Liebe Freund:innen des Demokratischen Salons,

dieser Newsletter informiert Sie über die zwischen dem Jahreswechsel 2025/2026 und Anfang Februar 2026 im Demokratischen Salon neu veröffentlichten Texte. Er bietet Ihnen darüber hinaus wie üblich weitere Leseempfehlungen und Hintergrundinformationen. Jeder Jahresanfang verführt zu so manchen guten Vorsätzen, aber neuerdings ist Pessimismus populär. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien in Hamburg, plädierte in der ZEIT dagegen: „Schlechte Laune ist auch keine Lösung“. Im Gegenteil, es „nervt nicht nur, es ist brandgefährlich“. Wer etwas verändern will, braucht Zuversicht. Rita Süßmuth hatte diese Zuversicht. Ihr gelang es als Christin und als Feministin die CDU für liberale Ideen zu öffnen, sie schuf die Voraussetzungen für eine moderne liberal-konservative Partei. Am 24. Februar 2026 wird sie in einem Staatsakt gewürdigt. Sie wünschte sich Heribert Prantl als Redner. In der Süddeutschen Zeitung schrieb er am 2. Februar 2026: „Es gibt einen Auftrag, den Rita Süßmuth jenen erteilt, die um sie trauern.“ Mögen wir alle diesem Auftrag gerecht werden. Ihrem seligen Angedenken sei dieser Newsletter gewidmet.

Als Editorial empfehle ich das Gespräch mit Marina Weisband über „Die Macht der Aufmerksamkeit“, ein Tour d’horizon über Visionen in der Politik, die Erfolge von aula, ein mögliches Verbot der AfD, Zohran Mamdani als Hoffnungsträger sowie Perspektiven von Social Media in einer Demokratie. (Rubriken Treibhäuser, Liberale Demokratie)

Die weiteren neuen Texte befassen sich mit Perspektiven des liberalen Judentums (Rabbinerin Elisa Klapheck), Kurdistan, Syrien, Iran und Irak im Januar 2026 (Thomas von der Osten-Sacken), den deutsch-polnischen Beziehungen (Agnieszka Łada-Konefał), der ukrainischen Künstlerin und Aktivistin Mascha Kulikovska sowie der Zukunft der Zärtlichkeit nach den Gräueln von Butscha (zwei Beiträge von Lesia Smyrna), dem politischen Leben der ukrainischen Poetin Lesja Ukrajinka (Mykhailo Liakh), der Georgisch-Deutschen Bibliothek des Verlags Aloni (Ana Margvelashvili), neuen Perspektiven des Streits ums Asyl (Michael Hänel und Daniel Thym), den „Andymonaden“, 43 Jahre nach Erscheinen des Science-Fiction-Romans „Andymon“ in der DDR (Patricia Eckermann, Aiki Mira, Karlheinz Steinmüller, Michael Wehren), den wissenschaftlichen Grundlagen der Science Fiction und dem Autor Frederik Pohl (zwei Texte von Fritz Heidorn) sowie der Bielefelder Mitte-Studie 2025 (Norbert Reichel).

Leseempfehlungen und Hintergrundinformationen finden Sie zu folgenden Themen: Gute Nachrichten zum Jahreswechsel (Newsletter der ZEIT), Soziale Arbeit (ISA-Jahrbuch), Deutsche Einheit in der politischen Bildung (Zeitschrift des Arbeitskreises Deutscher Bildungsstätten), Terror in den Tunneln der Hamas (Eli Sharabi, Romi Gonen), Deutsche unter den Opfern (Carolin Bohl, Kfir Bibas), Mörderischer Antisemitismus (Alexander Estis, Rachel Salamander, Eva Illouz, Nils Minkmar), Antisemitismus in europäischen Schulbüchern (Mike Wagenheim auf mena-watch über eine UNESCO-Studie), Angriffe auf jüdische Restaurants (Stefan Frank auf mena-watch), Stadtbild Bonn Bad Godesberg (Jana Gioia Baurmann); Ungleichheitsforschung und Gymnasien (Claudia Bothe und Alexander Wulfers über eine belgische Studie); Flaschenpfand und Grundsicherung im Alter (Kaija Kutter), Migration und Kriminalität (Philipp Daum), Schwache USA (Bernd Ulrich, Simon Gerards Iglesias), Kollektive Verantwortung in Russland (Anastasia Tikhomirova), Religiös begründetes Mobbing (zwei Berliner Studien), Klimaanpassung in der Kultur (Projekt der Bundeskulturstiftung), Schutz kritischer Infrastruktur (Deutscher Kulturrat), Zerrbild der Antike bei der Neuen Rechten (Julia Kitzman und mehrere Althistoriker:innen), Geschichtspolitik in Polen (Christhardt Henschel), Demokratie in Simbabwe (Namatai Kwekweza), Genozidmuseum in Swakopmund (Laidlaw Peringanda), Somaliland (Steffi Hentschke), eine weitere Übersetzung aus dem Demokratischen Salon ins Ukrainische.

Die Empfehlungen für den Besuch von Veranstaltungen und Ausstellungen finden Sie auf einer eigenen Seite, nach Orten sortiert.

Inhalte der neu veröffentlichten Texte:

  • Elisa Klapheck
    erläutert in „Die Freiheit der Menschen“ die Bedeutung jüdischer Rechtskulturen für die freiheitliche Demokratie. Sie ist Biografin der weltweit ersten Rabbinerin Regina Jonas und gibt bei Hentrich & Hentrich die Reihen „Machloket“ und „Injamin“ heraus, in denen grundlegende Aspekte von Religion und Demokratie verhandelt werden. (Rubriken: Jüdischsein, Liberale Demokratie)
  • Thomas von der Osten-Sacken
    kommentiert „Massenproteste, Traumata und (etwas) neue Hoffnung“ in Kurdistan, im Iran und in Syrien. Der Irak erweist sich als weitgehend stabil, die Lage in Syrien scheint sich zu beruhigen, entstanden ist ein neues kurdisches Selbstbewusstsein. Im Iran führt das Regime Krieg gegen die eigene Bevölkerung. (Rubrik: Levantinische Aussichten)
  • Agnieszka Łada-Konefał
    reflektiert in „Lautes Schweigen und ein Hoffnungsschimmer“ Stand und Perspektiven der deutsch-polnischen Beziehungen. Polen ist selbstbewusst, das Deutschland-Bild hat sich erheblich verschlechtert. Das hat nicht nur mit der unzureichenden Würdigung der polnischen Opfer von Krieg und Besatzung zu tun. (Rubriken: Osteuropa / Europa)
  • Lesia Smyrna
    porträtiert in „Die Autonome Republik Mascha Kulikovska“ die ukrainische Feministin, Konzeptkünstlerin und Performerin Maria Kulikovska. Sie zeigt in ihren Arbeiten und in ihren politischen Performances, wie Kunst „dem Biest in die Augen sehen“ vermag und „mit den Augen Gottes“ der Diktatur der Gewalt widersteht. (Rubriken Kultur, Osteuropa, Gender)
  • Lesia Smyrna
    reflektiert in ihrem Essay „Jenseits der Zärtlichkeit“ die Möglichkeiten von Empathie in den Zeiten nach Butscha. Sie benennt Kontexte und Widersprüche und fragt mit Philosophie und Wissenschaft nach dem Verhältnis von Traum und Realität angesichts der Gräuel des Krieges. (Rubriken: Osteuropa / Kultur)
  • Mykhailo Liakh
    porträtiert in „Zwischen Marx und Drahomanow“ das politische Leben der ukrainischen Schriftstellerin Lesja Ukrajinka, die maßgeblich dazu beitrug, die ukrainische Sprache gegen alle Verbote des Zaren zu stärken. Gleichzeitig ist sie eine zentrale Persönlichkeit der ukrainischen Sozialdemokratie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. (Rubriken: Osteuropa / Europa)
  • Ana Margvelashvili
    berichtet über „Die Georgisch-Deutsche Bibliothek“ ihres Verlags „Aloni“. Dies ist der Auftakt mehrerer Beiträge zu den georgisch-deutschen Kulturbeziehungen. Sie beginnt mit dem König von Kartli und Kakheti, Erekle II., der aktiv nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem christlichen Westen, mit Europa suchte. (Rubriken: Kultur, Osteuropa)
  • Michael Hänel
    kommentiert in „Der Streit ums Asyl“, ausgehend von einem Vorgang am Bahnhof Friedrichstraße aus dem Jahr 1985, die endlose Debatte zwischen den Welten der ständigen „Verschärfer“ und der „grenzenlos Aufnahmebereiten“. Gegen die Polarisierung sieht er mit Daniel Thym, dass „die Bevölkerung viel ausgeglichener denkt“. (Rubrik: Migration)
  • Michael Wehren
    gab 43 Jahre nach Erscheinen des Kultromans „Andymon“ die „Andymonaden“ Er diskutiert gemeinsam mit Patricia Eckermann, Aiki Mira und Karlheinz Steinmüller in „Poetisches Utopia“ über die Hintergründe eines Projekts, in dem sich gesellschaftliche und politische Kontinuitäten, Perspektiven und mögliche Zukünfte spiegeln. (Rubrik: Utopien / Science Fiction)
  • Fritz Heidorn
    porträtiert in „Science Fiction schreiben“ den US-amerikanischen SF-Autor Frederik Pohl, der seine Berufung in Pulp-Magazinen fand und zu einem bedeutenden Autor und vielleicht auch Visionär wurde, dem es gelingt, höchstkomplexe astrophysikalische Phänomene in seinen Romanen mit einem Hauch von Subversion zu präsentieren. (Rubrik: Utopien / Science Fiction)
  • Fritz Heidorn
    präsentiert in „Kosmologisch denken“ wissenschaftliche Vorlagen der Science Fiction. Dazu gehören Gedanken über Dunkle Materie, den Urknall, Reflektionen über die Stadien des Universums, mögliche Begegnungen mit außerirdischen Zivilisationen sowie die Frage des Überlebens von Intelligenz(en) nach dem Ende des Universums. (Rubrik: Utopien / Science Fiction)
  • Norbert Reichel
    kommentiert Aspekte und Kontexte der Bielefelder Mitte-Studie 2025: „Rein oder raus? Immer rund um die Mitte!“ Welche Bedeutung hat der Begriff der „Mitte“ in der Analyse gesellschaftlicher und politischer Kontroversen? Welche Gefühle, Schauplätze und Nebenkriegsschauplätze werden getriggert? Und was bedeutet eigentlich „Demokratie“? (Rubrik: Treibhäuser)

Leseempfehlungen und Hintergrundinformationen:

  • : Gegen Ende jeden Jahres veröffentlicht das Institut für soziale Arbeit in Münster ein Jahrbuch, so auch im Dezember 2025. Das 2025er-Jahrbuch trägt den Titel „Soziale Arbeit in Zeiten der Krise(n)“ (open access). Es erscheint jeweils im Waxmann-Verlag. Es enthält 14 Beiträge in fünf Kapiteln: „Prävention und Schutz“, „Kulturelle Vielfalt“, „Geschlechterverhältnisse“, „Professionelles Handeln“, „Innovationspotenziale zur Bewältigung von Krisen“. Die Beiträge bieten zum Teil grundsätzliche Erwägungen (beispielsweise zum Thema „Kulturelle Vielfalt“ das Gespräch von Norbert Reichel mit Meltem Kulaçatan über „Kulturelle Vielfalt in einer Menschenrechtsprofession“), Ergebnisse von konkreten Programmen und Projekten (zum Beispiel Betül Çalgan, Julia Kilo und Anne Weber zu kultursensibler Unterstützung in Familienzentren über das „Modellprojekt Integrationsbegleiterinnen“). Zu finden sind organisationssoziologische Erörterungen sowie Vorstellungen konkreter Lehrangebote. Unter den grundsätzlichen Reflexionen hervorzuheben ist der Beitrag von Lisa-Marie Staljan „Wie Macht Zukunft formt – Der Einfluss von Bildungsplanung und -steuerung bei der Ermöglichung und Begrenzung von Zukunftsperspektiven“. Sie stellt unter anderem fest: „Wer gehört wird und wer nicht, wer sich handlungsfähig fühlt und wer ohnmächtig bleibt, hängt von bestehenden Machtverhältnissen ab. Macht entscheidet darüber, wer Zukunft planen und gestalten kann und wessen Perspektiven ausgeblendet werden.“ Professionalität, Aus- und Fortbildung bedürfen somit nicht nur konkreter Techniken, sondern auch der Reflexion über „Entscheidungsspielräume“, „Thematische Ausschlüsse und Agenda-Kontrolle“ sowie „Normative Vorgaben“. Ein zentrales Ziel ist die Stärkung der „Selbstermächtigung“, um „Wandel trotz Widerstand (zu) ermöglichen“. Die Autorin formuliert Leitfragen, mit denen diese komplexe Aufgabe erfüllt werden kann: „Zentraler Aspekt ist dabei, Macht nicht zu neutralisieren, sondern bewusst zu machen, kritisch zu reflektieren und Wege zu suchen, um sie gerechter zu verteilen.“
  • Deutsche Einheit in der politischen Bildung?
    Die vierte Ausgabe des Jahres 2025 der Zeitschrift Außerschulische Bildung des Arbeitskreises Deutscher Bildungsstätten enthält mehrere Beiträge zu dieser Frage. Thomas Krüger, der 25 Jahre lang als Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung wirkte, nennt sieben Punkte für die Zukunft, die Sicherung einer dauerhaften Grundfinanzierung, die Stärkung lokaler Verankerung, die Nutzung von Schnittstellen mit der kulturellen Bildung, die Gestaltung milieuübergreifender Projekte, auch altersübergreifend, zwischen Stadt und Land, zwischen verschiedenen sozialen Lebenslagen, den Schutz vor politischer Einflussnahme, die Schaffung von Alternativen zu extremistischen Angeboten und die Anerkennung ostdeutscher Erfahrungen als Ressource. So schwer dürfte dies eigentlich nicht sein, denn eine von Marion Reiser und Pierre Zissel vorgestellte Übersicht des Deutschland-Monitors hält fest, dass es nur wenige gibt, die die Grundlagen einer demokratischen und zukunftsfähigen Gesellschaft ablehnen, von der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen über das Gebot sozialer Gerechtigkeit bis hin zu einem klimaneutralen Leben. Wenn eine Mehrheit – wie beim Klimaschutz oder beim Zuwanderungsthema einer Aussage nicht voll zustimmt oder mit „teils-teils“ antwortet, bedeutet das noch lange keine unwiderrufliche Ablehnung, sondern zeigt, wo die Ankerpunkte liegen (Steffen Mau würde vielleicht „Triggerpunkte“ sagen, die Zeitschrift enthält auch eine Rezension seines Buches „Ungleich vereint“), die bei einer Diskussion über demokratische Problemlösungen zu beachten sind. Robert Grünbaum, stellvertretender Direktor der Bundesstiftung Aufarbeitung, betrachtet „Erinnerungskultur“ als „kontinuierlichen Bestandteil demokratischer Verständigung“. Er fordert, „Teilung und Einheit“ zusammenzudenken: „Es gilt, die Westgeschichte im Osten und die Ostgeschichte im Westen mitzudenken“. Darüber hinaus enthält die Ausgabe ein Gespräch mit Anita Haviv-Horiner über den von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegebenen Band „Solidarität heißt Handeln – Die israelische Zivilgesellschaft nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023“.
  • Der Terror in den Tunneln der Hamas
    : Nach 843 Tagen, am 25. Januar 2026 kehrte Ran Gvili als letzte der von der Hamas verschleppten Geiseln zurück und konnte würdig begraben werden. Er wurde bereits am 7. Oktober ermordet, seine Leiche wurde verschleppt. Alle, die immer noch die Verbrechen der Hamas am und nach dem 7. Oktober leugnen, sollten die Berichte der ehemaligen Geiseln lesen, beispielsweise das inzwischen auch in deutscher Sprache vorliegende Buch von Eli Sharabi, der aus dem Kibbuz Be’Eri entführt wurde: „491 Tage – In den Tunneln der Hamas“ (Berlin, Suhrkamp, 2025, hebräischer Titel: חטוף, englischer Titel: Hostage). Erst nach seiner Befreiung erfuhr er, dass seine Frau und seine Töchter bereits am 7. Oktober ermordet worden waren. Er beschreibt detailliert das Vorgehen seiner Peiniger und was denen geschah, die zeitweise mit ihm gemeinsam in den Tunneln gefangen gehalten wurden. Romi Gonen war auf dem Nova-Festival, sie telefonierte am 7. Oktober während der Belagerung durch die Hamas. Das aufgezeichnete Telefonat war Teil der Ausstellung der Nova-Foundation, die unter anderem im Herbst 2025 in Berlin zu sehen war (eine ausführliche Beschreibung finden Sie in meinen Beitrag „738 Tage“). In der Jüdischen Allgemeinen vom 31. Dezember 2025 berichtet Sabine Brandes, die Israel-Korrespondentin der Zeitung, über ihr Gespräch mit Romi Gonen, die nach 471 Tagen freikam: „Ich dachte, ich würde für immer ihre Sexsklavin sein“. Der Text beginnt mit einer Triggerwarnung: „Dieser Text enthält explizite Gewaltschilderungen. Bitte beachten Sie dies vor der Lektüre.“ Romi Gonen beschreibt explizit die sexualisierte Gewalt der Terroristen, von der auch männliche Geiseln betroffen waren, zum Beispiel Alon Ohel und Guy Gilboa-Dalal: „Die gesammelten Aussagen bezeugen, dass der von der Hamas verübte sexuelle Missbrauch systematisch und nicht zufällig war.“ Mena-Watch berichtete über die zweijährige Gefangenschaft von Elkana Bohbot, eines der Organisatoren des Festivals, mit Details zur physischen und psychischen Folter, unter der die Geiseln litten. Eine der psychischen Methoden waren ständig wechselnde Schein-Informationen über das Schicksal von Familienangehörigen, eine andere die Androhung von Hinrichtung oder Verstümmelung. Auf mena-watch berichteten Adi Nirman und Mai Gonik, dort sind auch Originalaussagen von Romi Gonen und ein Link zum kompletten Interview zu finden. Mit wortgleicher Triggerwarnung beginnt der Beitrag von Daniel Neumann vom 2. Januar 2026 über den Kibbuz Be’Eri. Am Schluss der Lichtblick: Im Kibbuz Be’Eri „wurde für jeden Ermordeten ein Baum gepflanzt. Ein Baum für jedes genommene Leben. 364 insgesamt. Manche sind noch Setzlinge, deren Wurzeln sich zaghaft im Erdreich vortasten. Andere sind schon fest verwurzelt. Aber alle streben gen Himmel. Werden wachsen. Werden leben. In diesem Moment fallen die ersten Tropfen. Es beginnt zu regnen.“
  • Deutsche unter den Opfern
    : Unter den Opfern gab es auch mehrere Deutsche. Bei anderen Katastrophen gibt es immer den Hinweis über „Deutsche unter den Opfern“, um so beim geneigten Publikum Anteilnahme zu schaffen und vielleicht zu Spenden für die Überlebenden und Betroffenen zu motivieren. Das fehlte diesmal weitgehend. Unter den Opfern war auch Carolin Bohl. Sie war keine Jüdin, sie war mit einem sehr guten Freund als Touristin in Israel, wollte eigentlich am 7. Oktober nach Deutschland zurückkehren, verschob die Abreise und wurde am 7. Oktober im Kibbuz Nir Oz von Hamas-Terroristen ermordet. Ihre Mutter Sonja Bohl-Dencker stellte in der Jüdischen Allgemeinen vom 31. Dezember 2025 die unbeantwortbare Frage: „Warum?“: „Neben dem Schmerz um den Verlust von Carolin muss ich dabei zusehen, wie in der deutschen Öffentlichkeit mit den Folgen der Massaker umgegangen wird. Täter-Opfer-Umkehr, fehlende Solidarität, Berichterstattung, die mich vor Entsetzen nicht zur Ruhe kommen lässt. Ich schäme mich für die Deutschen, die dabei mitmachen.“ Eine Woche später veröffentlichte die Jüdische Allgemeine ein längeres Gespräch mit Sonja Bohl-Decker: „Ich fühle mich alleingelassen“. Sabine Brandes erinnerte am 18. Januar 2026 an Kfir Bibas, der am 17. Januar drei Jahre alt geworden wäre: „Kfir Bibas war neun Monate alt, als Terroristen in das Haus der Familie im Kibbuz Nir Oz eindrangen. Zusammen mit seiner Mutter Shiri und seinem vierjährigen Bruder Ariel wurde er entführt. Keiner der drei kehrte lebend zurück. Alle wurden in der Geiselhaft ermordet. Ihre Leichen wurden erst im Februar 2025 nach Israel überführt.“ Sonja Bohl-Decker beteiligt sich am Wiederaufbau von Nir Oz. Wer dafür spenden möchte, kann dies über die Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach – Nir Oz e.V.
  • Mörderischer Antisemitismus
    : Hannah Arendt sagte einmal, vor dem Antisemitismus sei man nur auf dem Monde sicher. Ob dies heute noch stimmt? Alexander Estis kommentierte in der Süddeutschen Zeitung die Morde vom Bondi Beach in Sidney (Australien): „Ihr kennt alle die Angst“: „Der Antisemitismus ist ein proteisches Wesen. Er ist ein Kindsgreis, eine verführerische Missgestalt, eine elefantische Mücke, ein Mollusk mit einem Skelett aus Stahl. Er zeigt sich als naiver Professor, als dogmatischer Freidenker, als einfacher Millionär aus dem Volke, als pazifistischer Terrorist, als Populist der Elite.“ Brauchen Antisemit:innen Gründe? „Der Pogrom hat tausend Gründe. Ihr seid nicht sicher, weil jemand keine Schulden haben will oder weil jemand keine Schuld haben will oder weil jemand keine Geduld haben will. Ihr seid nicht sicher, weil irgendwo in der Ferne Krieg ist. Ihr seid nicht sicher, nachdem irgendwo in der Ferne der Krieg vorbei ist. Ihr seid nicht sicher, weil irgendwo in der Nähe der Nachbar keinen Krieg haben will. Der Pogrom hat tausend Gründe, aber nur eine Ursache, eine immergleiche, aber unendlich wandelbare. Der Pogrom hat tausend Gründe, und ihr seid vor keinem Grund sicher.“ Alexander Estis schließt mit dem erschreckenden Satz: „Juden der Welt! ‚Nie wieder‘ ist nie.“ Rachel Salamander und Eva Illouz diskutierten in den Münchner Kammerspielen. Nils Minkmar berichtete in der Süddeutschen Zeitung: Neben den bekannten Rechtsextremisten „wütet eine wundersame Koalition aus Teilen der postkolonialen Linken, islamistischen Ideologen und russischen Propaganda-Akteuren. Die Debatten über die Sicherheit Israels, die Lage der Juden in Europa und den Frieden im Nahen Osten finden seither in einem emotional übergeschnappten Tohuwabohu statt, aus dem sich immer mehr Menschen, Juden wie Nichtjuden, zurückziehen. Die Leidtragenden sind die Menschen in Gaza und in Israel, deren Zukunft auf einem höllischen Forum verhandelt wird, in dem nur noch gedroht, geschrien und Gewalt angedroht und ausgeübt wird.“ Eva Illouz wies unter anderem auch darauf hin, dass die französischen (auch die deutschen?) Medien Vorfälle sexualisierter Gewalt stets aufgriffen, jedoch nach dem 7. Oktober viele dazu geschwiegen haben.
  • Antisemitismus in europäischen Schulbüchern
    : Die UNESCO hat mit Unterstützung der Antisemitismusbeauftragten der EU-Kommission, Katharina von Schnurbein, eine Studie zum Thema vorgestellt. Beteiligt war auch Peter Carrier vom deutschen Georg-Eckert-Institut (GEI). Mike Wagenheim berichtete für mena-watch: UNESCO-Studie: Judenhass in europäischen Schulbüchern kaum ein Thema“. „Es gibt einen erstaunlichen Mangel an Kohärenz und nur sehr wenige Informationen über die jüdische Geschichte in den staatlichen Lehrplänen. ‚Was es gibt, ist bruchstückhaft und nicht systematisch, nicht durchdacht und nicht zwischen den verschiedenen Ländern koordiniert‘, konstatierte Carrier.“ Lehrpläne sind jedoch die erste Voraussetzung für die Aufnahme eines Themas in den Schulbüchern. Die Bildungsministerien der beteiligten Länder hielten sich bei der Unterstützung der Studie – vorsichtig gesagt – sehr zurück. „Die Publikationen sind Teil des UNESCO-Projekts ‚Bekämpfung von Antisemitismus durch Bildung‘, das im Jahr 2023 ins Leben gerufen wurde und laut Angaben der Organisation bis jetzt mehr als 1.300 Pädagogen und politische Entscheidungsträger in ganz Europa geschult hat.“
  • Angriffe auf jüdische Restaurants
    : Niemand käme auf die Idee, ein chinesisches Restaurant anzugreifen, um auf die Unterdrückung der Uiguren hinzuweisen. Niemand würde ein arabisches Restaurant wegen der in vielen arabischen Ländern üblichen Menschenrechtsverletzungen angreifen. Oder ein persisches Restaurant. Aber mit jüdischen Restaurants ist das offensichtlich anders, ungeachtet dessen, ob die Betreiber israelische Staatsbürger sind oder nicht. Stefan Frank berichtete am 21. Januar 2026 auf mena-watch: „Israelboykottbewegung: ‚Iss nicht bei Juden‘“. Er dokumentiert Angriffe in Melbourne, in New York, in London, in Lissabon, in Berlin, in Leipzig. „Nach ‚Treib keinen Sport mit Juden‘ und ‚Sing nicht mit Juden‘ nun also auch: ‚Iss nicht bei Juden‘.“ (beide Links von mena-watch, sie verweisen auf zwei frühere Beiträge von Stefan Frank)
  • Stadtbild Bonn Bad Godesberg
    : In der ZEIT berichtete Ende Dezember 2025 Jana Gioia Baurmann über den Wandel von Bonn Bad Godesberg, das in der Vergangenheit bis zur Verlagerung der Bundeshauptstadt von Bonn nach Berlin vor allem ein Diplomatenviertel war. Es gab Botschaften und Konsulate, repräsentative Villen. Mehrere Villen stehen inzwischen leer. Bad Godesberg ist heute zum Angstraum geworden, ein Stadtteil mit größeren Sicherheitsproblemen. Verschwunden sind Traditionsgeschäfte (wie im Übrigen auch in der Bonner Innenstadt, zum Beispiel Buchläden) und Traditionslokale (zum Beispiel das überregional bekannte Weinlokal Aennchen). Die Autorin sprach mit dem scheidenden Bezirksbürgermeister Michael Wenzel (Grüne) sowie der neu gewählten Bezirksbürgermeisterin Feyza Yildiz (CDU), mit Anwohner:innen und mit Jugendlichen. Ein junges Mädchen benannte das Problem, warum sie im Dunklen nicht mehr alleine durch die Stadt laufe: „Zu viele junge Männer“. Eine Gruppe junger Männer war auch für den Tod des 17jährigen Niklas im Jahr 2016 verantwortlich. Bald soll eine Skulptur an seinen Tod erinnern. Ein grundlegendes Problem sind fehlende Begegnungsräume, fehlender Austausch, fehlende Gespräche. Axel Bergveld, Besitzer eines Bioladens ist gerade „dabei, mit Einzelhändlern und Vermietern aus der Alten Bahnhofstraße eine Initiative zu gründen. ‚Es ist klar, dass die goldenen Hauptstadtzeiten für Bonn vorbei sind, aber ich wünsche mir wieder eine lebendige und attraktive Innenstadt.‘ Schon jetzt finanzieren die Geschäfte in der Alten Bahnhofstraße die Weihnachtsbeleuchtung selbst. ‚Es fehlt in Bad Godesberg eine Vision für die Zukunft, die nicht so ängstlich, depressiv und rückwärtsgewandt ist‘, sagt Bergfeld.“
  • Ungleichheitsforschung – Zugang zu Gymnasien
    : In der FAZ befassten sich am 11. Januar 2026 Claudia Bothe und Alexander Wulfers mit der Frage, ob Gymnasien für möglichst alle Schüler:innen erreichbar sind. Sie sind es nicht: „Gymnasien gibt’s nur für Reiche“. Der Beitrag beginnt mit einem Bericht aus Frankfurt am Main, wo vor etwa zehn Jahren geplant wurde, ein Gymnasium in einem Viertel mit geringen Übergangsquoten zu dieser Schulform anzusiedeln. Dies scheiterte am Protest von Eltern aus anderen Stadtteilen, die zu lange Schulwege für ihre Kinder befürchteten. Eine Studie der belgischen Wirtschaftswissenschaftler Micael Castanheira, Giovanni Paolo Mariani und Clémence Tricaud hat „Einkommensdaten verglichen mit den Standorten von Schulen und Krankenhäusern, Polizeistationen und Bahnhöfen. Ihr Ergebnis: Je wohlhabender die Menschen in einer Gegend, desto mehr Zugang haben sie zu den öffentlichen Dienstleistungen, die der Staat der Allgemeinheit zur Verfügung stellt und von denen eigentlich alle gleichermaßen profitieren sollen.“ Letztlich gibt es „eine Umverteilung von unten nach oben.“ Einer der untersuchten Faktoren war die örtliche Nettokaltmiete. Dort, wo hohe Mieten festzustellen sind, befinden sich auch wohnortnahe Gymnasien und Krankenhäuser. Dies gilt vor allem in Metropolregionen, aber auch in ländlichen Räumen: „In Gegenden mit einer Nettokaltmiete von unter 6,50 Euro je Quadratmeter beträgt der Weg zum nächsten Krankenhaus durchschnittlich 4,7 Kilometer, in Gegenden mit einer Miete zwischen 16,50 und 19 Euro ist er mit 1,8 Kilometern weniger als halb so lang. Auch bei den Schulen nimmt die Nähe zur nächsten Schule mit steigenden Mieten über fast alle Kategorien ab.“ Deutsche, englische, italienische und brasilianische Untersuchungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Ein weiteres belgisches Ergebnis: „Ein um zehn Prozent besserer regionaler Zugang zu öffentlichen Gütern war verbunden mit einer um 2,4 Prozent besseren Gesundheit und um 2,5 Prozent besseren Bildung.“ Die belgische Studie nennt Instrumente des Staates gegenzusteuern, die aber nur unzureichend genutzt werden. Fazit: Bildung ist nicht nur ein Thema der Qualität des Unterrichts, sondern auch eine Frage des Standorts. Wer soziale Mobilität fördern möchte, muss allerdings bereit sein, die Proteste reicherer Eltern auszuhalten. Daran fehlte es zum Beispiel in Frankfurt.
  • Flaschenpfand und Grundsicherung im Alter
    : In der taz berichtete Kaija Kutter von einem Fall aus Hamburg-Altona. Dort hatte das örtliche Sozialamt einem Rentner die Beträge, die er durch Sammeln von Pfandflaschen erhalten hatte, in voller Höhe von der Grundsicherung abgezogen. Es handelte sich um Bagatellbeträge in Höhe von 58,25 EUR beziehungsweise 11,75 EUR. Das Sozialamt Altona betrachtete diese als „Einkünfte aus dem „systematischen Sammeln und Einlösen von Pfandflaschen“, obwohl es eine gesetzliche Vorgabe gibt, dass 30 Prozent dieser „Einkünfte“ nicht hätten angerechnet werden müssen. Das Bundessozialministerium ergänzte auf Anfrage, dass Bagatellbeträge nicht berücksichtigt werden müssten. Es gibt auch ein Urteil des VG Düsseldorf aufgrund der Klage einer Betroffenen, dass Bagatellbeträge unberücksichtigt bleiben könnten. Die Praxis der Sozialämter ist jedoch uneinheitlich. Der Altonaer Fall wird jetzt ein Gericht beschäftigen. Die taz hatte von dem Fall über das Straßenmagazin Hinz & Kunzt.
  • Migration und Kriminalität
    : In seinem Essay „Hat Migration Deutschland wirklich unsicher gemacht?“ vom 28. Dezember 2025 für die ZEIT analysiert Philipp Daum eine der Fragen, die die Debatten um den Umgang von Politik und Gesellschaft mit Migration analysiert und die gängigen Annahmen dekonstruiert. Einerseits lautet die Antwort „Ja“, andererseits ist Deutschland jedoch ein sicheres Land. Die Zahl der Morde hat sich ebenso deutlich verringert wie die Zahl der Wohnungseinbrüche. Es gibt gleichwohl, auch wenn man verschiedene Faktoren aus den Statistiken herausrechnet, beispielsweise das Alter, die Dauer des Aufenthalts, einen stärkeren Anteil von Menschen ohne deutschen Pass. Allerdings lässt sich die Antwort auf die Täterprofile auf die Formel bringen, dass vor allem junge arme Männer aus sogenannten „Ehrenkulturen“, aus in der Regel patriarchialisch geprägten Milieus und Ländern sich kriminell verhalten. Philipp Daum zitiert mehrere Studien, darunter eine, in der das Verhalten von Menschen aus Nord- und Südstaaten der USA verglichen wurde. Menschen aus den Südstaaten reagierten auf Rempeleien oder Ähnliches erheblich emotionaler und aggressiver als Menschen aus den Nordstaaten. Auch dies hat möglicherweise mit einer Art Ehrgefühl zu tun.
  • Schwache USA – nicht nur in Südamerika
    : Es gibt wenige Politiker:innen, deren Handeln sich fast im Wochenrhythmus neu bilanzieren ließe. Man könnte auch darüber nachdenken, warum immer nur rudimentär und anlassbezogen, nie systematisch über den Widerstand gegen die Trump-Regierung in den USA selbst berichtet wird. Offensichtlich schafft es Trump, die Themen der Berichterstattung so weit zu beeinflussen, dass sich die Medien (und die Politik) kaum noch mit etwas anderem beschäftigen als der Frage, was er als nächstes tun werde. Bernd Ulrich schrieb am 10. Januar 2026 auf ZEIT Online: „Einer Mutter wird ins Gesicht geschossen, ein Staatschef gekidnappt: Donald Trump macht Politik im Rausch.“ Dies sei auch vor einem Jahr nicht anders gewesen, aber jetzt im Januar 2026 hätten wir „Mehr Blut, mehr Stahl, mehr Ideologie“ – so die von Bernd Ulrich gewählte Überschrift. Und im Hintergrund lauern JD Vance und Peter Thiel, die noch weit gefährlicher für die Zukunft der Demokratie seien als Donald Trump und Elon Musk. Auf diesem Weg bezeichnete Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller internationale Verträge und Organisationen als „niceties“, die „Stärke, Gewalt und Macht“ zu weichen hätten. Ganz im Sinne von Carl Schmitt, der ohnehin in der weltweiten rechtspopulistischen Szene gerne zitiert wird. Bernd Ulrich knüpft mit dieser Analyse an seinen Leitartikel in der ZEIT-Ausgabe vom 8. Januar 2026 an: „Von wegen Öl“: „Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat ein einzelner Mensch so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie Donald Trump. Selbst seine Vorgänger im mächtigsten Amt der Welt waren weder fähig noch willens, Tag für Tag Milliarden Menschen in ihren Bann zu ziehen. Selbstverständlich könnte Trump das nicht ohne sein Amt. Aber vielleicht verdankt sich diese gigantische Aufmerksamkeit weniger seiner Macht als umgekehrt: Seine Macht nährt sich aus der gigantischen Aufmerksamkeit.“ Bernd Ulrich spricht von „Aufmerksamkeitsautoritarismus, es provoziert die Angst der Europäer.“ Aber gäbe es eine Strategie? Vielleicht diese? „Ab und zu wegschauen, auslachen gar, das konterkariert seine täglichen misanthropischen Übungen. Und vor allem sollte man vermeiden, seine Als-ob-Politik jederzeit als Oha-Politik zu ratifizieren.“ Man könnte auch auf den Gedanken kommen, dass diese Politik eines überaktiven Kindes eher aus Unsicherheiten zu erklären ist als aus einer klaren Strategie. Simon Gerards Iglesias vertritt diese These in seinem Beitrag vom 11. Januar 2026 in „Geschichte der Gegenwart“ am Beispiel von Trumps Bemühungen um Vorherrschaft in Südamerika: „Imperiale Strategie?“ Er zieht eine Linie bis zu den 1848 / 1849 Mexiko abgezwungenen Gebietsübergaben an die USA. Die Wiedergeburt der Monroe-Doktrin als „Donroe-Doktrin“ (Originalton Trump) belege die Schwäche der USA. Die USA haben wirtschaftlich in Südamerika deutlich an China verloren: „Zwar können die USA heute noch ihre militärische Stärke und ihr finanzwirtschaftliches Gewicht einsetzen, doch sie sehen sich zunehmend durch konkurrierende Mächte, insbesondere China, herausgefordert. Für andere Akteure – nicht zuletzt für die Europäische Union – eröffnet sich damit die Möglichkeit, als langfristig verlässlicherer und fairer Partner aufzutreten.“ Auch zu diesem Thema Simon Gerards Iglesias in seiner Dissertationsschrift „Wissen über Arbeit in Krisenzeiten – Argentinien und die ILO, 1919-1950“. (Bielefeld, transcript, 2024, als open access verfügbar)
  • Kollektive Verantwortung in Russland
    : Deutsche wehrten sich immer schon gegen eine ihnen für die Verbrechen der Nazis anhängende „Kollektivschuld“. Hannah Arendt variierte den Begriff und sprach von „Kollektiver Verantwortung“. Diese ist einer der Punkte des Essays „Putin ist auch nur eine Schöpfung Russlands“ vom 2. Januar 2026 von Anastasia Tikhomirova auf ZEIT online. Einerseits gebe es zurzeit tatsächlich Bemühungen, den Krieg um die Ukraine zu beenden: „Doch mit der permanenten Beschwörung eines baldigen Kriegsendes stellt sich zunehmend die Frage nach dem Danach: Was von Russlands Angriffskrieg im Gedächtnis bleiben wird und wer die Verantwortung für ihn übernimmt. Es sind Fragen, die sich nicht nur an das Kremlregime richten, sondern auch an jene, die diesen Krieg führen oder in deren Namen er geführt wird: uns Russen.“ Anastasia Tikhomirova kritisiert, dass russische Oppositionelle den russländischen Imperialismus ignorieren und die Verbrechen gegen die Ukraine in ihren Statements so gut wie nicht erwähnen, erst recht nicht die Verbrechen gegen indigene Völker in den Grenzen der Russischen Föderation, so beispielsweise zuletzt Julija Nawalnaja in Brüssel. Unerwähnt bleiben die kolonialen Verbrechen Russlands, „die beiden Tschetschenienkriege in den 1990er- und 2000er-Jahren, die Deportationen indigener Völker wie der Kalmücken in den 1940ern; die Hungergenozide in der Ukraine, der Wolgaregion und Kasachstan in den 1930ern; die ethnische Säuberung der Tscherkessen oder die Eroberung und Kolonisierung von Zentralasien und dem Kaukasus im 19. Jahrhundert.“ Diese Linie ließe sich bis weit ins 17. und 18. Jahrhundert fortsetzen. Das Problem sei „Realitätsabwehr“ und somit eine sehr ernst zu nehmende Hypothek für die Aufarbeitung der Verbrechen Putins: „Das aktuelle Russland ist keine Schöpfung Putins – Putin ist eine Schöpfung Russlands. Deshalb ist auch zu bezweifeln, dass sich Russland nach seinem Tod automatisch in einen Rechtsstaat verwandeln würde, geschweige denn den Imperialismus und Kolonialismus überwinden wird.“ Die Analyse von Anastasia Tikhomirova entspricht Ergebnissen führender Osteuropaforschung, beispielsweise von Martin Schulze Wessel in „Die übersehene Nation“ und „Der Fluch des Imperiums“ (2025 beziehungsweise 2023 bei C.H. Beck). Am 2. Mai 2023 veröffentlichte er in der FAZ den Artikel „Putin ist kein Betriebsunfall der russischen Geschichte“, in der er unter anderem auf die Romantisierung von Peter dem Großen in Deutschland verweist sowie auf die Fehleinschätzung, dieser habe Russland liberalisieren wollen.
  • Religiös begründetes Mobbing
    : Der Berliner Senat hat bei den Universitäten Bielefeld und Wuppertal eine wissenschaftliche Befragung von 450 Klassen zum Thema religiöser Konflikte beauftragt. Die Studie fragt danach, wie sehr religiöser Konformitätsdruck Jugendliche belastet. Der Versuch von Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), eine Anlauf- und Dokumentationsstelle für „konfrontative Religionsbekundungen“ einzurichten, war vor drei Jahren gescheitert: Diese Stelle sollte „konfrontative Religionsbekundungen“, konkret Mobbing durch radikalgläubige Muslime, dokumentieren, stieß bei einer Gruppe von Wissenschaftler:innen, aber auch parteiintern auf Kritik und den Vorwurf, das sei „antimuslimisch“. Erst kürzlich teilte Martin Hikel mit, dass er nicht wieder für den Parteivorsitz in der SPD kandidieren werde, weil er für seine Position keine ausreichende Mehrheit in der Partei sehe. Susanne Vieth-Enthus kommentierte am 22. Dezember 2025 im Berliner Tagesspiegel die neue Initiative der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günter-Wünsch (CDU). Sie zitierte unter anderem die Zeitung Jungle World, die unter Bezug auf eine Studie des Vereins für Demokratie und Vielfalt (DeVi) betont habe, dass nicht nur Jüdinnen und Juden, sondern auch liberale Muslime von radikal konservativen Muslimen unter Druck gesetzt würden. „Muslimische Lehrerinnen, die kein Kopftuch tragen, werden von manchen Jungen nicht akzeptiert; Eltern halten ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht fern, muslimische Schülerinnen werden wegen freizügiger Kleidung angegangen; Schüler wollen Israel aus dem Atlas herausschneiden; radikale Moscheen gewinnen an Einfluss und Aleviten verleugnen sich aus Angst vor Sunniten und Schiiten.“ Dies war auch Thema einer weiteren Studie von Diana Schieck, „Religionsverbundene Konflikte im Berliner Schulalltag“ (Dissertation an der FU Berlin, Nomos Verlag, 2024). Konkrete Maßnahmen sind noch nicht geplant. Die Ergebnisse der geplanten Studie – so der Berliner Senat – seien abzuwarten. Ergänzend zum Thema sei die Lektüre des Buches der Integrationsbeauftragten von Neukölln empfohlen: Güner Yasemin Balci, „Heimatland – Zähne zeigen gegen die Feinde der Demokratie“ (Berlin Verlag, 2025).
  • Klimaanpassung in der Kultur:
    Der Abschlussbericht des von der Kulturstiftung des Bundes finanzierten Projekts „Klimaanpassung in Kultureinrichtungen“ liegt vor. Grundlage war die Annahme einer durchschnittlichen Erderwärmung von plus 2 Grad Celsius. Der Bericht porträtiert 20 Kultureinrichtungen und bietet Arbeitsmaterialien und Ablaufpläne für diejenigen, die sich an deren Erfahrungen orientieren möchten. Zu den Einrichtungen gehören beispielsweise das Gartenreich Dessau-Wörlitz, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, die Stadtbibliothek Saarbrücken, das Deutsche Hygienemuseum Dresden und das Stadttheater Bremerhaven. Eine der Forderungen an die klimaresiliente Gestaltung von Kultureinrichtungen lautet: „Eine erfolgreiche Klimaanpassung muss die Umgebung miteinbeziehen – räumlich, sozial und politisch. Begrünung, Schutzmaßnahmen, Aufenthaltsqualität etc. sind oft quartiersübergreifend zu lösen. Auf dem Weg zum klimaresilienten Kulturbetrieb müssen Belange wie Denkmalschutz, Gemeinwohl oder (architektonisches) Urheberrecht frühzeitig mitgedacht werden. Zugleich sollten Kultureinrichtungen in die politischen Anpassungsstrategien von Ländern und Kommunen eingebunden werden.“ Das ist zwar in erster Linie eine kommunale Aufgabe, doch die Kommunen brauchen Unterstützung von Seiten des Bundes und der Länder, die die gesetzlichen und finanziellen Grundlagen schaffen müssen.
  • Schutz kritischer Infrastruktur
    : Am 29. Januar 2026 wurde im Deutschen Bundestag das KRITIS-Dachgesetz (Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2022/2557 und zur Stärkung der Resilienz kritischer Anlagen) verabschiedet. Kultur und Medien wurden nicht berücksichtigt, obwohl der Deutsche Kulturrat mehrfach und deutlich darauf hingewiesen hatte. Der Deutsche Kulturrat wies in einer Presseerklärung darauf hin: „Die gewachsenen Bedrohungslagen durch den Klimawandel, Naturkatastrophen und auch Kriege sind immer deutlicher spürbar und betreffen die Kulturinfrastruktur unmittelbar. Kultur hat eine wesentliche identitätsstiftende Funktion für die Gesellschaft, ohne die ein Zusammenhalt gerade in Krisenzeiten nicht möglich ist. Ihr Schutz ist zentral. Der Deutsche Kulturrat wird in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf den Kulturgutschutz legen. Er arbeitet an einer umfänglichen Positionierung zu diesem Thema und wird sich aktiv mit konkreten Vorschlägen in die Erarbeitung der KRITIS-Resilienzstrategie einbringen.“ Wer weiß, welche Kulturgüter die russischen Angriffe auf die Infrastruktur in der Ukraine zerstört haben, sollte eigentlich wissen, was es im Zweifel bedeutet, Kultur beim Schutz der Infrastruktur zu ignorieren. Aber auch der mehrtägige Stromausfall in mehreren Berliner Stadtteilen sollte zu denken geben.
  • Zerrbild der Antike
    : Im Tagesspiegel berichtete am 18. Dezember 2025 Julia Kitzmann über das Bild der Antike, das sich in der Neuen Rechten, nicht zuletzt über die sozialen Medien, verbreitet: „Die Antike kommt in den ideologischen Fleischwolf“. Der Titel zitiert die Althistorikerin Babett Edelmann-Singer. Dies geschieht auch über Symbole, so das Lambda im Logo der Identitären Bewegung oder die Benennung des Verlags von Götz Kubitschek nach Antaios, Sohn des Poseidons und der Gaia. JD Vance verband in seiner Münchner Rede sein Bild von den USA und Europa mit Hinweisen auf die Aeneis des Vergil, Elon Musk verabschiedete sich nach einer Rede mit dem sogenannten Römischen Gruß. Das ein oder andere Zitat griechischer Philosophen wird zur Legitimation zitiert, aber aus dem zugehörigen Kontext gerissen. Manche Bilder rühren eher aus der Darstellung antiker Heroen in Hollywood-Filmen, nicht zuletzt aus „Gladiator“ – so der Althistoriker Christopher Degelmann. Dieses Bild der Antike widerspricht allen Ergebnissen der althistorischen Forschung, erhält seine Popularität jedoch über scheinbare Analogien zu den von recht(sextremistisch)en Parteien und in deren Vorfeld verbreiteten Ansichten. Da werden dann die Griechen der Antike zu einer weißen Elite, die sich gegen die sie bedrohenden Perser, denen entsprechend eine dunklere Hautfarbe zugeschrieben wird, durchgesetzt haben. Frauen und Fremde haben keine Rechte in der Polis. Der Zerfall der griechischen Polis beziehungsweise des Römischen Reiches wird Migrationsbewegungen zugeschrieben, interne Machtkämpfe werden ignoriert, als hätte es sich in der römischen beziehungsweise griechischen Antike um homogene Staaten mit einer von allen als verbindlich anerkannten Führung gehandelt. Die Ideologisierung der Antike ist auch Thema von Veranstaltungen und Forschungen des Berliner Antike-Kollegs. Lesenswert zu diesem Thema ist das in der Augustausgabe 2025 des „Merkur“ veröffentlichte Lektüregespräch zwischen dem Literaturwissenschaftler Helmut Müller-Sievers und dem Software-Unternehmer Greg Laugero: „Christian Meiers ‚Athen‘ in der Ära Trump“. Grundlage ist das 1993 erschienene und mehrfach wieder aufgelegte Buch „Athen – Ein Neubeginn der Weltgeschichte“ des Althistorikers.
  • Geschichtspolitik in Polen
    : In dem Internetmagazin „Geschichte der Gegenwart“ berichtet Christhardt Henschel, Historiker am Deutschen Historischen Institut in Warschau, über den Versuch des neuen polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, Teile der polnischen Geschichte zu entsorgen: „Postkommunismus ade – Warum Polen den Runden Tisch von 1989 ins Museum verbannt“. Das Runde-Tisch-Verfahren wurde in Polen erfunden und wurde zum Vorbild zahlreicher weiterer Initiativen zur demokratischen Neugestaltung von Politik und Gesellschaft in ehemals kommunistischen Ländern, so auch in der DDR. Nawrocki erklärte, mit dem Umzug des Tisches, an dem der Runde Tisch getagt hat, sei der Postkommunismus zu Ende gegangen. Dieser Akt ist eine Folge der schon seit längerer Zeit vor allem von der PiS unter Jarosław Kaczyński propagierten „Transformationskritik“, die er mit dem Verdacht einer „Verschwörung der alt-neuen Eliten“ Christhardt Henschel fasst zusammen: Während die Verteidiger der ausgehandelten Kompromisse in seinen Augen bis heute am Stockholm-Syndrom litten, sei es 1989 am Ende doch nur darum gegangen, aus Polen einen Hybriden aus Demokratie und Kommunismus zu erschaffen. Ein Möbelstück, das diesen Zustand symbolisiert, kann deshalb in den Augen des Präsidenten nicht in einem Amtsgebäude stehen, das die politische Gegenwart und Zukunft des freien und wirtschaftlich erstarkten Polen repräsentiere.“ Karol Nawrocki war vor der Übernahme der Präsidentschaft Direktor des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig. Er hatte unter der PiS-Regierung seinen Vorgänger Paweł Machecewicz abgelöst, der den Streit um die Ausgestaltung des Museums in seinem Buch „Der umkämpfte Krieg“ dokumentiert hat (Wiesbaden, Harassowitz, 2018). Er berichtet von ähnlichen Entwicklungen zu einer Umdeutung der Geschichte in anderen Ländern, beispielsweise in Ungarn.
  • Junge Demokratie in Simbabwe
    : Die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit lud zur Verleihung des Afrika-Preises an Namatai Kwekweza aus Simbabwe ein. Denise Dittrich berichtete: „In vielen afrikanischen Ländern setzen sich gerade junge Menschen zunehmend für demokratische Teilhabe, Rechtsstaatlichkeit und gute Regierungsführung ein. Trotz struktureller Hürden, eingeschränkter Handlungsspielräume und herausfordernder politischer Kontexte entstehen innovative, zivilgesellschaftliche Ansätze, um die politische Teilhabe der sogenannten Gen Z zu stärken.“ Namatai Kwekweza engagiert sich mit ihrer Organisation WELEAD Trust für Demokratie und politische Teilhabe. Die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit berichtet regelmäßig über Entwicklungen in Afrika. Mit einem Klick auf den hier genannten Artikel findet man weitere Berichte und Hintergrundinformationen. Über Simbabwe berichtete im Demokratischen Salon Beate Blatz in ihrem Porträt der Autorin Tsitsi Dangaremba, die im Oktober 2021 den Friedenspreis der Deutschen Buchhandels erhielt.
  • Genozidmuseum in Swakopmund (Namibia)
    : In Swakopmund betreibt Laidlaw Peringanda auf zwölf Quadratmeter das einzige Museum zum deutschen Völkermord an den Herero und Nama. Joshua Beer berichtete am 15. Januar 2026 in der Süddeutschen Zeitung über die Konflikte um dieses Museum: „Das Genozidmuseum im deutschen Idyll von Afrika“. Nach Namibia verirren sich gelegentlich auch AfD-Parlamentarier:innen. Laidlaw Peringanda berichtet, dass sich einer entfernte, um an einem Grabstein eines der für den Völkermord verantwortlichen Kommandanten einen Kranz niederzulegen. Er postete dies auf Instagram (im AfD-Programm ist zu lesen, dass das Kaiserreich wieder positiv dargestellt werden solle). Im Museum zu sehen sind Schwarz-Weiß-Fotografien von aneinander gefesselten Menschen, dokumentiert werden die Massenvergewaltigungen, die „Konzentrationslager“ (sie wurden von den Deutschen als solche bezeichnet) und der „Vernichtungsbefehl“ von von Trotha vom 2. Oktober 1904. Joshua Beer dokumentiert die Konflikte um das Museum, um ein nach wie vor erhaltenes die deutsche Kolonialherrschaft feierndes Denkmal, die gespaltene deutsche Community in Swakopmund sowie die zurückhaltende Politik der Bundesregierung: „2021 bezeichnete die deutsche Bundesregierung den Völkermord erstmals offiziell als solchen, mit dem Zusatz ‚aus heutiger Sicht‘, so steht es in einer ‚Gemeinsamen Erklärung‘ mit der namibischen Regierung. Verbunden mit einer Entschuldigung und der Verpflichtung, 1,1 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe zu leisten, über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Ein Wort aber wird vermieden: Reparationen. Genau das, was führende Vertreter von Herero und Nama fordern. Die Erklärung bezeichneten sie als ‚Ausverkauf‘ und ‚monumentale Schande‘, 2023 klagten Opfergruppen vor dem Obersten Gericht Namibias, um sie außer Kraft zu setzen. Sie sei rechtswidrig, weil sie über die Köpfe der Betroffenen hinweg verhandelt worden sei. Das Urteil steht aus.“ (Links im Beitrag der Süddeutschen Zeitung). Lesenswert ist auch der Bericht von Martin Sturmer vom 25. Juli 2024 in Africa Info über das Museum. Weitere Informationen bieten die Ausgabe von „Aus Politik und Zeitgeschichte“ vom 20. September 2019 „Deutsche Kolonialgeschichte“, darin der Beitrag von Jürgen Zimmerer „Deutschland, Namibia und der Völkermord an Herero und Nama“ (Joshua Beer berichtet über ein Gespräch mit Jürgen Zimmerer), sowie das von Christiane Bürger und Sahra Rausch geschriebene und von Tuaovisiua Betty Katuuo illustrierte MaroHeft (Augsburg, MaroVerlag) „Der Prozess – Wie der deutsche Völkermord an den Herero und Nama nicht vor Gericht kam“. Im kürzlich vorgelegten Konzept des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien zur Erinnerungskultur wird die Kolonialgeschichte nicht mehr erwähnt, angekündigt wurde ein eigenes Konzept, das jedoch noch nicht vorliegt.
  • Somaliland
    : Ein Land, das in Europa, in Deutschland kaum jemand kennt, ist Somaliland, eine Abspaltung von Somalia seit dem Jahr 1991, relativ stabil und weitgehend demokratisch, in der Regel prowestlich orientiert, aber international nicht anerkannt. Israel hat jetzt Ende Dezember Somaliland anerkannt. Internationale Proteste waren die Folge. In der ZEIT analysierte Steffi Hentschke: „Was will Israel von Somaliland?“ Das Land liegt direkt gegenüber dem zurzeit weitgehend von den Huthi kontrolliertem Jemen. Eine Annäherung an Somaliland gibt es auch von Äthiopien, das auf diplomatischem Wege einen Zugang zum Meer gesichert hat. Man muss nicht alles befürworten, was die israelische Regierung tut, ganz und gar nicht, aber in diesem Fall täten die EU und nicht zuletzt auch Deutschland gut daran, Israel zu folgen.
  • Demokratischer Salon in der Ukraine
    : Auf dem Portal Experiment wurde der Beitrag von Ana Margvelashvili „Deutsch-Georgische Bibliothek“ in ukrainischer Sprache veröffentlicht. Die Übersetzer:innen waren Studierende des Deutschkurses von Pavlo Shopin an der Drahomanov-Universität in Kyjiw.

Der Newsletter des Demokratischen Salons erscheint in der Regel etwa alle acht Wochen. Die nächste Ausgabe erhalten Sie in etwa acht Wochen. Neue Beiträge werden wie bisher laufend veröffentlicht.

Mit den besten Grüßen verbleibe ich

Ihr Norbert Reichel

P.S.: Sollte jemand an weiteren Sendungen meines Newsletters nicht interessiert sein, bitte Nachricht an info@demokratischer-salon.de. Willkommen sind unter dieser Adresse natürlich auch wertschätzende und / oder kritische Kommentare und / oder sonstige Anregungen.

(Internetzugriffe in diesem Newsletter zuletzt am 7. Februar 2026.)