Viele Stimmen – Verschwimmende Grenzen – Die Familie

Franziska Krah über die Ausstellung „Mishpocha – The Art of Collaboration“

„Es ist seltsam, zu der Geschichte zu gehören, die man nicht kennt. Durch den trüben Film der Vergessenheit kommen unscharf die Abrisse meiner Ahnen. Ich stelle mir viel mehr vor, als ich es denke oder fühle. Geschichten bedeuten fast nichts. Aber noch weniger als Geschichten sind Namen und Zahlen. Und gleichzeitig so viel. Denn das ist das einzige, was in der Vergessenheit aufgeschrieben wird.“ (Alica Khaet)

Aufgeschrieben oder vielleicht auch in einer beliebigen anderen Kunstform gespiegelt, wie auch immer, wo auch immer: Welche Familie, welche Mischpoche, welche Mishpocha, welche Traditionen, welche Vergangenheiten, welche Räume, welche Orte auf diesem Planeten Erde werde ich entdecken, wenn ich anfange, darüber nachzudenken? Bleibt die Familie auf dieser Reise immer noch die Familie, aus der ich komme, und ist sie die, in der ich gerne sein möchte? Oder ist schon einfach der Versuch, Familie zu entdecken, ein kreativer Akt an sich, der den auf der Reise begegnenden Geschichten eine neue Bedeutung erschließt?

Blick in die Ausstellung, in der Mitte ein Still aus dem Film Feferle von Alica Khaet: „Durch den trüben Film der Vergessenheit kommen unscharf die Abrisse meiner Ahnen. Ich stelle mir viel mehr vor, als ich es denke oder fühle.“ © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Die Ausstellung „Mishpocha – The Art of Collaboration“, die das Jüdische Museum Frankfurt am Main vom Frühjahr bis zum Herbst 2026 zeigte, lässt unzählige solcher Geschichten erahnen und entdecken. Alica Khaet, eine der an der Ausstellung beteiligten Künstler:innen, beginnt in ihrem Filmprojekt „Feferle“ mit dem Verlust des Vaters ein Nachdenken über Herkunft und Erinnerung, das in sich ein Puzzle der Zukunft birgt: „Die Welt änderte sich und viele Menschen – wie haltlose Staubkörner – mussten sich in Bewegung setzen, um sich dieser neuen Welt anzupassen“.

Den jiddischen Begriff „Mischpoche“ deutet die Ausstellung als Plädoyer für die Kraft des kreativen Miteinanders. Vielleicht entsteht durch Zusammenwirken, Zusammenarbeit, „Collaboration“ Familie, die selbst eine Art Kunstwerk wird, Familie ein Crossover von Stilen. Das interdisziplinäre und kollaborative Ausstellungsprojekt lässt die Besucher:innen neue Räume für künstlerische Experimente entdecken und reflektieren. Zeichnungen, Gemälde, Konzeptkunst, Fotografien, Installationen und Videoarbeiten reflektieren Familiengeschichte(n), gerade in Zeiten von Flucht und Migration, im Exil, in der Diaspora. In einem der Räume können die Besucher:innen anhand von Musik des Punk, der Riot Grrrl-Bewegung, des Techno und des Hip-Hop ihr musikalisches Familienerlebnis selbst gestalten.

Wer die Ausstellung nicht besuchen kann / konnte, erhält einen ausgezeichneten Einblick durch die Begleitpublikation (mit deutschen und englischen Texten), die über den Shop des Museums, eine Filiale der Münchner Literaturhandlung, erhältlich ist. Franziska Krah hat die Ausstellung „Mishpocha – The Art of Collaboration“ kuratiert. Sie hat Geschichte, Gender Studies und Europäische Ethnologie studiert. In ihrer Dissertation am Lehrstuhl für deutsch-jüdische Geschichte der Universität Potsdam befasste sie sich mit der Antisemitismusforschung vor 1933 (Frankfurt am Main, Campus Verlag, 2016). Im Jüdischen Museum Frankfurt am Main hat sie bereits Ausstellungen über die Übersetzerin Mirjam Pressler sel. A. („Schreiben ist Glück“), die Familie von Anne Frank und zum Antisemitismus („Gegen den Judenhass“) kuratiert.

Die Entdeckung der erweiterten Familie

Norbert Reichel: Sie haben die Ausstellung Mishpocha im Jüdischen Museum Frankfurt am Main gemeinsam mit Mike D (Michael Diamond) von den Beastie Boys gestaltet. Musik trifft Museum – so ließe sich vielleicht sagen. Aber nicht nur Musik.

Franziska Krah: Es gab noch einige Beteiligte mehr, quer durch alle Sparten. Wir haben etwa im Jahr 2024 mit dem Projekt begonnen. Neben dem Jüdischen Museum und Mike D beteiligte sich das Atelier Markgraph, die die Gestaltung übernommen hatten und sich auch inhaltlich einbrachten. Beteiligt war auch die IMA-CLIQUE – ima heißt Mutter auf Hebräisch. Sie hat mit uns gemeinsam das Veranstaltungsprogramm entwickelt. Wir waren eine ziemlich große Runde, aber es war auch ein großes Projekt. Etwa zwei Mal im Jahr haben wir uns über mehrere Tage mit Mike getroffen, der dafür eigens aus den USA angereist war. Einige der beteiligten Künstler:innen werden wir gleich in unserem Gespräch vorstellen.

Bevor man die Treppe zu den Ausstellungsräumen hinuntergeht, lädt diese Konsole ein, sich selbst musikalisch zu erproben. © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Es ist eigentlich doch sehr ungewöhnlich, dass eine Punkband eine Ausstellung in einem Jüdischen Museum mitgestaltet.

Franziska Krah: Das stimmt. Ich war selbst davon überrascht, dass das Projekt am Jüdischen Museum in Frankfurt stattfindet. Mike D hat keine Wurzeln in Frankfurt. Er kommt aus einer jüdischen Familie in New York. Die Wurzeln der Familie liegen in Polen. Seine Großeltern sind aus Polen in die USA gekommen. Er selbst hat die gesamte Zeit in den USA gelebt. Inzwischen lebt er an der Westküste. Die Zusammenarbeit ist aufgrund des langjährigen Engagements von Stefan Weil, einer der Geschäftsführer von Atelier Markgraph, entstanden. Er hatte schon vor etwa zehn Jahren die Idee, dass wir eine Ausstellung über die Beastie Boys machen sollten. Jetzt haben wir keine Ausstellung über die Beastie Boys gemacht, sondern mit einem Musiker der Beastie Boys. Um die Gruppe geht es nur am Rande.

Norbert Reichel: Für Menschen, die gemeinsam Musik machen, hat Familie offensichtlich eine andere Bedeutung als die, die man im Allgemeinen mit dem Begriff verbindet. Ich darf Güner Künier zitieren: „Im Bandleben verschwimmen die Grenzen zwischen Freiheit, Arbeit, Privatleben und Freundschaft.“

Franziska Krah: Das ist tatsächlich das Thema unserer Ausstellung geworden. Bei unserem ersten Treffen mit Mike D ging es schon um die Frage, was Familie bedeutet. Es ging um die Erfahrung Mikes als Musiker der Beastie Boys. Er hatte festgestellt, dass er seinen Bandkollegen Adam und Adam viel näherstand als seinen eigenen Brüdern. Sie kannten sich sehr gut. Sie waren für ihn eine Familie geworden, nicht nur die beiden, auch die vielen anderen, die ihn als Musiker begleitet haben. Er meinte, er hätte ohne all diese Menschen gar nicht so kreativ sein können. Das ist seine Vorstellung einer erweiterten Familie. Daher haben wir auch den jiddischen Begriff „Mishpocha“ gewählt und etwas umgedeutet. Es geht eben nicht nur um die biologische Familie, auch wenn diese nach wie vor eine große Rolle spielt: Wo kommt man her? Wie ist man durch die Familie geprägt, vielleicht auch durch Flucht und Migration, die die Familie oder man auch selbst gemacht hat? Die erweiterte selbstgewählte Familie kann man in der Musik finden, in der Kunst, im Sport, in der Politik.

Von New York City nach Frankfurt am Main

Eingangstreppe, von unten fotografiert, mit Aussagen der Besucher:innen © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Ein ganz besonderer Einstieg in die Ausstellung ist die Installation vor dem Museum mit ihren zwei großen Buchstaben, die man von zwei Seiten sehen kann, entweder liest man „OY“ oder man liest „YO“.

Franziska Krah: Wir haben vor dem Museumseingang eine Bühne platziert, mit der wir einladen, Musik zu machen. Wir haben unser eigenes Programm, aber es können sich auch Menschen melden, die dort Musik machen wollen. Wir sind sehr froh, dass wir die Installation „OY – YO“ von Deborah Kass zeigen dürfen. Das Kunstwerk wurde vor einigen Jahren in einer Version, die doppelt so groß war, in New York zwischen Manhattan und Brooklyn an der Brooklyn Bridge gezeigt. Das Kunstwerk ist eigentlich New York gewidmet, der multikulturellen Stadt. Die Künstlerin ist jüdisch und hat daher den Begriff „OY“ aufgenommen. New York hat eine sehr große jüdische Community, auch die zweitgrößte jiddische Community nach Israel. „YO“ ist ein Slangwort im New Yorker Raum. Man begrüßt sich lässig mit „yo“, aber es ist auch das spanische „ich“, denn New York hat eben auch eine große hispanische Community. Kulturen können nebeneinander funktionieren, die verschiedenen Sprachen können weiterhin wertgeschätzt werden, es muss nicht alles vereinheitlicht werden. Es ist eine Liebeserklärung der Künstlerin an ihre Stadt. Wir fanden das ganz passend, weil Mike ein New Yorker ist und weil wir uns in Frankfurt auch gerne mit New York vergleichen möchten, wegen unserer Mini-Skyline, der kosmopolitischen Atmosphäre.

Norbert Reichel: Spitzname der Stadt ist ja auch „Mainhattan“. Ich liebe die Skyline bei der Einfahrt in den Frankfurter Hauptbahnhof.

Franziska Krah: Ich freue mich auch immer, wenn ich sie bei der Ankunft in Frankfurt sehe. Als wir die Künstlerin kontaktiert hatten, hat sie sofort zugesagt und uns das kleinere Modell ausgeliehen. Jetzt steht es da auf unserem Vorplatz – etwa in der Größe eines Autoparkplatzes – und begrüßt alle, die das Museum besuchen.

Norbert Reichel: So ist es das auch in Familien, der biologischen wie der Wahlfamilie. „Hallo“, „ojemine“ und „ich“, je nach Situation oder auch alles zusammen.

Franziska Krah: Und was kann ich eigentlich tun? Das soll die Ausstellung zeigen.     

Harmonien, Dissonanzen

Der erste Raum der Ausstellung mit der Installation von Jan Ove Hennig © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Harmonien und Dissonanzen zeichnen Musik ebenso aus wie das Leben in der Familie. Manchmal reden auch alle durcheinander.

Franziska Krah: Diese Vielstimmigkeit zeigen wir in der Ausstellung im ersten Raum mit einer Installation des Soundkünstlers Jan Ove Hennig, der mit mir zusammen Stimmen eingesammelt hat. Wir haben ganz viele Menschen gefragt, aus der jüdischen Communitiy in Frankfurt, aus der künstlerischen Community, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, auch außerhalb von Frankfurt. Wir haben Statements aus New York, aus Buenos Aires. Wir haben etwa 30 Stimmen eingefangen. Jeder Mensch, den wir gewinnen konnten, erzählt in seiner oder ihrer Muttersprache, was für sie Familie oder Mishpocha bedeutet. Wir haben polnische, französische, ukrainische, russische, spanische, portugiesische, hebräische, arabische Stimmen und auch eine jiddische Stimme. Die unterschiedlichen Stimmen hat Jan Hennig zu einer Art Gesamtkunstwerk, teilweise zu einem Chor zusammengefügt, Musik unterlegt, Passagen verstärkt, sodass man visuell erst einmal gar nicht so viel in dem Raum aufnehmen kann, sondern sich auf das Gehörte konzentriert und so einen ganz anderen Einstieg in das bekommt, was Familie sein kann.

Norbert Reichel: Die Wahlfamilie und die echte?

Franziska Krah: Wenn man so will, kann man das sagen. Aber ich finde es schöner, wenn beide echte Familien sind, die Wahlfamilie und die Herkunftsfamilie. Beide sind echte Familien. Eine eigene Geschichte hat auch „Mishpocha“, ein jiddischer Begriff, der aus dem Hebräischen kommt, dort auf der letzten Silbe betont wird. Das heißt erst einmal „Familie“. Der Begriff hat Eingang in den deutschen Duden gefunden. Es gibt zwei Bedeutungsebenen, einmal ganz neutral Familie, aber auch in einer negativen Konnotation. „Mischpoke“ – so die eingedeutsche Fassung – wird eher im negativen Sinne, als etwas Abwertendes verstanden, die Familie, die nervt, die immer unter sich zusammengluckt. Das ist eine deutsche Eigenheit. In anderen Ländern gibt es die negative Bedeutung nicht. Wir haben deshalb auch die englische Schreibweise „Mishpocha“ gewählt. Es kamen ja auch die Menschen aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Muttersprachen.

Norbert Reichel: Vielleicht hat die negative Konnotation im Deutschen damit zu tun, dass der Begriff in dem unseligen Jahr 1941 in den Duden hineinkam?

Franziska Krah: Es gibt viele jiddische Begriffe, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Es sind oft Begriffe mit einem eher negativen Beigeschmack wie beispielsweise das Gemauschel oder auch einfach Massel, das nach einem unverdienten Glück klingt, obwohl das jiddische Original Masel eigentlich einfach nur Glück bedeutet, wie in der Gratulationsformel „Masel tov“. Das hat natürlich historische Gründe. Da spielt sicherlich der Nationalsozialismus eine Rolle, aber man kann auch zeitlich weiter zurückgehen.

Jessica Ostrowicz, Grandma’s Plates: „Wir können nie wieder zu dem Zuhause zurückkehren, das wir verlassen mussten.“ © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Das ist der lange Schatten des Antijudaismus beziehungsweise Antisemitismus, der sich in der Sprache manifestiert. Ein vergleichbares Problem haben wir bei einem anderen Begriff, den die Ausstellung adaptiert hat. Mike D spricht von „The Art of Collaboration“. Das lässt sich meines Erachtens auf Deutsch nur schwer übersetzen: „Die Kunst der Kollaboration“ oder „Die Kunst der Zusammenarbeit“? Zusammenarbeit klingt mir zu unverbindlich, Kollaboration höchst verdächtig, klingt fast schon nach Korruption.

Franziska Krah: Sie sprechen Dinge an, die wir auch in der Konzeptionsphase besprochen haben. Der Begriff der Kollaboration ist bei uns im Jüdischen Museum alles andere als unproblematisch. Wir denken natürlich zuerst an Kollaboration im Nationalsozialismus, und zwar derjenigen, die mit den Deutschen kollaboriert haben. Außerhalb der jüdischen Verfolgungsgeschichte ist der Begriff im Amerikanischen sehr gebräuchlich und steht dort auch schon lange eher für die Creative Collaboration, das gemeinsame Schaffen von etwas Neuem, etwas Kreativen, von Kunst. Ich sah das zuletzt, als ich in einem Kunstmuseum in den Shop gegangen war und dort überall das Wort „Collaboration“ fand, natürlich im kreativen Sinne verstanden. Als Historikerin fand ich das irritierend, dachte dann aber daran, dass es auch andere Lebenssphären gibt, in denen der Begriff unproblematisch ist. Vielstimmigkeit hat auch etwas mit Vieldeutigkeit zu tun.

Flucht, Migration, Diaspora, Exil

Ausschnitt aus der Installation von Jan Zappner, Mischpoche – Being Jewish However: „Ich mache es aber auch für meine Tochter Nil, damit sie einen befreiten Umgang mit ihrer Herkunft findet.“ © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Jede:r macht sich einen eigenen Reim darauf. Ein weiterer Begriff, der in der Ausstellung eine Rolle spielt, aber ebenfalls nicht unproblematisch ist, ist der Begriff der „Diaspora“, wahlweise des „Exils“. Ein Gesprächspartner von Jan Zappner, der 29 Interviews für die Ausstellung gemacht hat, sagt: „Ich fühle mich jüdischer, wenn ich im Exil bin.“

Franziska Krah: Jan Zappner hat mit 29 Menschen gesprochen, die in Deutschland leben, die Interviews auch in Bildern festgehalten. Er hat sie gefragt, was für sie „zu Hause“, „Jüdischsein“, „Familie“ bedeutet. Sein Projekt hatte er auch Mischpoche genannt. Wir fanden das Projekt interessant, weil die Menschen ganz unterschiedliche Vorstellungen zeigten, auch von Flucht und Migration. Es sind sehr unterschiedliche Biographien und die bringen unterschiedliche Positionen mit sich. Der Raum, in dem wir Jan Zappners Arbeit zeigen, zeigt solch unterschiedliche Positionen. Das war uns wichtig, weil wir in den Gesprächen der Ausstellungsvorbereitung gemerkt haben, dass jede Familiengeschichte den Aspekt „Flucht“ und „Migration“ mit sich bringt. Im Jüdischen ist dies besonders stark ausgeprägt, aber auch nichtjüdische Familien können solche Geschichte erzählen. Die Familiengeschichten, das Verständnis von Familie wird stark dadurch geprägt.

Shimon Wanda, Masa: „Ihre Körper sollten ein Herz andeuten – eine Erinnerung an Liebe, Verlust und Kontinuität.“ © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

In dem Raum zeigen wir neun verschiedene künstlerische Positionen. Es sind alle zeitgenössische Künstler:innen. Sie beschäftigt das Thema „Familie“, das Thema „Migration“. Es sind sehr persönliche Beiträge. Wir zeigen beispielsweise Shimon Wanda mit der Miniatur einer Skulptur, die er in seiner Heimatstadt Kiryat Yam in Israel entwickelt hat. In der Arbeit geht es ihm um die äthiopischen Jüdinnen und Juden, die zwischen 1977 und Anfang der 1990er Jahre nach Israel geflohen sind.

Norbert Reichel: Eine grandiose logistische Leistung der israelischen Armee, die sie unter anderem in der Operation Moses ausgeflogen hat.

Franziska Krah: Es war eine in der Geschichte Israels einzigartige Rettungsaktion. Tatsächlich mussten die flüchtenden Menschen mehrere Tage durch die Wüste wandern, bevor sie von Israel gerettet wurden. Auf dieser Flucht haben nicht alle überlebt. Daran erinnert das Denkmal von Shimon Wanda. Er hatte diese Geschichte auch in seiner Familie. Er selbst ist in Israel geboren, aber er ist sehr stark von dieser Geschichte, die seine Eltern erlebt haben, geprägt.

Die Ausreise nach Israel ist auch Thema von Ira Eduardovna in „The Library Room“. Sie spielt mit ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer Schwester das Packen für die Ausreise aus Usbekistan nach Israel nach und zeichnet es in verschiedenen Kameraeinstellungen auf. Das sieht aus wie ein aufgeklapptes Wohnzimmer der Familie. Der Vater nennt den Gegenstand auf Russisch, der Muttersprache der Familie, eine synthetische Stimme wiederholt die Bezeichnung des Gegenstandes auf Hebräisch. Das zeigt einen grundlegenden Aspekt von Sprache, denn wer auswandert, kann am Ziel der Reise nicht mehr in seiner bisherigen Sprache kommunizieren.

Ira Eduardovna, The Library Room: „Ich habe erkannt, dass beim Überwinden von Trauma das wiederholte Erzählen einer Geschichte – immer und immer wieder – Teil des Heilungsprozesses ist.“ © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Ein ganz besonderes Problem für Künstler:innen, die mit der Sprache arbeiten, in der Literatur, im Theater, im Film. Beispielsweise schrieb Joseph Brodsky seine Gedichte auch im amerikanischen Exil nach wie vor auf Russisch, seine Essays schrieb er in englischer Sprache, unter anderem in dem insbesondere auf Sprache bezogenen Essay „The Condition We Call Exile“. Vladimir Nabokov, der ein höchst anspruchsvolles Englisch schreibt, behauptete immer wieder, er können in der englischen Sprache nicht schreiben wie er es in der russischen Sprache gekonnt hätte.

Franziska Krah: Man kann sich eben in der neuen Sprache nicht mehr so verständigen wie man es gewöhnt ist. Dieser Gedanke hat mir an dieser Arbeit von Ira Eduadovna auch so gut gefallen. Aber es eröffnet neue Möglichkeiten. Mike D zitieren wir mit der Aussage: „Wenn man mit jemand anderem gemeinsam kreativ ist, ist das so, als ob man sich an einen Ort begibt, an dem Sprache keine Rolle mehr spielt.“

Eine andere Seite zeigen Erlebnisse, in denen Sprache versagt, in denen andere Künste ihre Rolle übernehmen. Der britische Künstler Hetain Patel zeigt seine Familiengeschichte aus der Sicht seiner Großmutter, die in den 1960er Jahren aus Indien nach Großbritannien gekommen ist. Wir zeigen drei Werke seiner Gemäldeserie „Baa’s Gold“. Baa wurde seine Großmutter in der Familie genannt. In Gujarati bedeutet es „Mutter“. In der Serie geht es vor allem um den strukturellen Rassismus, den seine Familie in Großbritannien erlebt hat. Er erinnert an einen brutalen Überfall. Eine Diebesbande, spezialisiert auf alleinlebende Hindu-Witwen, verwüstete ihr Zuhause in der englischen Stadt Bolton am helllichten Tag und riss ihr die goldenen Armreifen gewaltsam von den Handgelenken. Das Gold steht in den Gemälden für alles, was Patels Familie durch den Rassismus in Großbritannien genommen wurde.

Nirit Takele, Memory’s Touch: „Mit jedem Blick, jeder Geste und jeder Körperhaltung drücken diese Werke ein zutiefst menschliches Verlangen nach Verbindung, Verbundeheit und Erinnerung aus.“ © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Mit Kunst vermag ich mich zu erinnern, eine Sprache für das Erlebte, das Gesehene finden, als Künstler:in wie als Betrachtende:r. Mich hat „Memory’s Touch“ von Nirit Takele sehr beeindruckt.

Franziska Krah: Als wir die Ausstellung konzipierten, sahen wir ein Werk von ihr mit dem Titel „Family’s Touch“. Man sieht Menschen, die sich berühren, ein häufiges Motiv in ihren Arbeiten, sie hält in ihren Bildern den Augenblick der Berührung, der Zuwendung fest. Berührung spielt beim Verständnis von Familie eine wichtige Rolle. Sie war selbst eine derjenigen, die aus Äthiopien geflohen sind. Sie war damals sechs Jahre alt. In der Auswahl der Farben und der Motive sieht man viel aus der Kultur, aus der sie geflohen ist. „Memory’s Touch“ ist Teil einer Serie, in der es um die Folgen des 7. Oktober für die Menschen in Israel geht. Sie legt den Fokus auf starken Zusammenhang und das Bedürfnis, sich zu erinnern und nicht zu vergessen. Das ist auch ein durchgehendes Thema der Serie.

Stark werden! Miteinander – füreinander!

Norbert Reichel: Der 7. Oktober ist ein durchgehendes Motiv der Ausstellung, auch im Hinblick auf die Reflexion der Shoah. Mike D sagt: „Der Holocaust befand sich bei uns in Büchern, aber diese Leute waren auch Teil unseres Lebens und saßen immer bei uns zuhause.“ Irgendwie bleibt immer ein Platz frei am Tisch. Zum 7. Oktober sagte Mike D: „Niemand scheint mehr Interesse daran zu haben, der Welt zuhören zu wollen. Wie kann man aber dem einen zuhören, wenn man den anderen nicht zuhört?“ Erinnern, einander begegnen, wo auch immer, wie auch immer, ist ein Thema von Brüchen, von zerbrochenen Familien, zerbrochenen Beziehungen, die man wieder kitten müsste, auch wenn sich so viele sträuben. Auch das ist ein Thema des 7. Oktober, in Israel, weltweit. Welche Rolle spielte der 7. Oktober in der Vorbereitung der Ausstellung? Die Vorbereitung der Ausstellung fiel genau in die unmittelbare Zeit danach.

Franziska Krah: Das ist richtig. Der 7. Oktober hat unser Haus extrem begleitet, auch mit all den Folgen. Im Jüdischen Museum war das ein ganz großes Thema, auch für die Ausstellung. Wir wollten aber nicht im Klagemodus verharren. Wir haben die Ausstellung auf Zuversicht, Gemeinsinn ausgerichtet. Unsere Botschaft sollte sein, die Menschen sind so verschieden, aber wenn wir zusammenkommen, kann etwas Großes entstehen. Dieser Fokus auf ein demokratisches Miteinander ist die beste Reaktion auf solch schwierige Zeiten, in denen wir zurzeit leben, den 7. Oktober, den Krieg, auch den Krieg in der Ukraine, der uns prägt, den Rechtsruck in vielen Ländern Europas. Wir wollten eine Ausstellung machen, aus der die Menschen gestärkt herausgehen, in der sie sehen, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen und wie gut es ist, wenn Menschen zusammenkommen und miteinander füreinander da sind.

Foto von der Eröffnung der Ausstellung, von links nach rechts: Jan Zappner, Shimon Wanda, Ira Eduardovna, Franziska Krah, Mike Diamond, Sandra Mann © Jüdisches Museum Frankfurt Foto: Stefanie Kösling.

Norbert Reichel: Daran kann mich als Besucher:in selbst beteiligen, ich kann die Ausstellung mitgestalten. Das unterscheidet Ihre Ausstellung auch von dem, was man sich üblicherweise unter einer Ausstellung vorstellt.

Franziska Krah: Mir ist es in meinen Projekten immer sehr wichtig, dass es genug Möglichkeiten der Partizipation gibt, dass Menschen nicht nur passiv in unsere Ausstellungen gehen, um dort belehrt zu werden, sondern dass sie selbst Teil der Ausstellung werden, dass sie etwas tun können. Es ist auch eine Aufforderung an uns alle, aktiver Part in der Gesellschaft zu werden, sie mitzugestalten. Es ist spannend zu sehen, was Besucher:innen so machen.

Wir haben ein partizipatives Element in dem Bereich, in dem wir die künstlerischen Positionen zeigen. Die Besucher:innen können einen Begriff auf Bausteine schreiben, die sie dann miteinander und mit den bereits verbauten Steinen verbinden. Begriffe und Steine verbinden sich gleichermaßen. Es entsteht so etwas wie ein Baum. So hatten wir uns das gedacht, aber die Menschen machen unerwartete Dinge. Jedes Mal, wenn ich diesen Ausstellungsraum betrete, sieht das Gebilde aus Bausteinen anders aus als zuvor.

Norbert Reichel: Im Minutentakt. Wir waren gerade an diesem Exponat vorbeigegangen, kamen kurze Zeit später wieder vorbei und es hatte sich schon wieder verändert.

Franziska Krah: Eben dies mag ich an Ausstellungen. Es ist einfach bereichernd. Auch mal loszulassen, die Kontrolle an die Besucher:innen abzugeben und sich überraschen lassen.

Ein anderer Bereich ist der Raum, in dem Musik gemacht werden kann. In der Musik spielen Familie eine Rolle, werden zur Musikfamilie. Wir zeigen, dass Menschen aus den verschiedenen Genres der Musik etwas Gemeinsames erleben, das fruchtbar, kreativ und produktiv sein kann. Es ist so schön zu sehen, was geschieht, wenn Menschen diesen Raum betreten, darauf reagieren, was sie vorfinden, nicht alleine auf irgendwelche Tasten drücken, sondern sehen, dass es erst im Zusammenspiel funktioniert. Ich habe sehr schöne Momente erlebt, mit ganz unterschiedlichen Menschen, unterschiedlichen Alters. Auch unsere Aufsichten haben sich beteiligt und ermutigten Menschen durch ihren eigenen Beitrag teilzuhaben. So verschwimmen die Grenzen zwischen den Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen in dem Ausstellungsraum aufhalten.

Zu Hause in der Subkultur

Im Play-Raum © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Wie kamen Sie auf die vier Musikrichtungen, die Sie in diesem Raum präsentieren? Ich gestehe, dass ich nicht auf diese Kombination gekommen wäre: Punk, Riot Grrrl, Techno, Hip-Hop.

Franziska Krah: Mir war das eigentlich klar: Wenn wir vier Musikrichtungen zeigen, dann sind es diese. Wir sind natürlich von den Erfahrungen von Mike D und den Beastie Boys ausgegangen. Die Beastie Boys haben als Punk-Band angefangen und sich zum Hip-Hop entwickelt. Elektronische Musik spielte eine Rolle, deshalb Techno. Riot Grrrl war in der Subkultur, in der sich die Beastie Boys bewegt haben, immer aktuell. Es gab Überschneidungen und es ist im Grunde auch ein Teil von Punk. Die größte Ikone von Riot Grrrl, Kathleen Hanna, ist mit Adam Horovitz von den Beastie Boys verheiratet. Auch die Ex-Frau von Mike D wird diesem Kosmos zugerechnet. Es gab viele persönliche Überschneidungen.

Wir hätten auch noch weitere Musikrichtungen nehmen können. Jazz spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle für die Beastie Boys. Wir hatten auch daran gedacht, die Skater-Kultur mithineinzunehmen. Alle vier Musikrichtungen, die wir ausgewählt haben, haben gemeinsam, dass sie aus der Subkultur kommen. Es hat auch etwas mit Wut zu tun, dem Gefühl des Andersseins, des Abgelehntwerdens, gegenüber der Gesamtgesellschaft. Die Musikrichtungen entwickelten sich natürlich und wurden mit der Zeit Mainstreamig. Wir haben uns auf die vier beschränkt, weil es sonst zu viel an musikalischen Möglichkeiten geworden wäre.

Dieser vierte Raum, in dem Menschen Musik machen können, war von Anfang an im Plan. Wir wussten erst noch nicht, wie wir ihn gestalten könnten. Wir dachten zunächst an analoge Instrumente, haben uns dann aber zu einem niedrigschwelligeren Konzept entwickelt, bei dem sich die Leute doch eher herantrauen als bei einem Instrument, das sie wahrscheinlich noch nie in der Hand gehabt haben, auch Leute, die vielleicht noch nie ein Instrument gespielt haben.

Norbert Reichel: Mit den Boards, an denen man Einfluss auf die Musik nehmen kann, haben Sie eine gute und praktische Lösung gefunden. Mir fällt bei dem Begriff der „Subkultur“ ein, dass das durchaus etwas mit Begriffen wie „Exil“ oder „Diaspora“ zu tun hat. Dann hat auch „Familie“ wieder eine weitere Bedeutung, man findet außerhalb der gängigen Kultur, in der „Subkultur“, wenn man hineintaucht, tatsächlich so etwas wie eine „Wahlfamilie“. Dann leuchtet irgendwie sofort ein, warum Sie diese vier Musikrichtungen ausgewählt haben.

Franziska Krah: Subkultur ist eine Szene von Menschen, die ihre eigenen Codes haben, die sich untereinander verstanden und aufgehoben fühlen, aber sich vielleicht in der Schule, am Arbeitsplatz, im allgemeinen Alltag nicht so richtig zugehörig fühlen, vielleicht auch weil dort eine andere eher mainstreamige Musik gehört wird. Dann wird die subkulturelle Musikszene zu einem zweiten Zuhause, vielleicht sogar zu dem eigentlichen Zuhause.

Identitäten gibt es nur im Plural

Beatrice Moumdjian, Forensic Excavations Inventory: „Ich hatte kein klares Verständnis und keinen Zugang zu vielen Erinnerungen, bis ich für ein künstlerisches Projekt mein Familienfotoarchiv auseinandernahm, etwa 150 Fotos, die bis in die 1930er Jahre zurückgehen und Westasien, den Balkan, Ostdeutschland und das wiedervereinigte Berlin der 1990er Jahre miteinander verbinden.“ © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz.

Norbert Reichel: Mir hat sehr gefallen, dass Sie in die Begleitpublikation fünf kurze Erzählungen von Dmitrij Kapitelman aufgenommen haben. Alle sind lesenswert, alle enden mit einem Wort: „Mischpoche“.

Franziska Krah: Familie ist für Dmitrij Kapitelman ein wichtiges Thema. Deshalb haben wir ihn auch gefragt, ob er etwas für unseren Katalog schreiben möchte.

Norbert Reichel: Mich haben diese kurzen Texte sofort an seine Bücher erinnert, in denen es von solchen Geschichten nur so wimmelt und in denen es auch immer wieder um Familie geht, in „Russische Spezialitäten“ insbesondere um seine Mutter, in „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“ vor allem um seinen Vater. Zugleich gibt es in seinen Büchern immer Reisen, nach Israel, in die Ukraine, nach Kyjiw, immer auf der Suche nach etwas, das es vielleicht gar nicht gibt, vielleicht als Reflex in dem russisch-ukrainischen Lebensmittelladen in Leipzig.

Ich darf kurz auf seine Beiträge zur Begleitpublikation eingehen. Da ist die Erzählung von dem etwas älteren Mann, der im feinen Anzug vom Asylwohnheim zum Sozialamt geht, er will ja einen guten Eindruck machen. Jamaikaner hassen es, wenn Leute beim Karaoke meinen, jeden Ton richtig treffen zu müssen: „Eloquente Virtuosen, edel und unnahbar – keine Mischpoche. Der Mann mit Motorboot im Hals, billigstem Schmuck und Freiheitsdrang, einer mit dem die Leute sich identifizieren können – Mischpoche!“ Oder die schreckliche Geschichte, in der sich Hund, Kind und Ehemann Sonjas alle ein Bein brechen, in einer Kettenreaktion, weil sich der Hund im Klappstuhl verkeilt hatte: „Sonja und ihre drei gegipsten Männer – Mischpoche“. Beim Friseur in Mea Shearim stellt der Erzähler fest, dass es nur so ausschaut, als wenn alle die gleiche Frisur hätten, auch in der Konformität gibt es Individuelles. Und nicht zuletzt Vaters Beerdigung, wo all die ehemaligen Kund:innen, alle etwa um die 60 Jahre alt, kommen, „im schwärzesten Augenblick meines Lebens, da saßen mir lauter anteilnehmende Fremde gegenüber, die einst zu wenig Meerrettich gekauft und auch noch darum gefeilscht hatten – die Mischpoche.“ Einen passenden Gedanken formuliert Mike D im Gespräch mit Jan Zappner, es gebe eben nicht nur eine Identität, Identitäten gebe es nur im Plural.

Franziska Krah: Wir haben ganz bewusst die Begleitpublikation weiter gefasst als die Ausstellung. Daher auch die Beiträge von Dmitrij Kapitelman. Die Publikation ist viel mehr als ein Ausstellungskatalog. Natürlich zeigen wir dort die Exponate, aber es ist eben doch ein eigenes Werk. Wir haben neben Dmitrij Kapitelman beispielsweise auch Klaus Walter und Aida Baghernejad eingeladen, eigene Essays zu unterschiedlichen Aspekten zu schreiben, die in unserer Ausstellung behandelt werden. Klaus Walter reflektiert ausführlich über die Frage, was jüdischer Pop ist. Er erzählt auch die denkwürdige Geschichte von Irvin Berlin: „Wenn es doch einen Gott gibt da oben zum dran glauben, dann hat er Sinn für Humor. Wie sonst wäre er auf die Idee gekommen, ausgerechnet einen sibirischen Juden das populärste Weihnachtslied ever komponieren zu lassen? Israel Isidore Beilin, geboren 1888 in Tjumen, 1.700 Kilometer östlich von Moskau. Am Ende der Flucht vor Pogromen landet der fünfjährige Israel Isidore mit seinen Eltern auf Ellis Island, dem Sehnsuchtsort im New Yorker Hafen. Als Irving Berlin schreibt er später Evergreens wie ‚Putting on the Ritz‘, ‚There’s no business like show business’, ‚God bless America’ und: ‚(I’m dreaming of a) White Christmas’.”

Wer sich die Begleitpublikation besorgt, wird noch ganz andere Dinge erfahren als die, die man gesehen oder im Musikraum ausprobiert hat. Der Beitrag von Aida Baghernejad hat schon einen programmatischen Titel: „Wie ein explodierender Farbmalkasten“. Die Publikation ist wie ein Magazin gestaltet und gibt ganz unterschiedlichen Stimmen Gelegenheit sich zu äußern.

Norbert Reichel: Wäre es ein regelmäßig erscheinendes Magazin, würde ich es sofort abonnieren. Zwei oder drei Mal im Jahr würde schon reichen.

Franziska Krah: Danke schön. Die Entwicklung des Magazins hat sehr viel Spaß gemacht. Ich würde gerne eine Erweiterung herausgegeben. Themen gibt es genug. Es hat auch Spaß gemacht, weil wir mit sehr kreativen Gestalter:innen zusammengearbeitet haben, drei Menschen, die ganz unterschiedliche Stile haben: Julia Ochsenhirt, Svetlana Visnakova, Anders Bergesen. Die drei kannten sich schon. Bei Magazinen spielt das Layout eine wichtige Rolle. Sabine Müller, die bei uns im Haus für Marketing zuständig ist, hat uns empfohlen, mit den dreien zusammenzuarbeiten. Das war eine goldrichtige Entscheidung. Aber erst bei der Eröffnung habe ich von Anders, der aus Norwegen kommt, erfahren, die Graffiti im Gespräch zwischen Jan Zappner und Mike D habe nicht er gemacht, sondern sein Sohn. Der Junge war schon als Teenager an Graffiti interessiert. Mir hat das gezeigt, dass da schon wieder die Familie ins Spiel kommt, hier einmal zur Abwechslung die biologische Familie.

(Anmerkungen: Erstveröffentlichung im August 2026, Internetzugriffe zuletzt am 2. August 2026. Titelbild: Deborah Kass, OY – YO  © Jüdisches Museum Frankfurt, Foto Norbert Miguletz)