngold, sein gefeierter Protegé. Thema sind die musikalischen Verwandtschaften der Komponisten. Darüber hinaus wird „MK:100“, ein von Doron Rabinovice geschriebenes Minidrama aufgeführt. Vier Schauspieler:innen der Münchner Kammerspiele erinnern darin an verfolgte und ermordete Mitarbeiter:innen des Hauses. Tickets können jederzeit bestellt werden. (Newsletter des JCOM vom 1. Juli 2026)
Zehn Jahre OEZ-Attentat vom 22. Juli 2026: Das Lenbach-Haus München zeigt vom 22. Juli bis zum 30. August 2026 kostenfrei die Soundinstallation „Namen. Stimmen. Herzen“ zur Erinnerung an die Opfer des Mordanschlags am OEZ vom 22. Juli 2026. Die Installation ist eine akustische Geschichte der Erinnerung und des Widerstands in München in den letzten zehn Jahren. Von Talya Feldman und Carlos Ángel Luppi in Zusammenarbeit mit der Initiative München OEZ Erinnern. Auf der Seite der Initiative finden Sie weitere Informationen zu Attentat und polizeilichen Ermittlungen, auch zu den noch nicht geklärten Hintergründen und Umständen. In Gedenken an Armela, Can, Dijamant, Guiliano, Hüseyin, Roberto, Sabine, Selçuk und Sevda. (Newsletter des Lenbach-Hauses vom 30. Juni 2026)
Rostock und Dresden:
Nachhaltigkeit und Klimaanpassungen: Die Kulturstiftung des Bundes veranstaltet unter dem Titel „Netzwerk Zero – Tagung für Nachhaltigkeit in Kunst, Kultur und Verwaltung“ veranstaltet eine bundesweite Reihe von Tagungen mit verschiedenen regionalen Partnern, um Wissen im Bereich Nachhaltigkeit mit Akteuren in verschiedenen Bundesländern zu teilen. Die Veranstaltungen greifen dabei auf Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Förderprogramm Zero – Klimaneutrale Kunst und Kulturprojekte sowie aus dem Pilotprojekt Klimaanpassung in Kultureinrichtungen zurück. Mit zwei Tagungen für Nachhaltigkeit in Kunst, Kultur & Verwaltung wird die Reihe der regionalen Netzwerktreffen in diesem Jahr abgeschlossen. Die erste Veranstaltung findet am 24. September 2026 im FRIEDA 23 in Rostock statt. Die zweite Veranstaltung findet am 16. und 17. November 2026 als zweitägige Veranstaltung im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden statt. (Presseinformation der Kulturstiftung des Bundes vom 25. Juni 2026)
Solingen:
Dada ist Politik: Vom 9. Mai bis zum 13. September 2026 widmet sich das Zentrum für verfolgte Künste mit der großen Ausstellung „Sperren Sie endlich Ihren Kopf auf! Dada als politische Kunst zwischen den Weltkriegen“ im Zentrum für verfolgte Künste dem antimilitaristischen und gesellschaftskritischen Potenzial der Dada-Bewegung. Mit Werken unter anderem von Hannah Höch, George Grosz, John Heartfield, Kurt Schwitters Sophie Taeuber-Arp zeigt die Ausstellung die ungebrochene Aktualität einer Kunst, die sich bewusst gegen Gewalt, Nationalismus und autoritäres Denken stellte. Begleitend findet ein Gespräch mit Rocko Schamoni über Humor, Nonsense und politische Kunst statt. Die Ausstellung wird von der Gerd-Kaimer-Bürgerstiftung Solingen, der Regionalen Kulturförderung des LVR und der Kunststiftung NRW gefördert. Im Begleitprogramm findet am 25. Juni 2026, 20:00 Uhr, ein Abend mit Blixa Bargeld statt. Er tritt mit der Solo-Performance „Geeichte Ichung“ im Zentrum für verfolgte Künste auf. Am 5. Juli 2026, 15:00 Uhr, ist Simon Wachsmuth zu einem Künstlergespräch zu Gast. Christian Berger redet mit ihm über seine Video-Installation From Heaven High [Vom Himmel hoch], die als zeitgenössische Intervention zur Dada-Ausstellung zu sehen ist.
Wien:
Isidor von Shelly Kupferberg im Burgtheater: Die Uraufführung der Theaterfassung des Romans „Isidor – Ein jüdisches Leben“ fand am 28. Februar 2026 am Burgtheater mit der Regie von Philipp Stölzl und der Dramaturgie von Caroline Brückner statt. Weitere Informationen und die Termine finden Sie auf der Seite des Burgtheaters. Der Roman erschien 2022 bei Diogenes, im Demokratischen Salon wurde er in einem Gespräch mit der Autorin unter dem Titel „Das Reh im Palais“ vorgestellt. Aufführungen im Burgtheater gibt es verteilt über das gesamte Jahr 2026.
Kunst ist (irgendwie immer) politisch: Bis zum 13. September 2027 ist im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) die Ausstellung Christoph Schlingensief: „Es ist nicht mehr mein Problem!“ zu sehen. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt des MAK und Freie Republik Wiener Festwochen. Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat von Christoph Schlingensief aus dem Jahr 2005. Die Ausstellung entfaltet sich ausgehend von „Church of Fear“ (2003–2005), einer Installation, in der Schlingensief die globale Stimmung nach 9/11 in eine parodistische Glaubensgemeinschaft überführte. Sie erhob den „Glauben an die Angst“ zum Dogma. Zu sehen sind ferner eine Dokumentation der von Schlingensief gegründeten Partei „Chance 2000“ und sein Projekt „Bitte liebt Österreich“, in dem die Wiener Bevölkerung Geflüchtete aus auf dem Opernplatz nach dem Muster der Show „Big Brother“ aufgestellten Containern herauswählen konnte, damit sie abgeschoben werden konnten. Ein weiteres Highlight ist ein Film über Schlingensiefs Zürcher Hamlet-Inszenierung (2001), die auch in Berlin zu sehen war, in der als Stück im Stück sechs ausgestiegene Neo-Nazis auftraten.
Erinnern und Vergessen: Bis zum 17. September 2027 ist im Jüdischen Museum Wien (Standort: Am Judenplatz 8, 1010 Wien) die Ausstellung „Alles Vergessen“ zu sehen (So bis Fr 10:00 bis 18:00 Uhr) . Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Hohenems gestaltet. Thema ist die „österreichische Vergessenskultur nach 1945“. Zu sehen sind unter anderem ein Bild von Andreas Hofer, das ursprünglich ein Hitler-Bild war, das übermalt wurde, und der etwa 20minütige Film „Night and Fog“ von Dani Gal (Ausschnitt auf youtube), der auf der Biennale Venedig 2011 gezeigt wurde und die nachgestellte Einäscherung und Verstreuung der Asche Adolf Eichmanns in internationalen Gewässern vor der israelischen Küste zeigt. Die Ausstellung erinnert daran, dass ein österreichisches Erinnern an die Shoah erst mit der Waldheim-Affäre im Jahr 1986 möglich wurde. Hintergrundinformationen zur österreichischen Erinnerungspraxis bieten die Essays „Die antisemitische Achterbahn“ und „Die Shoah erzählen“ vom Dezember 2022 im Demokratischen Salon, unter anderem mit Bezug auf den Roman „Die Kinder der Toten“ von Elfriede Jelinek.
Wiesbaden, Bremen, München, Ascona:
Künstlerinnen: Der „Blaue Reiter“ ist bekannt. Bisher nahezu völlig unerforscht blieben jedoch die beteiligten Künstlerinnen, die „Blauen Reiterinnen“, denen sich ein kunsthistorisch bedeutendes Ausstellungsprojekt des Museums Wiesbaden, des Paula Modersohn-Becker-Museum, Bremen, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München und der Fondazione Marianne Werefkin, Ascona, widmet. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des „Blauen Reiter“ erstmals konsequent aus der Perspektive seiner Künstlerinnen. Zwölf Pionierinnen der Moderne und ihr europaweites Netzwerk von Moskau über München bis nach Paris stehen im Mittelpunkt der internationalen Premiere „Die Blauen Reiterinnen“. Marianne von Werefkin beispielsweise formulierte den programmatischen Leitsatz: „Die Zukunft der Kunst ist die emotionale Kunst.“ Die Schauspielerin Iris Berben übernimmt die Schirmherrschaft für die drei deutschen Ausstellungsorte. Ausstellungsstationen sind das Museum Wiesbaden (23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027), das Paula Modersohn-Becker-Museum in Bremen (13. März bis 29. August 2027) und die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München (12. Oktober 2027 – 23. April 2028). Der Abschluss findet ab Juni 2028 im Museo Comunale in Ascona statt. (Pressemitteilung des Lenbachhauses vom 9. Juli 2026)
